Clinton attackiert Sanders in TV-Debatte | Aktuell Amerika | DW | 05.02.2016
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Aktuell Amerika

Clinton attackiert Sanders in TV-Debatte

Nach ihrem hauchdünnen Sieg vor Bernie Sanders bei den Vorwahlen in Iowa steht Hillary Clinton unter Druck. Nun lieferten sich die beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten ein TV-Duell.

In der TV-Debatte der beiden demokratischen Präsidentschaftskandidatin schaltete Hillary Clinton in den Angriffsmodus. Sie warf ihrem linksgerichteten Rivalen Bernie Sanders eine unrealistische Politik vor. Bei Sanders' Forderungen "geht die Rechnung einfach nicht auf", sagte Clinton in der Debatte. Wie der Senator sei auch sie eine "fortschrittliche" Politikerin, aber sie könne Dinge erledigen.

Sanders wies die Kritik zurück. Seine Vorschläge, wie die Abschaffung von Studiengebühren an staatlichen Universitäten, werde er mit einer Steuer auf Finanzspekulationen bezahlen. "Die Mittelschicht hat die Wall Street gerettet, als sie Hilfe benötigte. Nun ist es an der Zeit, dass die Wall Street der Mittelschicht hilft", sagte er.

Clinton wirft Sanders "Schmierenkampagne" vor

Der vom Fernsehsender MSNBC übertragene Schlagabtausch fand an der Universität von New Hampshire statt. Der Bundesstaat im Nordosten der USA hält am Dienstag die nächste Vorwahl ab. Im Zentrum der Debatte stand die Auseinandersetzung, welcher der beiden Bewerber stärker im Einklang mit den Werten der Demokratischen Partei steht.

Clinton warf Sanders vor, im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten eine Schmierenkampagne zu betreiben. "Wenn Du etwas zu sagen hast, sag es", sagte sie. "Es ist an der Zeit, die sehr hinterlistige Verleumdung zu beenden, die Du und Deine Kampagne betreiben." Sie reagierte damit auf Vorwürfe Sanders, sie lasse sich von großen Spendern aus der Finanzwelt beeinflussen. Laut dem Nachrichtenportal "Politico" bekam Clinton von der Investmentbank Goldman Sachs 2013 für drei Vorträge 675.000 Dollar.

Streitpunkt Krankenversicherung

Auch in der Gesundheitspolitik gerieten die beiden Präsidentschaftsbewerber aneinander. Jede Industrienation auf der Welt garantiere ihren Bürgern das Recht auf eine Krankenversicherung, sagte Sanders. "Ich akzeptiere nicht die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten von Amerika das nicht können."

Clintons Warnung, dass er die "Kontroverse" um Präsident Barack Obamas Gesundheitsreform neu entfache, wies der selbsterklärte "demokratische Sozialist" zurück: Er wolle die Reform nicht demontieren, aber langfristig jedem Bürger eine Krankenversicherung verschaffen. Die frühere First Lady sagte dagegen: "Senator Sanders will wieder ganz von vorne anfangen."

Demokratischer Zweikampf

Clinton liegt in landesweiten Umfragen deutlich vor Sanders. Der 74-jährige Senator aus Vermont, der mit seinen Ideen vor allem junge Wähler begeistert, konnte seiner Kontrahentin in Iowa am Montag aber praktisch ein Unentschieden abtrotzen. Clinton kam in dem Bundesstaat im Mittleren Westen auf 49,8 Prozent, Sanders auf 49,6 Prozent.

In New Hampshire sehen Meinungsforscher den Senator vorne. Einer Umfrage für die Zeitung "Wall Street Journal" und den Fernsehsender NBC zufolge liegt Sanders in dem Bundesstaat bei 58 Prozent, Clinton bei 38 Prozent. Das demokratische Präsidentschaftsrennen ist ein Zweikampf, seit Marylands Ex-Gouverneur Martin O'Malley nach seinem enttäuschenden Abschneiden in Iowa das Handtuch geworfen hat.

cr/nem (afp, dpa)