1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Contra: Der Verbraucher bleibt auf der Strecke

Besitz und Betrieb einer Apotheke bleiben in Deutschland weiterhin Pharmazeuten vorbehalten, so will es der Europäische Gerichtshof. Ein Fehler, meint Henrik Böhme.

default

Henrik Böhme

Deutschland bleibt ein Apotheker-Paradies. Ein Monopol bleibt bestehen – und die Liberalisierung in diesem Sektor fällt aus. Wer preisgünstig Medikamente kaufen will, der ist weiter auf den Umweg übers Internet angewiesen. Denn die deutschen Drogerie-Discounter, sie können nun auch nicht, wie geplant und wie beispielsweise in den USA gang und gäbe, Aspirin und Co ins Ladenregal stellen. So bleibt es bei der bisherigen Vorgehensweise, wenn man es billiger haben will: Im Netz bestellen, bei Schlecker abholen.

Im schlimmsten Fall läuft man auf dem Weg dorthin an etlichen Apotheken vorbei. Rund 21.000 gibt es davon in Deutschland, in vielen Einkaufstrassen gleich mehrere davon, manchmal direkt nebeneinander. Sie können sich beste Lagen und Läden leisten, sie lassen monatlich Hochglanz-Magazine drucken, für die auf besten Sendeplätzen im Fernsehen geworben wird - und die am Ende an die große und kleine Kundschaft verschenkt werden. Das Apotheken-Monopol sichert eine offenbar ausreichende Gewinnspanne - und die Europäische Union, die sich sonst als scheinbar gnadenlose Hüterin des Wettbewerbs aufspielt, kann nichts Schlechtes daran finden.

Auf der Strecke bleibt der Verbraucher, denn der braucht fürs Kopfschmerzmittel eher nicht die fachliche Beratung eines hochqualifizierten Pharmazeuten, sondern einen vernünftigen Preis. Natürlich jubelt nun die Apotheker-Lobby - sie sieht sich ernsthaft in dem Glauben, den Einfall von Heuschrecken in ihr Paradies verhindert zu haben.

Die EU-Wettbewerbshüter haben damit einen Großteil ihrer Glaubwürdigkeit verspielt. Für niedrigere Strom- und Gaspreises schicken sie ganze Kompanien in die Konzerne, den Mobilfunkbetreibern jagen sie Angst und Schrecken ein, wenn sie die Tarife nicht senken. Kreativen Zerstörern wie Ralf Däinghaus, dem Chef der DocMorris-Apotheken, der ein Monopol zerschlagen wollte, gibt man keine Chance. Dabei haben wir gerade in den vergangenen Tagen in Deutschland wieder die Fortsetzung der Endlos-Debatte über das ach so teure und schier unbezahlbare Gesundheitswesen des Landes erlebt. Etwas mehr Wettbewerb könnte da sicher helfen, weiter zu kommen. Einen Anfang hätte man beim Apotheken-Monopol machen können.

Autor: Henrik Böhme

Redaktion: Dеnnis Stutе

Die Redaktion empfiehlt