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Kultur

Claude Chabrol ist tot

Im Alter von 80 Jahren ist der französische Filmemacher Claude Chabrol gestorben. Er war nicht nur Regisseur zahlreicher Filme, sondern auch Drehbuchautor, Filmproduzent und Schauspieler.

Claude Chabrol (Foto: AP)

Der "Altmeister des Kinos"

"Danke, Claude Chabrol, wir danken Dir für dein Kino", erklärte der Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë, am Sonntag (12.09.2010). Er würdigte den Verstorbenen als einen der großen Cineasten Frankreichs, der für seine Unerschrockenheit und Freiheitsliebe bekannt geworden sei.

Zusammen mit François Truffaut, Jacques Rivette und Jean-Luc Godard gehörte Chabrol in den 1950er Jahren zu den Mitbegründern der "Nouvelle Vague" - einer Bewegung, die sich gegen das etablierte, verkrustete und angepasste Kino wehrte. Damals entstand das Schlagwort des "Autorenfilms", dessen Markenzeichen der unverkennbare, individuelle Stil des jeweiligen Regisseurs ist.

Nur "kleine Erfolge"?!

"Unsere Generation dachte nicht an Karriere, wir wollten Werke schaffen. Ich bin nicht sicher, ob heute wirklich versucht wird, Filme zu machen", meinte der "Altmeister des Kinos" noch vor wenigen Monaten. Zu Chabrols Klassikern zählen "Eine untreue Frau" (1968), "Das Biest muss sterben" (1969) sowie "Der Schlachter" (1969). Einer seiner letzten Filme war "Kommissar Bellamy", der 2009 auch auf der Berlinale zu sehen war. Dort war Chabrol für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden.

"Triumphe sind der Tod eines Filmemachers. Ich hatte schöne kleine Erfolge", zog Chabrol erst im Juni zu seinem 80. Geburtstag Bilanz. Mit mehr als 60 Kinofilmen zählte er unbestritten zu den bedeutendsten Cineasten Frankreichs.

Claude Chabrol (Foto: AP)

Claude Chabrol - 2009 bei der Berlinale

Kompromisslos, zynisch, gnadenlos ehrlich - Eigenschaften, die Chabrol und sein Werk auszeichneten. Denn nichts machte er in seinen Filmen lieber als Unaufrichtigkeit, Falschheit, Engstirnigkeit und Egoismus des Bürgertums zu entlarven, um daraus erfolgreich hintergründige Provinz- und Familiendramen zu zaubern - gern mit Inzest oder Mord angereichert. Eine Mischung, deren Grundformel der Regisseur jedoch nicht während seines Pharmaziestudiums erlernt hat.

Vom Kritiker zum Filmemacher

Chabrol, am 24. Juni 1930 in Paris als Sohn eines Apothekers geboren, begann dieses Studium nur seinem Vater zuliebe. Zum Film kam er nicht wie viele seiner Zeitgenossen als Regieassistent, sondern als Kritiker bei der Fachzeitschrift "Cahiers du cinéma".

Kaum ein französischer Regisseur ist in Deutschland so bekannt wie Chabrol. Er hat mehr Kinofilme gedreht als seine Vorbilder Fritz Lang und Alfred Hitchcock. "Warum ich mich darauf versteife, die doppelte Moral der Bourgeoisie zu entlarven, könnte nur ein Psychiater herausfinden", hat Chabrol einmal gesagt. An seiner katholischen Erziehung liege es jedenfalls nicht, sie habe keine Spuren hinterlassen. Mit anderen Worten: Chabrol war von Natur aus ein zynischer Moralist.

Autor: Christian Walz (dpa, dapd, afp)
Redaktion: Hans Ziegler