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Aktuell Welt

CO2-Werte in "gefährlichem Bereich"

Die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre hat den höchsten Stand seit Millionen von Jahren erreicht. US-Wissenschaftler warnen, die Folgen seien unumkehrbar.

ARCHIV - Weit in den von noch Regenwolken verhangenen Himmel ragen die Wasserdampf-Fahnen des Kohlekraftwerks Staudinger bei Großkrotzenburg in Hessen (Archivfoto vom 30.08.2010, dpa)

Deutschland Luftverschmutzung Kraftwerk in Hanau

Wie US-Forscher mitteilten, wurde diese Schwelle erstmals in der Geschichte der Menschheit überschritten. In der Messstation der Nationalen Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) in Mauna Loa im Bundesstaat Hawaii wurde ein Tagesdurchschnittswert von 400,03 ppm CO2 gemessen, im Scripps-Institut für Ozeanologie im kalifornischen San Diego waren es 400,08 ppm.

"Wir bewegen uns in einem gefährlichen Bereich", sagte der Leiter des kalifornischen Forschungsprogramms Ralph Keeling, dem Sender CBS News. Seiner Ansicht nach sind die Bemühungen fehlgeschlagen, CO2-Emissionen zu verringern. Einige Auswirkungen des Klimawandels seien nun unumkehrbar, betonte der Geochemiker. "Wir wissen nicht genau wie groß diese sein werden, aber es ist sehr unwahrscheinlich dass diese Veränderungen ohne große Turbulenzen ablaufen werden."

"Es gibt keinen Präzedenzfall"

Der Leiter des Earth System Science Center an der Penn State University, Michael Mann, äußerte sich ähnlich besorgt über das Tempo, mit dem die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre steigt. "Es gibt keinen Präzedenzfall in der Geschichte der Erde für solch einen abrupten Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen", sagte Mann der Nachrichtenagentur AFP. Lebewesen könnten sich an langsame Veränderungen ihrer Lebensbedingungen anpassen, bei dieser rasanten Veränderung sei dies aber nicht zu erwarten.

Mann führte aus, die Wissenschaft gehe davon aus, dass die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre zuletzt vor mehr als zehn Millionen Jahren so hoch gewesen sei. Damals sei es auf der Erde heißer gewesen und die Meeresspiegel hätten dutzende Meter über den derzeitigen gelegen.

Ein männlicher Polarbär in der kanadischen Hudson Bay (Foto: AP)

Lebewesen können sich an die rasanten Veränderungen ihrer Lebensbedingungen kaum anpassen

500 ppm noch in diesem Jahrhundert?

Der Wissenschaftler Jelle Bijma vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven geht davon aus, "dass wir die 500ppm-Marke voraussichtlich in diesem Jahrhundert knacken, wenn die Politik nicht endlich aktiv wird", zitierte das Online-Magazin "klimaretter.info." den Wissenschaftler.

Der Kommunikationschef des Umwelt-und Klimaforschungsinstituts Grantham an der Londoner School of Economics and Political Science, Bob Ward, betonte, die Menschheit sei dabei, "ein prähistorisches Klima zu schaffen, in der sich unsere Gesellschaft enormen und potentiell katastrophalen Risiken ausgesetzt sieht".

Seit 1958 messen Wissenschaftler die CO2-Konzentration in der Luft von der Station Mauna Loa auf Hawaii aus. Es ist die älteste Kohlendioxid-Messstation der Welt. Als die Untersuchungen dort begannen, lag der CO2-Wert noch bei 317 ppm.

GD/uh (dpa, afp)