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Wissen & Umwelt

CNAS, NASA, ESA, Roskosmos - Wettlauf um den Mond

Vor zehn Jahren schickte China seinen ersten Orbiter zum Mond. Die Volksrepublik nahm das ambitionierte Mond-Programm auf. Die USA, Russland und Europa wollen auch zum Mond. Sie aber setzen auf Kooperation.

China Raumfahrt Start der CNSA-Raumsonde Chang'e 1 im Jahr 2007 (Imago/Xinhua)

Eine Rakete vom Typ "Langer Marsch" brachte Chang'e-1 am 24. Oktober 2007 zum Mond

Als China am 24. September 2007 seinen ersten Mondorbiter Chang'e-1 – benannt nach der chinesischen Mondgöttin - ins Weltall beförderte, war es der Beginn eines umfassenden Mondprogramms. In etwa zehn Jahren soll es in einer bemannten Mission gipfeln. 

Anders als die traditionellen Raumfahrtnationen hat sich China damit vorerst auf seinen eigenen Weg zur Erforschung des Erdtrabanten festgelegt. Das chinesische Mondprogramm benötigt zwar die Kooperation mit Partnern wie der Europäischen Weltraumagentur ESA, um die Kommunikation zu seinen Sonden über das weltumspannende Netzwerk ESTRACK zu gewährleisten, aber am Bau der einzelnen Komponenten ist ansonsten niemand beteiligt. Allerdings arbeitet die chinesische Weltraumagentur CNSA zum Teil mit privaten Raumfahrtfirmen aus westlichen Staaten zusammen. 

Etwas mehr als ein Jahr und vier Monate war Chang'e-1 um den Mond gekreist, bis die Sonde am ersten März 2009 geplant auf der Oberfläche des Erdtrabanten aufschlug. Die Sonde studierte die Mondbeschaffenheit, die Zusammensetzung der Mineralien und Sonnenwinde um den Mond herum. 

China Raumfahrt Start der CNSA-Raumsonde Chang'e 1 im Jahr 2007 (Imago/Xinhua)

Der Satelliten Kontrollraum der CNAS in Peking bei der ersten Mondmission Chang'e-1

Orbiter, Lander, Rückhol-Roboter

Die gesammelten Daten dienten der Vorbereitung der nächsten beiden Missionen: Chang'e-2 startete am 1. Oktober 2010 und war weitgehend baugleich mit dem Vorgängermodell. Allerdings hatte es eine modernisierte Kamera und flog auch auf einem niedrigeren Orbit um den Mond. Aus diesem geringeren Abstand konnte die Sonde noch höher aufgelöste Bilder liefern – unter anderem vom Landepunkt des chinesischen Mond-Landeroboters, der folgte.

Diese Sonde, namens Chang'e-3 landete nach einem fast zweiwöchigen Flug am 14. Dezember 2013 auf dem Mond und setzte dort den Rover Yutu ab. 31 Monate lang erkundete der Rover den Mond. Allerdings gab es immer wieder längere Phasen, während derer die Kommunikation zur Erde nicht richtig in Gang kam.

Dafür war der Orbiter-Sonde Chang'e-2 noch ein langes Leben beschieden. Sie zeigte, wozu chinesische Ingenieure in der Lage sind: Nach acht Monaten im Mondorbit flog sie in die Tiefen unseres Sonnensystems hinaus. Zunächst zum Lagrange-Punkt L2 - ein Fixpunkt der 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt liegt, dann zu einem erdnahen Asteroiden, den die Sonde aus nur 3,2 Kilometer Abstand fotografierte.  

China gelingt seine erste Mondlandung (Reuters)

So sahen die Ingenieure im Kontrollraum in Peking die Landung von Chang'e-3

Am Ende vielleicht chinesische Astronauten

Chinas nächstes großes Projekt Chang'e-5 ist eine Lande-Sonde. Sie soll Mondgestein zurück zur Erde befördern. Zur Vorbereitung dieser Mission führte die CNSA zwischen dem 23. und dem 31. Oktober 2014 erfolgreich einen Versuchsflug durch. Dabei flog die Testsonde Chang'e 5-T1 zunächst an der erdabgewandten Seite des Mondes vorbei, um dann zur Erde zurückzukehren und erfolgreich zu landen. Das Raumschiff war mit einer 14 Kilogramm schweren experimentellen Nutzlast des deutschen Privatunternehmens Otto Hydraulik Bremen (OHB) und des Luxemburgischen LuxSpace beladen. Es ging bei dem Flug vor allem darum, den Wiedereintritt der Kapsel in die Erdatmosphäre zu testen.

