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Kultur

Clinton schlägt Potter

Vorangegangen war eine PR-Kampagne sondergleichen. Jetzt ist sie endlich da: Die Autobiografie des früheren US-Präsidenten Clinton. Sie wird ein Bestseller werden - auch wenn nichts Besonderes drin steht.

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Allgegenwärtig: Werbung für Bill Clintons Autobiografie

An Bill Clintons Buch kommt derzeit keiner vorbei, noch nicht einmal Präsident George W. Bush. Um sich lange Lobes-Hymnen auf seinen Amtsvorgänger zu ersparen, brachte es Bush bei einem Empfang für die Clinton-Familie im Weißen Haus vor wenigen Tagen auf den Punkt. "Er war fünf Mal Gouverneur von Arkansas und der erste Bürger dieses Staates, der Präsident wurde. Er war der Erste in der Demokratischen Partei nach Roosevelt, dem es gelang, zwei Mal ins Weiße Haus gewählt zu werden. Ich könnte mehr über ihn erzählen, aber das kann man ja in guten Buchläden Land auf Land ab demnächst nachlesen."

Bill Clinton rührt seit Tagen kräftig selbst die Werbetrommel. Und er scheute sich in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS auch nicht, heikle Fragen nach seiner Affäre mit Monica Lewinsky zu beantworten - ein Seitensprung, der ihn gegen Ende seiner Amtszeit beinahe die Präsidentschaft und die Ehe gekostet hätte. "Ich glaube, ich tat es aus einem denkbar schlechtesten Grund", erzählte der Ex-Präsident und ergänzte: "Einfach, weil es möglich wurde. Das ist wohl der moralisch unhaltbarste Beweggrund, den ein Mensch haben kann."

Clinton auf der Couch

Clinton berichtet in seinem Buch, er habe nach dem Geständnis der Affäre gegenüber seiner Ehefrau Hillary mindestens zwei Monate lang auf der Couch nächtigen müssen - die Ehe habe man durch eine gemeinsame Familien- und Einzeltherapien gerettet.

Der Medienliebling und Ex-Präsident, der für "Mein Leben" das stolze Vorschuss-Honorar von zehn Millionen US-Dollar erhielt, skizziert in seiner Autobiografie seinen politischen Werdegang. Vom debattierenden High School-Kid zum Präsidenten, auf den John F. Kennedy den vielleicht prägendsten Einfluss hatte.

Kennedys Hand

In seinem Buch beschreibt Clinton eine Begegnung mit Kennedy im Jahr 1963: "Ich stand ganz vorne. Und da ich größer als alle anderen war und auch ein größerer Fan, war ich entschlossen, Kennedys Hand zu schütteln. Das war ein unglaublicher Augenblick für mich. Endlich den Präsidenten zu treffen, den ich schon als Neunt-Klässler in unseren Schuldebatten unterstützt hatte. Über die Wirkung dieser Begegnung ist später viel geschrieben worden. Meine Mutter sagt, als ich damals nach Hause kam, hätte sie gewusst, dass ich Politiker werden würde."

In der Nacht zum Dienstag (22.6.04) blieben in vielen Städten der USA die Buchläden bis Mitternacht geöffnet, um dem erwarteten Ansturm der Käufer gerecht zu werden. 1,5 Millionen Bücher in der ersten Auflage sind ein amerikanischer Rekord für ein Sachbuch. Das Medieninteresse ist riesig.

Keine Lern-Lektüre

Doch die Leser werden nicht viel Neues erfahren, meint Präsidentschaftshistoriker Sebastian Hess vom Brookings-Institut: "Die Leute wollen durch die Lektüre etwas Lernen. Werden Sie enttäuscht sein? Darauf würde ich mein Haus verwetten. 'RN' - das Nixon-Buch - hat uns nicht geholfen, den Watergate-Skandal zu verstehen und bei Clintons Buch wird es nicht viel anders sein."

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