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Wirtschaft

Contra: Finanzmärkte werden nicht besser reguliert

Auf ihrem Gipfel in Pittsburgh hätten die G20 strengere Regeln für die Finanzmärkte beschließen müssen. Leider hat sich das G20-Treffen dazu nicht durchringen können, kritisiert Thomas Kohlmann.

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Haben sich die Erwartungen an den G20-Gipfel in Pittsburgh erfüllt?

Nie war die Zeit so günstig für eine Reform der globalen Finanzwirtschaft wie in der jüngsten Wirtschaftskrise. Die Betonung liegt auf "war", denn mittlerweile geht es den Banken dank Milliarden-schwerer Staats-Subventionen wieder so gut, dass ehemalige Pleite-Kandidaten wieder satte Gewinne machen. Und längst stehen die Hard-Core-Zocker an der Wall Street und in der Londoner City wieder in den Startlöchern, um mit Leerverkäufen auf fallende Aktienkurse zu wetten und damit märchenhaft reich zu werden.

Fast alles beim alten

Thomas Kohlmann (Foto: DW)

DW-Redakteur Thomas Kohlmann

Außer der Begrenzung von Manager-Boni, der Verpflichtung zu mehr Eigenkapital für Banken und der Ankündigung von Regulierungen in den kommenden Jahren sind die Ergebnisse des G20-Treffens von Pittsburgh äußerst mager. Den Banken geht es wieder gut, die Wirtschaft springt an, und nicht nur in den USA und Deutschland glaubt man, die jüngste Rezession bereits hinter sich zu haben. Und mit dem Ende der wirtschaftlichen Not ist auch bei den Bankern die Zeit der Demut vorbei.

Auch wenn von den in Pittsburgh versammelten Staats- und Regierungs-Chefs eine neue Aufbruch-Stimmung suggeriert wurde, bleibt vorerst alles beim alten. Briten und Amerikaner treten auf die Bremse, wenn es um einschneidende Veränderung geht, die die Finanzplätze New York und London betreffen. Selbst unter Präsident Obama lässt sich in den USA die mächtige Wall Street nicht ohne Gegenwehr so einfach regulieren und zähmen. Und Großbritannien ist schlicht und einfach auf den Wirtschaftsfaktor der "Londoner City" angewiesen. Ähnlich wie in Deutschland an der Automobil-Branche führt im Vereinigten Königreich kein Weg am Londoner Finanz-Sektor vorbei.

Beruhigung für die Öffentlichkeit

Die Schwäche der Beschlüsse von Pittsburgh liegt auf der Hand: Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, werden die Bonus-Zahlungen für gierige Banker begrenzt. Weiter gehende Verpflichtungen, wie internationale Regeln für Hedge-Fonds, die Begrenzung von Leer-Verkäufen bei Aktien oder hoch-riskanten Termin-Geschäften - dazu fehlte in Pittsburgh der Mut.

Dass die Umsetzung der Beschlüsse zunächst in nationaler Verantwortung geschehen soll, muss aber nicht schlecht sein. Denn das Beispiel Indien zeigt, dass sich ein Land durch nationale Regelungen und Auflagen vor einer tickenden Zeitbombe wie der US-Subprime-Krise erfolgreich schützen kann.

Autor: Thomas Kohlmann

Redaktion: Dirk Eckert

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