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Lebensart

"Classic German Baking" - Foodbloggerin Luisa Weiss über ihr Buch von der deutschen Backkunst

Foodbloggerin Luisa Weiss hat in den USA ein neues Buch mit traditionellen deutschen Backrezepten veröffentlicht. Der DW hat sie erzählt, was an den deutschen Back-Leckereien so einzigartig ist.

Es gibt nicht viele Sammlungen deutscher Rezepte in den USA. Da kommt das neuste Werk von Luisa Weiss "Classic German Baking" (Klassische Deutsche Backrezepte) gerade recht. Bekannt wurde Luisa Weiss alias "Die Mittwochs-Chefin" durch ihre Foodblogs. Mit den klassischen deutschen Backrezepten unterscheidet sie sich von ihrem Buch "My Berlin Kitchen" (Meine Berliner Küche), in dem sie ihre persönliche Geschichte erzählt - mit Rezepten, an die sie sich erinnert.

Bevor Luisa Weiss ihren Berlin-Blog schrieb, lebte sie in New York City, wo sie als Kochbuchlektorin arbeitete. In dieser Zeit bemerkte sie auch einen Mangel an deutschen Kochbüchern. Dass es von der größten amerikanischen Einwanderungsgruppe kein Kochbuch gab, fand sie seltsam und übernahm kurzerhand selbst die Rolle der Kochbuchautorin.

Ihren Texten merkt man an, dass sie als Tochter eines Amerikaners und einer Italienerin, geboren in Berlin, eine kulturübergreifende kulinarische Erziehung mit auf den Weg bekommen hat. Ihr Mann ist Deutscher und spricht die Sprache fließend. Dennoch hat sie keine sentimentale Bindung zu den Rezepten. Sie nähert sich dem Thema als eine Art "kulinarische Anthropologin" und macht die komplizierten deutschen Rezepte auf diese Weise für Bacjkamateure zugänglich. Mit Luisa Weiss sprach für die DW Molly Hannon.

Kochbuchautorin und Food-Blogger Luisa Weiss (Aubrie Pic )

Hefegebäck in sämtlichen Variationen erfreut sich bei den Deutschen großer Beliebtheit

DW: Wie sind Sie zum "Klassischen Deutschen Backen" gekommen?

Luisa Weiss: Ich hatte schon seit langem bemerkt, dass es eine große Lücke auf dem Kochbuchmarkt gibt, wo ein deutsches Backbuch hingehört hätte. Eins, das klassisch traditionell ist, aber nicht unter dem Warenzeichen einer großen Lebensmittelfirma herausgegeben wird. Es sollte vertrauenswürdig sein. Als ich selbst noch als Kochbuch-Lektorin tätig war, hoffte ich immer, jemanden zu finden, der dieses Buch schreiben könnte. Als ich dann nach Berlin zurückkehrte und ständig über Essen schrieb, kam mein Herausgeber auf mich zu und wollte, dass ich genau solch ein Buch schreibe. Das war Schicksal!

Ist es ein Vorteil, dass Sie als Nicht-Deutsche ein Kochbuch über deutsche Backrezepte schreiben? Sind Sie weniger sentimental?

Ich denke nicht, dass sich Sentimentalität mit gutem Schreiben über Essen in die Quere kommt. Das Gefühl kann höchstens von Zeit zu Zeit ein starker Auslöser sein. Ich hoffe aber, dass ich dem amerikanischen Kochbuchleser in diesem Buch die deutsche Tradition "übersetzen" kann. Ich will nicht nur die großen Rezepte anbieten, sondern auch den kulturellen Kontext. Ich kenne Deutschland sehr gut und ich bin eine amerikanische Autorin, die sehr viele Kochbücher gelesen hat. Ich hatte also gute Voraussetzungen, dieser Kultur gerecht zu werden und doch aus der Perspektive einer Außenstehenden darüber zu schreiben.

