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Politik

Comeback des Howard Dean

Die US-Demokraten habe seit Samstag (12.2.) einen neuen Vorsitzenden: den früheren Gouverneur von Vermont, Howard Dean. Er - kein unbeschriebenes Blatt - soll die Partei aus ihrer Krise herausführen.

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Gibt sich gerne hemdsärmelig:
Howard Dean

Der 56-jährige Howard Dean erhebt sich mit seiner Wahl zum Parteivorsitzenden wie Phoenix aus der Asche. Noch im Frühjahr 2004 galt der mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Dean nach einer Serie von spektakulären Wahl-Niederlagen im US-Präsidentschafts-Wahlkampf als politisch erledigt. Dean hatte zwar dem Wahlkampf durch die Benutzung des Internets eine völlig neue Dimension verliehen und vor allem eine jugendliche Anhängerschar für sich gewinnen können, doch das war es dann auch. Aber diesmal konnte er seiner Sache von vornherein sicher sein: Er war ohne Gegenkandidaten.

Streitbarer Kriegsgegner

In keinem einzigen der US-Bundesstaaten - außer im heimischen Vermont - konnte Dean die Vorwahlen für sich entscheiden. Jetzt ist der streitbare Irak-Kriegsgegner, der sich im Wahlkampf vor allem durch seine hemdsärmlige Art und seine aggressive Anti-Bush-Rhetorik auszeichnete, wieder da. Er schlug eine ganze Reihe von parteiinternen Bewerbern für das Amt des Vorsitzenden der Demokratischen Partei aus dem Rennen und hat angekündigt, die US-Demokraten vor allem von der Basis her modernisieren zu wollen.

Howard Dean

Und zupacken kann Howard Dean auch ...

Howard Dean will dafür sorgen, dass künftig alle Kandidaten der demokratischen Partei, ob auf lokaler oder regionaler Ebene, die Unterstützung der Bundespartei erhalten - was in der Vergangenheit längst nicht immer der Fall war. Außerdem soll das Meinungsprofil der Partei geschärft und das Internet als Diskussions- und Organisationsforum stärker genutzt werden.

Zustimmung und Skepsis

Howard Dean hat gezeigt, wie dies bewerkstelligt werden kann und dass hat auch seine parteiinterne Skeptiker überzeugt, die den Vorkämpfer für ökologische Reformen und überzeugten Anhänger von Minderheitenrechten eigentlich für zu links hielten. Wie Bay Buchanan, von der konservativen Lobbyisten-Gruppe "American Cause": "Dean ist ein harter Arbeiter. Er kann begeistern, er ist energisch. Das sind gute Qualitäten für einen Partei-Führer."

Doch es gibt auch viele, die dem früheren Arzt und Gouverneur weiter skeptisch gegenüber stehen. Sie sagen, die Demokratische Partei, die inzwischen nicht nur in beiden Häusern des US-Kongresses, sondern auch in einer Mehrzahl der 50 US-Bundesstaaten in der Opposition ist, braucht einen Mann an der Spitze, der auch konservative Werte bedienen und der Partei neuen Zulauf in den republikanisch dominierten Südstaaten bringen kann.

Bessere Inhalte?

John Kerry habe die Wahl verloren, sagt diese Fraktion, weil er - genau wie Dean - ein Linksliberaler aus Neuengland ist, dem die Südstaaten-Mentalität fremd sei. Dean hält dem entgegen: "Wir müssen uns daran erinnern, warum wir Demokraten sind. Wir vertreten die besseren politischen Inhalte und wir vertreten die moralischen Werte, die eher als die der Republikaner repräsentieren, was Amerika fühlt."

Eine Hinwendung zur Mitte und eine Annäherung an republikanische Positionen, ob es nun die Gegnerschaft zur Homo-Ehe oder das Eintreten für das Verbot von Abtreibungen ist, das wird es unter einem Parteichef Howard Dean wohl nicht geben. Ob die US-Demokraten unter ihm auch wieder mehrheitsfähig werden, steht auf einem anderen Blatt.

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