Chang'e-5 soll ein wichtiger Meilenstein für Chinas Ambitionen werden, einmal Menschen auf den Mond zu bringen. Derzeit gehen Beobachter davon aus, dass ein späteres, bemanntes Landeprojekt in etwa der Landung von Apollo 11 durch die NASA am 16. Juli 1969 ähneln würde. Es ist indes unklar, wann Chang'e-5 starten soll. Auf der Webseite der CNSA wird noch das Jahr 2017 als Zielvorgabe erwähnt. Ob dieser Termin eingehalten wird, ist aber unklar. 

USA, Russland und weitere Partner: Eine ISS für den Mond

Unterdessen gehen auch die Planungen der etablierten Weltraumnationen für eine Rückkehr zum Mond weiter. "Deep Space Gateway" nennt sich eine Raumstation im Mondorbit. Die russische Agentur Roskosmos und die US-Weltraumbehörde NASA wollen sie zwischen 2024 und 2026 aufbauen.  

Mehr dazu: Die ESA wird einen Beitrag zur neuen Raumstation leisten

Schon jetzt ist die Europäische Raumfahrtagentur ESA indirekt mit an Bord, weil sie die Lebenserhaltungsmodule für das künftige Arbeitspferd der NASA, das Orion-Raumschiff, baut.

NASA Moon Village (ESA)

Eine Vision von ESA und NASA: Die permanente Forschungsstation auf dem Mond

Die Entscheidung zum Aufbau des "Deep Space Gateway" ist gefallen. Voraussichtlich werden sich auch die ESA-Mitgliedsstaaten in Zukunft in vielfältiger Weise daran beteiligen. Auch weiteren Partnern, die schon jetzt an der Internationalen Raumstation ISS mitwirken, wie etwa Japan, stehen die Türen offen. Japan hatte bereits im September 2007 eine eigene Sonde in die Mondumlaufbahn gebracht. 

Auch eine Beteiligung Chinas oder Indiens ist nach Aussage des Roskosmos-Direktors Igor Komarow denkbar. Indien hatte 2008 eine eigene Mondmission gestartet. Sie bestand aus einem Orbiter sowie einer statischen Landesonde, die auf der Mondoberfläche abgesetzt wurde.

Wettlauf um technisches Prestige oder auch um Rohstoffe?

NASA, Roskosmos und ESA erwarten von der Mondmission vor allem neue Möglichkeiten für die Forschung. Besonders attraktiv für Astronomen ist die erdabgewandte Seite des Mondes, da von dort aus Sternenbeobachtungen - quasi im Erdschatten - viel besser möglich sind.

Auch zur Erprobung neuer Techniken – etwa für eine zukünftige Marsmission - könnte eine Mondstation dienen, genauso wie zur Grundlagenforschung. Aufstrebende Weltraumnationen wie China, Indien oder Japan engagieren sich vor allem, um ihre technischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Wenig deutet indes darauf hin, dass die verschiedenen staatlichen Akteure, die sich derzeit am Wettlauf zum Mond beteiligen, tatsächlich auch einfachere, wirtschaftliche Interessen damit verbinden. Dazu gehört etwa der Kampf um den Zugang zu günstigen Rohstoffen. Die heutige Raumfahrt und die Raumfahrt der absehbaren Zukunft werden kaum ein Ersatz für den Bergbau auf der Erde sein können. 

Angesichts der hohen Investitionskosten in die Raumfahrt dürfte es bis auf weiteres kaum lukrativ sein, im Weltraum nach Bodenschätzen zu schürfen. Bisher gibt es jedenfalls keine Unternehmen, die dies erfolgreich als Geschäftsmodell entwickeln konnten.

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