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Kultur

Computer zwischen Klassik
und Beat-Eintopf

Seit es Computer gibt, wird Musik zum Großteil synthetisch hergestellt - jeder kann komponieren, ohne eine einzige Note zu kennen. Das bedeutet aber nicht den befürchteten Untergang der Qualitätsmusik.

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Am PC fühlt sich jeder als Beethoven - das klingt schön, wenn man's kann

Mit elektronischen Mitteln ist Musik allgegenwärtig geworden. Handys dudeln alle möglichen Melodie-Schnipsel und im Internet findet sich Musik zuhauf, in Sekundenschnelle verfügbar. Und wer ein paar Computerkenntnisse hat, kann daheim fix was komponieren. Dadurch haben Menschen ein anderes Verhältnis zur Musik bekommen. "Musik ist nichts Spezielles mehr", sagt Tobias Pfleger vom Institut für Musikwirtschaft der Uni Freiburg. Die meisten Stücke, die auf CD im Laden liegen, sind heute Fließband-Pop, kurz und schnell hergestellt.

Musikalische drei Minuten

Gerne nämlich wird Musik reduziert auf kurze Stückchen, "zeitlich verknappt", wie Pfleger es ausdrückt. "Klingeltöne sind zum Accessoire der eigenen Persönlichkeit geworden", sagt Astrid Reimers von der Kommission zur Erforschung musikalischer Volkskulturen.

Ein Popsong passe noch in die Aufmerksamkeits-Spanne, klassische Werke dagegen nicht, klagt Rainer Lorenz, Dozent an der Karlsruher Hochschule für Musik: "Die Menschen sind gar nicht mehr gewohnt, dass man sich mal länger als drei Minuten konzentrieren muss."

Jeder ist ein kleiner Orchesterleiter

Konzert für Percussion und Handies

Probe für ein Konzert für Percussion und 30 Handys: 'Hand meets Handy' bezieht Beethoven- und Mozart-Werke als Klingeltöne mit ein

Heute ist Musikmachen nichts nur Sache von begnadeten Künstlern. Beim Komponieren und Spielen sind weder Notenkenntnisse noch Orchester vonnöten - sondern nur ein Computer. "80 bis 90 Prozent der Popmusik ist mit dem Computer produziert", sagt Lorenz. Das sei nicht immer schlechte Ware, manchmal auch kunstvoll. "Aber so können auch Leute Musik machen, die nicht mal wissen, was ein Dreiklang ist. Die zaubern da irgendwas, virtuose Passagen, ohne dass sie spielen können."

Nur: Nicht jeder schaffe es, Beats zu einem tollen Gesamtwerk zusammenzupflanzen. Erst recht nicht mal eben zwischendurch: "Gute Musik zu machen, ist immer noch harte Arbeit." Nur die Tasten sind andere: PC-Plastik statt Elfenbein.

Computermusik ist nicht immer mies

Nun darf man aber nicht denken, dass Musik aus Bits und Bytes nur Schund wäre. "Der Computer ist ein fantastisches Hilfsmittel zur Produktion und zum Vertreiben", betont Lorenz. Eben weil man ohne jahrelangen Unterricht komponieren und einen Haufen Instrumente spielen könne: "Man kann fast von einer Demokratisierung der Produktionsmittel sprechen." Auch Pfleger findet: "Die Musik ist eher vielfältiger geworden."

Denn die klassische Musik ist durch die Festplatten-Klänge nicht ausgestorben - sie hat sogar neue Möglichkeiten bekommen. "Es gibt auch moderne Komponisten, die mit Computern arbeiten, mit Klanganalyse", erklärt Pfleger. "Wenn man von einem Flötenton bestimmte Frequenzen ausblendet, kommt ein ganz anderer Klang heraus." Und Lorenz sagt: "So kann man Tempi und Lautstellen machen, die ein Mensch nicht in der Lage wäre zu spielen."

Bewusster hören

Im Computerstudio der Musikhochschule Karlsruhe könnten Studenten lernen, den Rechner so einzusetzen, dass dabei angenehme "und außergewöhnliche" Musik herauskomme. Das würden leider nicht alle Computer-Komponisten zustande bringen.

Aber die Nachfrage nach Standard-Pop sei eben groß - und, auch das gehört für Lorenz zum neuen Musik-Konsum: Die Hörer seien zu unkritisch. In seinen Augen gibt es zu viel Dauerberieselung und zu wenig musikalische Erziehung: "Die Leute sind nicht mehr gewohnt, bei Musik zuzuhören. Denen ist es völlig wurscht, was da läuft."

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