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Weltklimakonferenz

COP23: Im Schneckentempo zum Klimaschutz

Mittlerweile ist die Klimakonferenz in Bonn auf ganz gutem Weg, wie die Verhandler sagen. Aber Erfolge muss man mit der Lupe suchen. Und die Türkei hat ein ganz spezielles Problem.

Deutschland Weltklimakonferenz COP23 Jochen Flasbarth (picture-alliance/dpa/H. Kaiser)

Langjährige Erfahrung in der Suche nach Klima-Kompromissen: Staatssekretär Jochen Flasbarth

Jochen Flasbarth, den deutschen Umwelt-Staatssekretär, kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Schon viele Klimakonferenzen hat der erfahrene Fachmann hinter sich gebracht. Und er hat sich angewöhnt, die oft abenteuerlichen Diskussionen und Probleme auf Klimatreffen mit rheinischer Gelassenheit zu nehmen.

So auch an diesem Dienstag. Flasbarth berichtet am frühen Morgen, dass es sechs Jahre gedauert hat, bis die Verhandler sich jetzt in Bonn auf ein Papier zum Thema Klimaschutz und Landwirtschaft geeinigt haben. Das heißt: Es gibt eine Art Fahrplan, wie die Emissionen der Landwirtschaft mitgerechnet werden können. Demnächst, in der Zukunft. Aha. "Ja, da braucht man jede Menge Humor. Ich muss Ihnen sagen: Ich komme ohne Expertenhilfe nicht mehr unfallfrei durch diese Texte", sagt Flasbarth seelenruhig.

Text zur Vergleichbarkeit so gut wie fertig

Wenn schon über die Landwirtschaft so lange geredet wird, was heißt das dann für den zentralen Punkt der Bonner Konferenz: Die Frage nämlich, wie die Klimaziele aller über 190 Staaten - versprochen auf der Pariser Konferenz vor zwei Jahren - jetzt vergleichbar gemacht werden können? "Es liegt ein einheitliches Papier vor, das ist doch schon mal was", sagt Flasbarth.

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Sind die Klimaziele von Paris noch erreichbar?

Erfolge sind auf Klimakonferenzen eben oft nur mit der Lupe auffindbar. Flasbarth ist sich aber sicher: Alle Beschlüsse werden gut vorbereitet, die Konferenz könnte also wohl pünktlich am Freitag um 18 Uhr enden. Zumal ein endgültiger Beschluss erst im kommenden Jahr auf der Konferenz in Polen erwartet wird. Bonn bereitet den Beschluss nur vor, so gut es geht.

Ist die Türkei ein Entwicklungsland?

Das Schneckentempo der Gespräche liegt natürlich auch daran, dass der Klimakonferenz immer wieder Stolpersteine in den Weg gelegt werden. Von einzelnen Staaten, wie jetzt von der Türkei. Präsident Recep Tayip Erdogan nämlich hat erkannt, dass vom großen 100-Milliarden-Dollar-Fonds, den die Staaten ab 2020 auflegen wollen, um sich an den Klimawandel anzupassen und Klimagase zu mindern, vor allem Entwicklungsländer profitieren. Und er hat seine Verhandler in Bonn angewiesen, darauf zu drängen, dass die Türkei schnell zu einem Entwicklungsland erklärt wird.

Aus der deutschen Delegation heißt es dazu: Man stelle sich die Empörung Erdogans vor, wenn ein deutscher Politiker die Türkei öffentlich zum Entwicklungsland erklären würde. Aber egal, hier geht es ja ums Geld. Erdogan hatte gedroht, den Pariser Klimavertrag zu verlassen, wenn seine Forderung nicht erfüllt wird. Dann könnte er sich mit US-Präsident Donald Trump treffen, der sich als bislang Einziger von dem großen Klimadeal zurückgezogen hat. 

Deutschland Weltklimakonferenz in Bonn - Proteste (Reuters/A. Doyle)

Protestierer unterbrachen eine Pro-Kohle-Veranstaltung der US-Regierung in Bonn

Aber es gibt ja noch Jochen Flasbarth. Er vermittelt zwischen der Klimakonferenz und der Türkei. Vielleicht bekommt Ankara Geld für Projekte, die sowohl vom großen Klimafonds als auch von anderen Geldgebern finanziert werden und irgendwie in der Region rund um die Türkei angesiedelt sind. Ein typischer Kompromiss.

Ein Lied gegen Donald Trump

Ach ja, Donald Trump und die Amerikaner: Am Montagabend gab es eine der wenigen Veranstaltungen der US-Regierung in Bonn. Thema: Wie neue Kohlekraftwerke und die Atomkraft den Klimawandel bekämpfen können. Besucht wurde die Veranstaltung von Hunderten Umweltschützern, die mittendrin eine Art Protestlied gegen den Klimaleugner Trump anstimmten. "Das war, finde ich, eine angemessene Art, mit den USA umzugehen. Sie können hier reden wie jedes UN-Land, aber dann müssen sie auch den Protest dagegen ertragen", sagt Jochen Flasbarth. Seelenruhig wie immer.

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