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Wissen & Umwelt

Edenhofer: Mit einem CO2-Preis die Klimaziele von Paris erreichen

CO2-Emissonen heizen die Erde auf. Auf der Klimakonferenz COP23 wird deshalb über einen Preis für CO2-Emissionen diskutiert. Mit den Einnahmen ließen sich zugleich Steuern senken, erklärt Klimaökonom Ottmar Edenhofer.

Deutsche Welle: Herr Edenhofer, Sie plädieren für einen Preis auf CO2. Warum?

Ich werbe für einen Preis für CO2 aus drei Gründen. Erstens macht ein CO2-Preis CO2-freie Technologien wettbewerbsfähig. Zweitens bestraft ein CO2-Preis die Nutzung der fossilen Energieträger, entsprechend ihres Gehalts an Kohlenstoff. Kohle wird so mehr bestraft und Erdgas weniger. Und drittens generiert ein CO2-Preis Einnahmen.

Weltklimabericht IPCC 2014 Ottmar Edenhofer (Reuters)

Ottmar Edenhofer, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Mit diesen Einnahmen aus dem CO2-Preis können entweder andere Steuern abgeschafft werden, oder sie senken die Staatsverschuldung. Zudem kann in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern damit in die Infrastruktur investiert werden. Das sind die wesentlichen drei Gründe.

Das hört sich sinnvoll an. Gibt es viele Anhänger dieses CO2-Preises ?

In der Wissenschaft war es eigentlich immer klar, dass man einen CO2-Preis braucht. In zunehmendem Maße machen sich dafür aber auch Industrieverbände und die Umweltverbände stark. Die Industrieverbände machen sich deswegen stark, weil für viele Branchen ein CO2-Preis essentiell ist, zum Beispiel für die Erneuerbaren [Energien].

Sie sagen, dass eine Tonne CO2 die Gesellschaft  etwa 150 US-Dollar kostet. Wie kommen Sie auf diesen hohen Preis?

Der kommt dadurch zustande, dass die Finanzminister in großen Teilen der Welt ihre Ölexporte subventionieren und Kohle viel zu billig verkauft wird. Wenn wir Kohle verkaufen, dann sind die Kosten durch die lokale Luftverschmutzung nicht eingerechnet. Und diese lokale Luftverschmutzung hat dreimal mehr Tote als Malaria, Aids und Tuberkulose zusammen. Das ist also keine Kleinigkeit. Man muss natürlich diese Kosten mit einberechnen. Man kann es vielleicht so sagen: Die Kohle ist auf dem Markt billig, aber für die Gesellschaft sehr teuer.

Nun soll ein CO2-Preis aber auch helfen, die Klimaziele von Paris zu erreichen. Welche Preise empfehlen Sie dafür?

Wir haben das in einer Kommission ausgerechnet: Bis 2020 müsste er zwischen 40 und 80 Dollar pro Tonne CO2 liegen, 2030 schon zwischen 50 und 100 Dollar. Allerdings werden nicht alle Länder sofort hohe CO2-Preise in der Größenordnung von 80 oder 100 Dollar einführen können. Die Länder, die das nicht können, brauchen dann Unterstützung aus der Klimafinanzierung, damit sie ihre Energiesysteme auch entsprechend umbauen können.

Welche Länder sollten beginnen und wo ist die Einführung vom CO2-Preis besonders wichtig?

Ich denke hier an die Hauptemittenten wie die USA, China und Indien. Aber im Grunde brauchen wir in allen Ländern langfristig einen Preis für CO2. Dies gilt vor allem ab 2030. Dann wird es richtig ernst mit der Dekarbonisierung, mit dem Absenken der Emissionen, um die Pariser Ziele noch zu erreichen.

Mit den CO2 Einnahmen lassen sich Steuern und Abgaben senken und damit Sozialleistungen und staatliche Dienste finanzieren. Das klingt aber nach einer komplett anderen Finanzarchitektur….

