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Wirtschaft

Clement und Sarkozy demonstrieren Harmonie

Von eisiger Stimmung keine Spur: Nach den Auseinandersetzungen zwischen Wirtschaftsminister Clement und seinem französischen Amtskollegen Sarkozy zeigten sich die beiden am Dienstag (26.10.) in Berlin ganz harmonisch.

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Zeigten Einigkeit: Sarkozy und Clement

Am Dienstag joggten Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und sein französischer Amtskollege Nicholas Sarkozy einträchtig durch den Berliner Tiergarten. Damit wollten die Minister wohl alle Meldungen Lügen strafen, die von einer tiefen Feindschaft zwischen den beiden sprechen. Seit Tagen haben sich die Minister immer wieder getroffen, am Samstag in Paris in Sarkozys Privatwohnung, am Montagabend ganz offiziell in Berlin und nun also sogar zum Sport. Die Treffen scheinen sich gelohnt zu haben. Deutschland sei, was das Bemühen um vernünftige und faire Wettbewerbsbedingungen angehe, völlig auf einer Linie mit Frankreich, sagte der deutsche Wirtschaftsminister.

Zuviel Staat

Faire Verhältnisse soll es auch in der Steuer- und Förderpolitik geben, unternehmerische Kooperationsmöglichkeiten werden in der Biotechnologie und Brennstofftechnik ausgelotet. Von so viel Harmonie konnte noch vor kurzem keine Rede sein. Einen Rückfall in interventionistische Praktiken hatte Clement Sarkozy im Frühjahr dieses Jahres vorgeworfen. Frankreich übertreibe sein staatswirtschaftliches Gebaren und schotte seinen Markt gegen deutsche Unternehmen ab.

Konkret ging es dabei um die Übernahme des deutsch-französischen Pharma-Konzerns Aventis durch seinen französischen Konkurrenten Sanofi, bei der die Regierung in Paris die Fäden zog. Verärgert zeigte sich die deutsche Seite auch über die Rolle, die Wirtschaftsminister Sarkozy bei der vereitelten Übernahme von Teilen des angeschlagenen französischen Alstom-Konzerns durch den deutschen Konkurrenten Siemens spielte.

Doch Sarkozy ist sich keiner Schuld bewusst. Überhaupt ist der Franzose nicht auf den Mund gefallen. In Paris gilt er als politisches Schwergewicht und als Gegenspieler von Staatschef Jacques Chirac. Dem würde er auch gerne im Amt folgen. Auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur will Sarkozy im kommenden Monat seinen Ministerposten aufgeben und sich zum Parteivorsitzenden der bürgerlichen UMP (Union pour un Mouvement Populaire) wählen lassen.

Gemeinsamer Schiffbau

Die Lloyd-Werft in Bremerhaven Insolvenz

Werftenverbund: Gemeinsam gegen die Konkurrenz

Zuvor aber möchte der umtriebige Franzose noch ein großes Projekt anstoßen, einen europäischen Werftenverbund nach dem Vorbild des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS (European Aeronautic Defence and Space Company). Sarkozy ist fest von der Notwendigkeit europäischer Champions überzeugt: Die EADS zeige, was Frankreich und Deutschland am besten machen könnten.

Neu ist der Plan nicht, auch Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich vor dem Hintergrund wachsender asiatischer Billigkonkurrenz im Schiffbau schon mehrfach für ein derartiges Projekt ausgesprochen. Minister Clement hält die Zeit für einen solchen deutsch-französischen Werftenverbund noch nicht für reif, signalisierte aber grundsätzlich Gesprächsbereitschaft.

Beim Thema Werftenverbund war angesichts des deutschen Zusammenschlusses von HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft) und den ThyssenKrupp-Töchtern Blohm und Voss sowie den Nordseewerken bislang vor allem von einer Kooperation bei Militärschiffen und U-Booten die Rede. Dem Franzosen Sarkozy schwebt darüber hinaus aber auch eine Zusammenarbeit im zivilen Bereich vor. Angesichts der Freizeitgesellschaft glaubt er an Zuwächse auf dem Markt für Kreuzfahrtschiffe.

Notwendige Fusionen

Das aber hat einen guten Grund. In diesem Fall könnten die Franzosen nämlich nicht nur die stark von Subventionen abhängige Staatswerft DCN in den Verbund einbringen, sondern auch die auf Kreuzfahrtschiffe spezialisierte Werftensparte des Alstom-Konzerns, für die Paris bislang vergeblich nach einem Käufer sucht.

In einem jedenfalls sind sich Deutsche und Franzosen einig: Um konkurrenzfähig bleiben zu können, geht an einer länderübergreifenden Fusion eigentlich kein Weg vorbei. Bislang betreiben 21 Unternehmen in Europa 23 Werften. In den Vereinigten Staaten gibt es dagegen nur noch vier Unternehmen und sechs Werften.

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