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Kultur

Claudia Schreiber – Gott ist mein Thema

Eine Schriftstellerin beschäftigt sich mit den großen Themen, Erwachsenwerden, Tod und Gott. Antje Borchers stellt sie vor.

Garten

Garten

Ein eigener Weg ins Leben

Autorin:

Ihr Roman „Emmas Glück“, der auch verfilmt wurde, brachte ihr den Durchbruch als Bücherschreiberin: Claudia Schreiber. Ihr Name ist Programm, sagt die 54-Jährige über sich. Früher war sie Journalistin, sie lebte in Deutschland und im Ausland. Und dort im Ausland, in Moskau, hat sie viele Bücherschreiber kennengelernt und das Bücherschreiben auch für sich entdeckt.

Claudia Schreiber

Mit meinen Büchern bin ich ausgesprochen glücklich. Das ist das, was ich am liebsten tu. Die Themen, die ich wähle, haben sehr viel mit dem Leben zu tun. Vor allen Dingen, glaube ich, das Hauptmotiv aller Bücher sind Figuren, die sich ins Leben wagen, die viel riskieren, um ihren eigenen Weg zu finden.

Autorin:

In Claudia Schreibers jüngstem Roman „Süß wie Schattenmorellen“ ist es die 13-jährige Annie, die sich ins Leben wagt, die viel riskiert. Notgedrungen. Annie ist die Tochter einer depressiven Kirschplantagenbäuerin und die Enkelin eines Opas, der gegen Ende seines Lebens demselben noch etwas Liebesglück abgewinnen will. Beide Erwachsene, Mutter und Opa, verlassen die Familien-Obstplantage kurz vor der Ernte. Und nun steht Annie da mit ihren 13 Jahren, muss sich um die 1500 Kirschbäume kümmern, muss sich selbst versorgen, ohne Geld, und muss auch noch einem schwangeren Mädchen und ihrem Baby zum Leben helfen. – Annie ist eigentlich hoffnungslos überfordert, verliert sich fast selbst. Aber Annie kämpft, übernimmt die Verantwortung der Erwachsenen und weiß am Ende, wer sie ist, was sie kann und was sie will.

Das klingt ein bisschen abgedreht, aber… sind nicht eigentlich viele Lebensschicksale ein bisschen abgedreht!? Und muss sich nicht jeder irgendwie ins Leben wagen?! – Es sind diese großen Themen, die die Autorin Claudia Schreiber interessieren. Geburt, Tod, Gott. Es sind Themen, die ihr das Leben beschert hat.

Claudia Schreiber

Ich kenne eine Kirschplantage, meine Eltern hatten die. Und ich habe während des Studiums diese vermaledeite Plantage gepflegt und (wirklich) von dem Ertrag der Kirschen mein Studium finanziert. Was glauben Sie, wie schnell ich studiert hab‘!?

Autorin:

Den eigenen Weg finden, wissen, was ich will – das ist nicht nur das Hauptmotiv ihrer Bücher, das ist ihr eigenes Lebensmotiv. Früher war Claudia Schreiber Christin, ist groß geworden in einer sehr engen christlichen Gemeinde.

Claudia Schreiber

Und dort wurde ich von Anfang an vorbereitet, nicht meinen Willen zu leben immer, sondern seinen: zu hören, was Gott sagt, und ich soll es tun, und nie „ich“. Mein Wille war nichts, sein Wille war alles. Und wenn man so groß wird über die Jahre, kriegt man irgendwann eine Klatsche und wird fast verrückt.

Ein Weg zu Gott

Autorin:

Mit 27 Jahren hat Claudia Schreiber dieses enge Leben komplett hinter sich gelassen: Gemeinde, Familie, die Stadt. Mit einem Knall. Hat die Einsamkeit riskiert, hat sich in ein völlig unbekanntes Leben gewagt. Seitdem übt sie, in sich hineinzuhören, ihre eigene Art zu leben herauszufinden. 20 Jahre hat sie benötigt, um sich von den Schreckenserlebnissen mit einem fundamentalen Christsein zu erholen.

Gott hat Claudia Schreiber nicht hinter sich gelassen. In ihrem Roman „Ihr ständiger Begleiter“ schreibt sie über eine junge Frau, die seit Kindesbeinen ein enges Verhältnis zu Gott hat, der ihr nun allerdings ständig auf den Fersen ist, unangenehm nahe kommt. Die Frau schüttelt ihn ab, ringt mit ihm, provoziert ihn und hin und wieder sitzt sie mit Gott auf Campingstühlen und redet Tacheles mit ihm. Über diese Szenen sagt Claudia Schreiber:

Claudia Schreiber

Das hat mir besonders gut gefallen, ja. Ich hab‘ die geschrieben, als könnt‘ ich das selbst mit ihm auch. Und habe mir quasi vielleicht einen neuen Gott geschrieben, der manches zurechtrückt und sagt: So und so wollte ich das gar nicht.

Autorin:

Inzwischen fühlt Claudia Schreiber sich frei in ihrer Beziehung zu Gott, gestattet sich manchmal „Zwiesprache mit dem alten Herrn“, wie sie sagt. Beten nennt sie das nicht, eher „ab und zu miteinander Nachdenken“.

Claudia Schreiber mag kein Lippenbekenntnis mehr abgeben, ob sie glaubt und woran. Aber sie sagt über Gott:

Claudia Schreiber

Das ist natürlich mein Lebensthema. Ich bin so geprägt. Ich komme zurück auf die Themen, die ich als Jugendliche und als Kind hatte. Das fügt sich so zusammen, das habe ich nicht geplant, sondern das ist so geworden.

Zur Autorin:

Antje Borchers

Antje Borchers

Antje Borchers ist Diplom-Medienwirtin und Journalistin. Sie betreibt eine Agentur für Kommunikation, Medienarbeit und Pressearbeit. Vorher hat sie viele Jahre als Chefredakteurin einer christlichen Jugendzeitschrift gearbeitet. Seitdem macht sie auch Radio, zum Beispiel Morgenandachten. Vorher war sie in Idstein/Taunus und hat dort als Gemeindediakonin die Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde geleitet. Sie wohnt mit ihrem Mann in Lemgo/Lippe.

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