Das ist sehr viel weniger radikal als dies im ersten Augenblick erscheint. In der kanadischen Provinz British Columbia hat man zum Beispiel einen CO2-Preis eingeführt. Darüber wurde breit debattiert und dies den Bürgern schmackhaft gemacht.

Die Menschen haben dort enorm die Emissionen reduziert und an Weihnachten wurde ein Großteil dieser Einnahmen aus der CO2-Steuer an die Haushalte in Form eines Schecks überwiesen. Mit einem anderen Teil wurden die Steuern gesenkt. Das ist aus meiner Sicht kein revolutionärer Akt, oder wenn es ein revolutionärer Akt ist, dann sicherlich einer, der von vielen Bürgern mitgetragen wird. Wichtig ist, dass dies richtig kommuniziert wird und die Bürger dem Staat vertrauen, dass er mit den zusätzlichen Einnahmen keinen Blödsinn macht.

In wie vielen Ländern gibt es Ansätze für einen CO2-Preis?

Im Augenblick sind es 87 Länder. Diese Länder sagen, dass sie einen CO2-Preis einführen wollen. Derzeit sind bereits 20 Prozent der weltweiten Emissionen entweder im Emissionshandel oder werden besteuert.

Wenn China jetzt den Emissionshandel einführt, dann ist das der größte Kohlenstoffmarkt der Welt - sogar größer als in Europa. Es gibt Emissionshandelssysteme mit Mindestpreisen in Kalifornien und in anderen Teilen der Vereinigten Staaten. Bislang arbeiten sie ganz passabel und mit Erfolg. In Kalifornien wird jetzt über die Reform des Emissionshandels diskutiert, auch über eine Besteuerung im Verkehrssektor. Rund um den Globus wird über CO2-Preise diskutiert, auch hier auf der Klimakonferenz. Es kommt jetzt darauf an, dass die Länder ihre Erfahrungen vergleichen und entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. Ich hoffe, dass es jetzt schnell genug geht.

Infografik CO2 Emissionen müssen sinken (Sperrfrist: 28.06.2017 19:00:00) DEU

Ein hoher CO2-Preis verdrängt fossile Energien, ermöglicht die Erreichung der Klimaziele und ermöglicht Steuersenkungen

Gib es Widerstände gegen einen CO2-Preis?

Es gibt jede Menge Widerstände. Die Kohle gehört hierbei zu den Verlierern. Man kann sich leicht vorstellen, dass es bei den Betroffenen keine große Neigung für einen Mindestpreis gibt. Hier muss man natürlich den betroffenen Regionen und Leuten helfen, dass sie den Strukturwandel bewältigen.

Sie kennen die Weltbewegung für einen CO2-Preis. Wo werden wir in fünf Jahren stehen?

Ich hoffe, dass wir in fünf Jahren für mindestens 60 Prozent der weltweiten Emissionen einen CO2-Preis haben, zumindest in der Größenordnung von 50, 60 Dollar pro Tonne CO2.

Sie hoffen - aber sind Sie auch optimistisch, dass es so kommt?

Ich hoffe. Bei der Zähigkeit der ganzen Debatten könnte man auch pessimistisch werden. Aber wer hätte im Jahr 2012 daran gedacht, dass wir das Klimaabkommen von Paris bekommen. Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass die Leute einsehen, welche Vorteile sie davon haben. Ich glaube, dass eine Bewegung entstehen kann, die sagt: "Wir haben jetzt das Pariser Abkommen, haben uns entschlossen die Welt zu dekarbonisieren und so ergreifen wir auch die Mittel, die die effektivsten sind, um das zu erreichen."

Prof. Dr. Ottmar Edenhofer war Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates (IPCC). Heute ist er stellvertretender Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Professor für die Ökonomie des Klimawandels an der Technischen Universität Berlin und Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Außerdem berät er die Weltbank, die Vereinten Nationen, die OECD und die G20.

Das Interview führte Gero Rueter.

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