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Wirtschaft

Continentals neue Giftpillen-Strategie

Der Autozulieferer Continental will angeblich einen Konkurrenten übernehmen. Für die Schaeffler-Gruppe, die eine feindliche Übernahme plant, würde Conti so uninteressant. Eine Unwägbarkeit bleibt der Conti-Aufsichtsrat.

Conti-Chef Wennemer vor Conti-Logo (dpa)

Ein optimistischer Continental-Chef Wennemer

Der Abwehrkampf Continental gegen Schaeffler bleibt interessant. Mitte Juli hatte der fränkische Wälzlagenhersteller in Familienbesitz angekündigt, er wolle den Autozulieferer kaufen. Den Aktionären wurden 70,12 Euro je Aktie angeboten. Das lehnte Conti als zu niedrig ab.

Die "Financial Times" und die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichten am Samstag (09.08.2008), Continental wolle nun im Abwehrkampf einen Konkurrenten übernehmen, um sich für Schaeffler uninteressant zu machen. Der Autozulieferer sei bereits in "konkreten Gesprächen" mit mehreren börsennotierten und nicht notierten internationalen Rivalen. Finanziert würde eine solche Übernahme über eine Kapitalerhöhung.

Das bereits verschuldete Unternehmen würde noch mehr Schulden machen und dafür weniger attraktiv für die Schaeffler-Gruppe. Diese ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Wälzlagern und mit seinen Marken LUK, INA und FAG Zulieferer der Automobilindustrie. Wie die "Hannoversche Allgemeine" berichtet, will Conti-Chef Manfred Wennemer dem Aufsichtsrat am Mittwoch (13.08.2008) die mehr als drei Milliarden Euro teure Übernahme vorschlagen.

Wackelt der Aufsichtsrat?

Ob der Aufsichtsrat diese "Giftpille" schlucken wird, ist unklar. Erwin Wörle, der Arbeitnehmer-Vertreter in dem Gremium, sprach sich im "Tagesspiegel am Sonntag" für den Schaeffler-Einstieg aus. Die Geschäfte der beiden Unternehmen ergänzten sich gut. "Conti hat Elektronik, Schaeffler nicht. Und wenn die Geschäfte zusammenkommen, dann verkaufen wir in Zukunft die Elektronik mit der Kupplung." Vor gut zwei Wochen hatte der Aufsichtsrat mit der Stimme Wörles das Schaeffler-Angebot noch als nicht akzeptabel zurückgewiesen.

Eine rosa Pille inmitten vieler blauer Pillen (dpa)

Würde die Giftpille 'Konkurrentenkauf' Schaeffler die Übernahme verleiden?

Auch Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg, so Wörle, sei offenbar nicht mehr gegen die Übernahme. "Wenn er dagegen wäre, dann hätte er sich schon geäußert."

Zugleich versucht Continental immer mehr Banken und Investoren, die als "weiße Ritter" fungieren könnten, auf seine Seite zu ziehen. Die Spekulationen über mögliche Investoren reichen von der KKR über Apollo bis zur Beteiligungsgesellschaft Bain Capital. Letztere hatte 2006 selbst vergeblich versucht, Continental zu übernehmen.

Die acht Banken, die Continental inzwischen angeheuert hat, könnten dem "weißen Ritter" das notwendige Kapital geben. Laut Experten ist es derzeit wegen der Krise an den Finanzmärkten schwierig, an Kapital zu kommen. Zu den acht Banken gehören so renommierte Institute wie Goldman Sachs, JP Morgan und die Deutsche Bank.

Schaeffler "rüstet" auch auf

Diese Banken können im Übernahmekampf nicht mehr für Schaeffler arbeiten. Der Wälzlagen-Hersteller selbst bleibt aber dennoch nicht untätig. Das Unternehmen hält derzeit rund acht Prozent der Conti-Aktien. Über so genannte Swap-Geschäfte hatte sich der Konzern den Zugriff auf weitere 28 Prozent der Papiere gesichert. Bei einem Swap handelt es sich um eine besonder Form eines Tauschgeschäfts, bei dem Verbindlichkeiten oder Forderungen getauscht werden.

Am Freitag (08.08.2008) trafen sich Vertreter der Schaeffler-Gruppe mit Bankenvertretern. Es sollen gut 20 Institute vertreten gewesen sein. Ziel war es, weitere Banken mit ins Boot zu holen, um die mehr als elf Milliarden schwere Übernahme auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg F.W. Schaeffler (dpa Archivfoto)

Maria-Elisabeth Schaeffler und Sohn Georg F.W. Schaeffler (Archivfoto)

Bisher hat Schaeffler die Zusage der Bank of Scotland und sechs weiterer Banken. In Finanzkreisen hieß es, endgültig stehen dürfte das Kreditkonsortium erst in einigen Wochen. Zunächst müssten die Kreditausschüsse der beteiligten Banken entscheiden.

Glaubt man Aufsichtsratsmitglied Wörle, wäre es für die Arbeitnehmer einerlei, wer das Rennen macht: "Im Umgang mit Gewerkschaften sind (Conti-Chef) Wennemer und (Schaeffler-Chef) Geißinger wie Zwillinge. Mehr Sicherheit gibt es für die Arbeitnehmer auch bei Herrn Wennemer mit." (hy)

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