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Wirtschaft

Conti-Übernahmeschlacht beendet

Nach wochenlangem Kampf hat die Schaeffler-Gruppe die Übernahme von Continental perfekt gemacht. Conti-Chef Wennemer tritt zum Monatsende zurück.

Conti-Chef Wennemer bei Pressekonferenz, Schriftzug Continental im Hintergrund (ap)

Conti-Chef Wennemer geht "erhobenen Hauptes"

Einer der spektakulärsten Übernahmekämpfe in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte der vergangenen Jahre ist zu Ende. Nach harten Verhandlungen ist die Schaeffler-Gruppe beim wesentlich größeren DAX-Konzern Continental am Ziel - das Familienunternehmen aus Herzogenaurach hat künftig bei der Conti das Sagen. Die beiden Autozulieferer erzielten eine friedliche Einigung in der seit Wochen andauernden Übernahmeschlacht.

Wie Continental am frühen Donnerstagmorgen (21.08.2008) in einer Pressemitteilung erklärte, schloss das Unternehmen eine weitreichende Investorenvereinbarung mit der Schaeffler KG ab. Conti habe ein akzeptables Gesamtpaket erreicht. Demnach wurden umfangreiche Regelungen zum Schutz der Interessen der Continental AG sowie ihrer Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden getroffen. Dabei machte Schaeffler deutliche Zugeständnisse an Conti. Eine in Hannover befürchtete Zerschlagung des Konzerns soll es nicht geben.

Wennemer geht Ende August

Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer aber nimmt nach der größten Herausforderung seiner Karriere den Hut. Im neuen Kapitel der Unternehmensgeschichte sieht der 60-Jährige für sich selbst offensichtlich keinen Platz mehr und tritt zum 31. August zurück. "Erhobenen Hauptes" so viel wie möglich für Conti herausholen bei den Verhandlungen mit Schaeffler - das war das Ziel Wennemers, wie es in Hannover in den vergangenen Tagen hieß. Sein Nachfolger soll kurzfristig bestellt werden.

Mit seiner harschen Kritik am Vorgehen der Schaeffler-Gruppe hatte sich Wennemer keine Freunde gemacht bei der Schaeffler-Führung um Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler und Geschäftsführer Jürgen Geißinger.

Continental-Gebäude bei Nacht (dpa)

Nächtliche Krisensitzungen brachten nichts: Wennemer hatte keine Rückendeckung des Aufsichsrats

In einer "Brandrede" hatte Wennemer Mitte Juli eine harte Gegenwehr gegen die drohende Übernahme angekündigt: "Ich betrachte das Vorgehen der Schaeffler-Gruppe als egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos. Der Vorstand kann nicht akzeptieren, dass die Rechte unserer Aktionäre mit Füßen getreten werden. Continental ist kein willfähriges Opfer für Schnäppchenjäger. Und aus diesem Grund lehnen wir das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe ab und bitten alle unsere Aktionäre, ihre Aktien nicht anzubieten."

Schaeffler hatte vorgesorgt

Doch die Schaeffler-Gruppe hatte sich in einem Coup eine gute Ausgangsposition bei der Conti verschafft, so dass die Übernahme am Ende nicht mehr zu verhindern war. Schaeffler hält aktuell bereits acht Prozent an Conti und hat nach eigenen Angaben über Finanzgeschäfte Zugriff auf weitere 28 Prozent.

Mögliche Abwehr-Waffen von Conti gegen eine Übernahme blieben zudem im Arsenal. Dies anscheinend auch, weil die Suche nach einem "weißen Ritter", einem freundlich gesonnenen Großinvestor, nicht von Erfolg gekrönt war. Außerdem gab es in der Conti-Führung erheblichen Streit über die Verhandlungstaktik. Dabei kam es zum Zerwürfnis zwischen Wennemer und dem einflussreichen Aufsichtsrats-Chef Hubertus von Grünberg. Von Grünberg favorisierte von Anfang an eine friedliche Einigung mit Schaeffler.

Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg (Archivbild 2007) Quelle: DPA

Er wollte ein friedliche Einigung mit Schaeffler: Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg (Archivbild 2007)

Vor einer Woche gab Wennemer seinen Widerstand auf. Er kündigte weitere Verhandlungen des Vorstands mit "voller Rückendeckung des Aufsichtsrats" an. "Es ist unser Ziel, möglichst schnell zu einer Lösung im Sinne beider Unternehmen zu kommen", so Wennemer.

Teure Übernahme für Schaeffler

Der Conti-Chef zieht nun die Konsequenzen und tritt nach fast sieben Jahren an der Spitze des Konzerns zurück - nachdem er in den Verhandlungen mit Schaeffler einiges für Continental erreichen konnte. Schaeffler erhöht das Angebot von 70,12 Euro auf 75 Euro pro Aktie - ein deutlicher Aufschlag. Zudem verpflichtete Schaeffler sich zu einem Risikoausgleich bis zu einer Höhe von insgesamt 522 Millionen Euro für Verluste etwa steuerlicher Art, die im Zuge der Übernahme entstehen könnten.

Schaeffler sagte ferner zu, das Engagement bei Conti innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken. Eine komplette Übernahme aber hatte Schaeffler auch gar nicht angestrebt - das Ziel der Gruppe war ein Anteil von mehr als 30 Prozent. Auch damit hat Schaeffler die Kontrolle bei Continental.

Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg (dpa)

Ein Paar, dem "man nicht viel zutraute": Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg

Außerdem sieht die unbefristete Vereinbarung, die frühestens im Frühjahr 2014 gekündigt werden kann, umfangreiche Regelungen zum Schutz der Interessen der Conti sowie ihrer Aktionäre und Mitarbeiter vor. So werde Schaeffler keine Verkäufe von Conti-Sparten verlangen, hieß es. Zudem werde es gegen den Conti-Willen keine Veränderungen etwa in Bezug auf die Unternehmensform, den Sitz, die Konzernzentrale und die Geschäftsbereiche sowie die Börsennotierung geben.

"Vom Unternehmen besessen"

Siegerin des Übernahmekampfes bleibt also das dreimal kleinere Familienunternehmen Schaeffler aus Herzogenaurach. Schaeffler zählt derzeit weltweit 66.000 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. Nach dem Tod von Firmengründer Georg Schaeffler vor acht Jahren übernahm dessen Witwe Maria-Elisabeth Schaeffler das Unternehmen. Sie sah sich damals als "eine Witwe, die nicht viel Ahnung hatte". Ihr und ihrem Sohn, der in Amerika Anwalt ist, habe man nicht sehr viel zugetraut, so Schaeffler: "Aber ich war und bin von diesem Unternehmen besessen."

Die Schaeffler-Gruppe ist mittlerweile der weltweit größte Anbieter von Wälzlagern, Gleitlagern, Motortechnik und Kupplungen. In jedem vierten Auto weltweit ist beispielsweise eine Kupplung von LuK eingebaut. Und LuK gehört zur Schaeffler-Gruppe. Mit im Firmenverbund ist auch FAG Kugelfischer. Dieses Unternehmen hatte Schaeffler in einer ähnlich spektakulären Aktion im Jahr 2001 auf dem Weg einer feindlichen Übernahme gekauft. Und jetzt eben: Continental.

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