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Wirtschaft

Conti weist Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe zurück

Die Übernahmeschlacht um Continental ist voll entbrannt: Der Automobilzulieferer weist das Übernahmeangebot des deutlich kleineren Familienunternehmens brüsk zurück und spricht von "rechtswidrigem" Verhalten.

Conti-Chef Wennemer. Archivfoto: Peter Steffen +++(c) dpa - Report+++

Continental-Chef Manfred Wennemer hält das Angebot für zu niedrig

Das Angebot Schaefflers sei in hohem Maße opportunistisch, spiegele den wahren Wert von Continental nicht annähernd wider und entbehre einer überzeugenden industriellen Logik, teilte der Conti-Vorstand am Mittwoch (14.07.2008) in Hannover mit. Der Vorstand betrachte die Vorgehensweise der Schaeffler-Gruppe als nicht im Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre. Schaeffler habe sich auf "rechtswidrige Weise" angeschlichen, um die Kontrolle über Continental zu erlangen, hieß es. Man habe als eigenständiges Unternehmen in derzeitiger Aufstellung eine hervorragende Zukunftsperspektive. "Continental würde Schaeffler nützen, Schaeffler aber nicht Continental."

Die deutsch-österreichische Schaeffler-Gesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn und Mitgesellschafter Georg F. W. Schaeffler Foto: Daniel Karmann dpa/lby (zu dpa 0199 vom 14.07.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Die deutsch-österreichische Schaeffler-Gesellschafterin Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn und Mitgesellschafter Georg F. W. Schaeffler (Archivfotos)

Die fränkische Schaeffler-Gruppe hatte am Dienstag ein Übernahmeangebot vorgelegt. Sie bietet 69,37 Euro pro Conti-Aktie in bar. Damit bewertet die Offerte Conti mit 11,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen strebe eine strategische Beteiligung von mehr als 30 Prozent an Conti an, aber nicht notwendigerweise eine Mehrheit. Conti solle nicht zerschlagen werden, es werde auch keinen Verlust von Arbeitsplätzen geben, hieß es von der Schaeffler-Gruppe.

"Unglaubwürdige Aussagen"

Aus Sicht von Conti hat sich die Schaeffler-Gruppe mit Hilfe von Banken und Derivate-Positionen auf rechtswidrige Weise Zugriff auf 36 Prozent des Continental-Kapitals verschafft. "Dies würde bei der Hauptversammlung eine bequeme Kontrollmehrheit, möglicherweise sogar eine qualifizierte Stimmenmehrheit darstellen." Schaeffler verhehle selbst nicht, dass es das schwache Börsenumfeld nutze, um günstig die Kontrolle über einen "exzellent positionierten Technologiekonzern" zu übernehmen und die Zahlung einer angemessenen Prämie an die Aktionäre zu vermeiden, meint Conti. Die öffentlich getätigten Aussagen, dass die Schaeffler-Gruppe angeblich nur eine Minderheitsbeteiligung anstrebe und die gesunde Struktur von Continental nicht antasten wolle, seien nach den geführten Gesprächen unglaubwürdig. Conti sei sehr daran interessiert, langfristig orientierte Investoren zu gewinnen und sei Schaeffler deshalb konstruktiv und ergebnisoffen entgegengetreten. Deshalb habe der Conti-Vorstand auch die Bereitschaft erklärt, eine bis zu 20-prozentige Finanzbeteiligung zu unterstützen, hieß es. Die Schaeffler-Gruppe beharre jedoch auf einer über 30 Prozent hinausgehenden Kontrollbeteiligung.

Neben dem Conti-Vorstand lehnen auch die Gewerkschaften das Übernahmeangebot von Schaeffler ab. Die Gewerkschaft IG BCE erklärte, es handle sich um eine feindliche Übernahme. Der stellvertretende Conti-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der IG BCE sagte, es stünden Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die IG Metall hatte bereits massiven Widerstand gegen eine Conti-Übernahme durch Schaeffler angekündigt.

Schaeffler ist der weltweit zweitgrößte Wälzlagerhersteller, aber wesentlich kleiner als Conti. Schaeffler hat rund 66.000 Beschäftigte und erzielte 2007 einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. Conti hat nach der Übernahme der Siemens-Sparte VDO rund 150.000 Beschäftigte und strebt 2008 einen Umsatz von mehr als 26,4 Milliarden Euro an.

Schaefflers Reaktion

Die Schaeffler-Gruppe reagierte gelassen auf den Widerstand des Continental-Vorstands gegen das Übernahmeangebot. "Wir nehmen die Ablehnung zur Kenntnis", sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Letztlich werden die Aktionäre entscheiden." Schaeffler wolle aber weitere Gespräche führen. "Die Türen sind nicht zu."

Den Vorwurf von Conti, Schaeffler habe sich auf rechtswidrige Weise angeschlichen, wies der Sprecher zurück: "Wir haben ein gutes Gewissen. Die Vorgehensweise ist rechtlich in Ordnung." Zudem habe Schaeffler versichert, nicht die Mehrheit an Conti anzustreben. "Unsere Ziele sind absolut freundlich", betonte der Sprecher.

Schaeffler hält nach einem Bericht der Agentur Associated Press 2,97 Prozent der Conti-Aktien und sei auf der Grundlage von Finanzinstrumenten berechtigt, weitere 4,95 Prozent zu erwerben. Schaeffler habe darüber hinaus Optionen auf weitere 28 Prozent der Conti-Anteile. (mas)

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