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Wirtschaft

Commerzbank flüchtet unter staatlichen Rettungsschirm

Nach der angeschlagenen Hypo Real Estate nimmt auch die Commerzbank staatliche Milliardenhilfe in der globalen Finanzkrise in Anspruch.

Logo der Commerzbank vor Hauptgebäude in Frankfurt, bei Nacht. ap

Aktien der Commerzbank steigen, nachdem die Bank angekündigt hatte, den Rettungsschirm der Bundesregierung in Anspruch nehmen zu wollen

Das Institut vereinbarte mit dem von der Bundesregierung eingerichteten Sonderfonds eine Kapitalspritze in Form einer "stillen Einlage" über 8,2 Milliarden Euro. Darüber hinaus wurde als Option eine Garantie für Schuldverschreibungen über 15 Milliarden Euro eingeräumt.

Porträt von Martin Blessing, Vorstandssprecher der Commerzbank, vor einem Mikrofon sitzend. dpa

Vorstandssprecher der Commerzbank, Martin Blessing, handelt im Sinne der Aktionäre

"Wir haben das Maßnahmenpaket der Bundesregierung von Anfang an begrüßt", erklärte Vorstandssprecher Martin Blessing. "Wir machen von den Instrumenten des Pakets Gebrauch, weil dies gut für die Bank, ihre Mitarbeiter und Kunden ist - besonders nach der beschlossenen Übernahme der Dresdner Bank." Damit sichere die Commerzbank ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich ab. Die Kapitalzufuhr in Form stiller Einlagen trage auch den Interessen der Aktionäre Rechnung.

Kapitalspritze bedeutet Verzicht für Manager und Aktionäre

Die Manager und Aktionäre der Commerzbank zahlen für die Hilfen allerdings einen hohen Preis. In den Jahren 2009 und 2010 darf die Bank keine Dividenden ausschütten. Vorstandssprecher Blessing darf maximal eine halbe Millionen Euro im Jahr verdienen, Boni sind für 2008 und 2009 verboten. Blessings Fixgehalt liegt derzeit bei 760.000 Euro.

Hohe Verluste vor allem im dritten Quartal

Im dritten Quartal hat die Finanzkrise die Commerzbank in die roten Zahlen gerissen. Der Verlust lag bei 285 Millionen Euro, ein Jahr zuvor hatte die Bank noch 339 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Die Finanzkrise habe das kapitalmarktnahe Geschäft mit insgesamt 1,1 Milliarden belastet, erklärte die Bank. Der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers habe die Bank 357 Millionen Euro gekostet, das Engagement in dem knapp am Staatsbankrott vorbeigeschrammten Island 232 Millionen Euro. Auf US-Immobilienkredite musste die Commerzbank weitere 144 Millionen Euro abschreiben.

Bundesregierung fühlt sich bestätigt

Die Bundesregierung begrüßte die Ankündigung: "Das stärkt die Bank und schützt Anteilseigner und Arbeitnehmer genauso wie die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft", erklärte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, in Berlin. Er sprach von einem verantwortungsvollen Schritt der Commerzbank, sich unter den Rettungsschirm des Sondervermögens zu stellen.

Deutsche Bank-Logo mit Porträt von Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank; ap

Josef Ackermann lehnt staatlichen Rettungsschirm weiterhin für seine Bank ab

Noch am Wochenende hatte die Bundesregierung die Banken aufgefordert, die Finanzhilfen trotz der Auflagen zu nutzen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte daraufhin sein Nein zur Annahme von Staatshilfe bekräftigt. Im Zweiten Deutschen Fernsehen sagte er, seine Bank sei stark genug. Sie werde aus heutiger Sicht die Hilfen nicht benötigen. Die Deutsche Bank habe sehr früh auf eine gute Kapitalstärke geachtet.

Der Zugriff der Commerzbank könnte den Durchbruch für den Rettungsfonds bedeuten und weitere Banken ermuntern, darauf zuzugreifen. So hat auch die Landesbank HSH Nordbank beschlossen, bis zu 30 Milliarden Euro Staatsbürgschaften zu beantragen. Die Summe solle zum Teil für das operative Geschäft und zum Teil als Puffer für die künftige Entwicklung eingesetzt werden. Für die ersten neun Monate weist die HSH einen Verlust von 360 Millionen Euro aus. (as)

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