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Kultur

Computer - ein Spielzeug unter vielen

Seit diesem Jahr sind offiziell alle Schulen in Deutschland mit Computern und Internet versorgt. Schon geht es einen Schritt weiter: "Computer im Kindergarten" lautet die neue Devise.

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Computerkids im Vorschulalter

Bei den meisten ruft diese Vorstellung Abwehr und Horrorbilder von vierjährigen Computer-Junkies hervor, doch an einigen Kindergärten in Deutschland sind bereits entsprechende Projekte gestartet. Sie können mit ersten Ergebnissen und Erkenntnissen aufwarten.

"Spielplatz Computer"

Kind spielt mit Kleincomputer

"Für die Kinder ist der Computer nur ein Spielzeug unter vielen, sie gehen nach 15 Minuten auch wieder weg davon und spielen mit etwas anderem", berichtet Anne Radlinger. Die Computermedienpädagogin hat mit der Familien-Bildungsstätte Ulm im Juli vergangenen Jahres (2001) das auf ein Jahr angelegte Projekt "Spielplatz Computer" gestartet. In fünf ausgewählten Kindergärten machen zurzeit 95 Kinder zwischen vier und sechs Jahren erste Erfahrungen mit dem Medium, das ihre Zukunft bestimmen wird. Das Projekt soll zeigen, dass Computer bei sinnvollem und verantwortungsbewusstem Einsatz eine wichtige Ergänzung und Bereicherung für den Kindergarten sind und positiv zur Entwicklung der Kinder beitragen können. Das Medium habe durchaus auch kreative, kommunikative und lernfördernde Potenziale, erklärt Radlinger.

Wichtig dabei ist, den Computer in das pädagogische Konzept einzubinden und als Ergänzung zum üblichen Spielzeug anzubieten. So kommen neben Bilderbüchern, Kassetten, CDs, Bastel- und Malutensilien auch PC und CD-ROMs zum Einsatz.

Nach Radlingers Beobachtungen verläuft das Spiel sehr harmonisch und gemeinschaftlich. Die Kinder kommen erstaunlich schnell mit dem Medium zurecht. Es gibt auch Kinder die sich zunächst nicht trauen und nur zusehen. "Wenn sie es dann aber wagen, sind die Erfolgserlebnisse groß. Gerade bei schüchternen Kindern wirkt sich das positiv aus", erzählt Radlinger. Umgekehrt wirke der Computer auf aufgedrehte Kinder beruhigend und konzentrationsfördernd.

Kindheit hat sich verändert

Ähnliche Erfahrung hat auch Manfred Liesaus gemacht. Er führt in mehreren Kindergärten das Projekt "Kinder und Computer" im Rahmen der Aktion "Kinder stark machen" durch. Der Kindergartenalltag werde vom PC nicht beeinträchtigt, berichtet er. Nach der Einrichtung einer Computerecke wurden die anderen Angebote genauso angenommen wie vorher - das Spielen in der Natur ist immer noch am beliebtesten. Außerdem bevorzugen die Kinder kreativitätsfördernde Software, bei der man suchen, sortieren und malen kann.

Kinder vor dem Computer

Hinter all diesen Projekten steckt die Ansicht, dass man Kindern mit dem Fernhalten vom Computer genauso schadet wie mit sonstiger Überbehütung. "Die Kindheit hat sich verändert, es existieren verschiedene Welten, die die Kinder kennen lernen müssen, sonst gibt es ein Kaspar-Hauser-Syndrom", erklärt Liesaus. Kinder müssten frühzeitig lernen, verantwortungsbewusst mit dem Medium umzugehen, mit dem sie ohnehin aufwüchsen und mit dem sie später selbstverständlich umgehen können sollten. "So, wie ich riskieren muss, dass mein Kind beim Radfahrenlernen auch mal hinfliegt, so muss ich auch akzeptieren, dass es beim Surfen im Internet mal auf eine Seite gerät, die nicht für es bestimmt ist", sagt Liesaus. ap/(fro)

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  • Datum 09.04.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/24V2
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