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Ausstellung

"Collecting Europe"

Wie sieht Europa in 2000 Jahren aus? Eine Ausstellung des Goethe-Instituts im Victoria & Albert Museum in London lässt Künstler fantasieren.

Der Automat ist eigentlich ein Kunstwerk, steht im Victoria & Albert Museum gleich hinter dem Eingang und soll die Besucher dazu animieren, sich auf Spurensuche nach Europa zu begeben, in der Ausstellung "Collecting Europe". Künstler aus aller Welt machen sich darüber Gedanken, wie Europa wohl im Jahr 4017 aussehen könnte.

Wer sich in den Europa-Automaten traut, eine schwarze Kabine, der wird erst einmal über die Verfassung dieses utopischen Gebildes aufgeklärt: Im Europa der Zukunft können, unabhängig vom Geburtsort, alle mitmachen, solange sie seine Rechtsordnung akzeptieren und notfalls auch verteidigen: Reise- und Meinungsfreiheit, Krankenversicherung, Hilfe im Fall von Katastrophen - eine Idee der Künstler IF & 00.

Europa zum Mitnehmen

Die Einbürgerung ist per Computer in ein paar Minuten erledigt: ein Foto machen lassen, der Verfassung über einen Touchscreen zustimmen, und per Sprachaufnahme einen Eid darauf ablegen. Sogar ein Pass wird ausgedruckt - Europa zum Mitnehmen, ein Gegenentwurf zum Brexit, wo sich britische EU-Gegner darauf freuen, dass auf ihren Pässen in naher Zukunft kein "European Union" mehr steht.

Ausstellung Collecting Europe - im Victoria & Albert Museum London (Foto: DW/B. Maaß)

Einbürgerung per "Europa-Automat"

Dabei war die Idee zur Ausstellung schon vor zwei Jahren entstanden, als in der Kultur-Metropole London noch fast niemand ahnte, wie sehr Europa durch den Brexit ins Wanken geraten würde. Damals, so Angela Kayan, Leiterin des Londoner Goethe-Instituts und Initiatorin der Ausstellung, waren Partner wie der British Council noch zögerlich, sich in Sachen Europa zu politisch zu zeigen - aber seit der Volksabstimmung sei ein Ruck durch das kulturelle Establishment gegangen und die Entschlossenheit, das Projekt zum Gelingen zu bringen, spürbar gewachsen.

Gewollter Kontrast

"Collecting Europe" leitet die Besucher durch das gesamte Museum, wie zufällig sollen sie immer wieder auf Europa stoßen. Das ganze Wochenende werden sich Künstler und Kuratoren in einem Mini-Festival über Europa austauschen. Das spanische Künstlerinnen-Duo Fru Fru beispielsweise plant mehrere Performances, die sich mit dem europäischen Badezimmer der Zukunft auseinandersetzen. Wir entdecken sie, als sie gerade mit rosafarbenen prothetischen Greifarmen für ihre abendliche Darbietung üben, vor riesigen Wandgemälden der Renaissance - ein gewollter Kontrast.

Den Spanierinnen geht es um die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben - dabei spielen sowohl Amanda Lear als auch asiatische Badekultur eine Rolle. Frei und kreativ, nicht engstirnig politisch sollten die Künstler denken, und sich dabei auf die permanenten Ausstellungsstücke des Museums beziehen, sagt Angela Kayan.

Ausstellung Collecting Europe - im Victoria & Albert Museum London (Foto: DW/B. Maaß)

Geschafft! Ein neuer "Pass".

Am Ende unseres Museums-Besuches haben sich 151 Besucher einen Europa-Pass ausstellen lassen. Ein Anfang. Nur eine Woche lang, bis zum 7. Februar, ist die Ausstellung noch geöffnet, aber danach soll sie im virtuellen Raum fortentwickelt werden. Um die Briten von der Europa-Idee zu überzeugen, braucht es wohl einen langen Atem - vielleicht gelingt es bis zum Jahr 4017 ja tatsächlich.