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Wirtschaft

Commerzbank: Blessing geht und warnt

Commerzbank-Chef Blessing verabschiedet sich mit einem Milliardengewinn und der ersten Dividende seiner Amtszeit von den Aktionären. Doch für 2016 zeigt sich die deutsche Nummer zwei wieder weniger optimistisch.

Zu seinem Abschied stimmt Commerzbank-Chef Martin Blessing die Aktionäre auf erneut schwierige Zeiten ein. "Das Ergebnis der ersten drei Monate dürfte unter dem des letzten Quartals liegen. Das wirkt sich auch auf das Gesamtjahr aus: Es wird deutlich ambitionierter, das Konzernergebnis von 2015 zu erreichen", sagte Blessing am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Frankfurt.

Zinstief und Turbulenzen an den Kapitalmärkten belasteten das üblicherweise starke erste Quartal. "Das Umfeld bleibt sehr herausfordernd", bekräftigte Blessing (52), der nach fast acht Jahren an der Spitze des Dax-Konzerns zum 1. Mai von Privatkundenchef Martin Zielke (53) abgelöst wird. Aktuell sehe es nicht danach aus, als würde die Bank bis Ende 2016 ihre Ziele bei der Rendite auf das Eigenkapital und beim Verhältnis von Kosten zu Erträgen erreichen, so Blessing.

Martin Zielke Vorstand für das Privatkundengeschäft der Commerzbank

Der Neue an der Commerzbank-Spitze: Martin Zielke

Überschuss vervierfacht

Bei der Bilanzvorlage im Februar hatte sich der Vorstand noch zuversichtlich gezeigt, den Konzernüberschuss in diesem Jahr leicht über Vorjahresniveau steigern zu können. Für 2015 hatte das Institut 1,06 Milliarden Euro Überschuss ausgewiesen - fast vier Mal so viel wie im Vorjahr. Die Aktionäre sollen die erste Dividende seit 2007 bekommen: 20 Cent je Anteilsschein.

Davon profitiert auch der Bund, der nach seiner Rettungsaktion im Zuge der Dresdner-Übernahme im Spätsommer 2008 bis heute mit rund 15 Prozent größter Einzelaktionär des zweitgrößten deutschen Geldhauses ist. Die Zwischenbilanz für die ersten drei Monate 2016 will die Bank am 3. Mai veröffentlichen.

Mit ihrem Kapitalpolster gibt sich die Commerzbank nicht zufrieden. Zwar habe die Bank mit einer harten Kernkapitalquote von zwölf Prozent inzwischen zum europäischen Mittelfeld aufgeschlossen, sagte Blessing: "Dennoch ist das kein Grund, sich auszuruhen. Die eigene Stärkung unseres Kapitals gehört weiterhin zu unseren Hauptaufgaben."

Nur noch fixe Vergütungen?

Wie andere Dax-Konzerne will die Commerzbank ihren Aufsichtsräten künftig nur noch eine feste Vergütung zahlen. Sie soll für die einfachen Mitglieder des Kontrollgremiums von 40 000 auf 80 000 Euro angehoben werden, der bisher an den Geschäftserfolg gekoppelte variable Teil soll entfallen.

Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller warb für diese Regelung: Eine Fixvergütung sei besser geeignet, der Kontrollfunktion Rechnung zu tragen, "denn unsere Aufgabe ist unabhängig vom Unternehmenserfolg zu erfüllen".

Beschlossen hat der Aufsichtsrat, dass die Bank nach einem milliardenschweren Vergleich mit den US-Behörden keinen Schadenersatz bei ihren Vorständen geltend machen wird. Eine unabhängige Untersuchung habe keine Anhaltspunkte ergeben, dass das Management Überwachungspflichten verletzt habe, sagte Müller. Die Bank hatte sich im März 2015 mit der US-Justiz auf Zahlung von 1,45 Milliarden Dollar geeinigt. Es ging um Verstöße gegen US-Handelssanktionen und den Vorwurf zu laxer Vorkehrungen gegen Geldwäsche.

wen/ar (dpa, rtr)