Wie haben Ihre früheren Erfahrungen als Kochbuchlektorin, die sich zur Food-Bloggerin entwickelt hat, ihr Backbuch beeinflusst?

Buchcover Classic German Baking (Ten Speed Press)

Im Oktober erschienen: "Classic German Baking". Auch in Deutschland ist das Buch erhältlich.

Nachdem ich jahrelang Rezepte verfolgt, dann online über Rezepte geschrieben und schließlich Rezepte in Büchern veröffentlicht habe, bin ich wirklich sehr genau geworden. Die Rezepte sollen auch so funktionieren, wie es da steht. Man kann natürlich kleine Fehler hier und da nie ganz vermeiden - trotz unzähliger Leser und Lektoren, die das prüfen. Im Großen und Ganzen weiß ich aber, dass die Rezepte gute Resultate ergeben. Ich glaube, dass mich die Jahre als Bloggerin auch gelehrt haben, wie man um das Essen herum schreibt. Also nicht nur über den eigentlichen Geschmack und die Beschaffenheit, sondern dass es auch wichtig ist, den größeren Kontext, das tägliche Leben von jemandem zu berücksichtigen und zu sehen, wie die Rezepte da hineinpassen.

Welche Leserschaft wollen Sie ansprechen?

Ich denke an amerikanische Laienbäcker mit deutschen Wurzeln oder an Menschen, die neugierig sind auf diese legendäre kulinarische Tradition.

Wie haben Sie die Rezepte ausgewählt? Gab es Kriterien, nach denen Sie Rezepte ins Buch aufgenommen haben oder auch nicht?

Mir war wichtig, dass die Rezepte auf jeden Fall ein leckeres Ergebnis bringen, dass sie relativ simpel, beziehungsweise machbar und traditionell sind. Also nichts Neumodisches. Ich wollte eine ausgewogene Auswahl regionaler Spezialitäten, Backwaren, für die die Deutschen eine Leidenschaft entwickelt haben und solche, die Amerikaner in der ein oder anderen Form wiedererkennen.

Worin unterscheidet sich für Sie die deutsche Backkultur von anderen?

Kochbuchautorin und Food-Blogger Luisa Weiss (Aubrie Pic )

Kuchen, Brezeln, Plätzchen - Luisa Weiss lässt in ihrem Buch nichts aus

Backen ist in Deutschland ein Teil des täglichen Lebens. Das ist in anderen Backkulturen nicht so. In Deutschland legen die Leute einen enormen Wert auf Brot, Kuchen und Plätzchen. Das ist fest verankert in der deutschen Sozialisation und Kultur.

Was hat Sie am meisten überrascht bei allem, was Sie gelernt haben? 

Ich habe so viel gelernt! Ich liebe es zu lernen, wie man so viele verschiedene Brötchensorten herstellt. Ich war begeistert davon, einfache Wege zu finden, Backzutaten wie Quark und Mandelcrème herzustellen. Besonders stolz bin ich darüber, dass mir ein Strudel gelungen ist. Der kommt zwar aus Österreich, ist aber auch in Deutschland heißgeliebt. Meine Wertschätzung der deutschen und österreichischen Backkultur war schon vorher sehr ausgeprägt. Wenn überhaupt, hat sich das Gefühl vertieft.

Wie denken Sie, wird das Buch in den USA ankommen, besonders bei den Deutsch-Amerikanern?

Bisher war das Feedback, das ich von Deutsch-Amerikanern bekommen habe, ganz wunderbar. Die Leute sind so glücklich, endlich ihre wichtigsten und familiären deutschen Back-Rezepte in einem Buch gesammelt zu bekommen. Viele haben geschrieben, dass sie das Buch an ihre deutsche Großmutter oder Mutter erinnert, das ist so schön. Viele deutsche Leser oder amerikanische, die mit Deutschen verheiratet sind, haben kommentiert, wie authentisch und akkurat alles ist. Das ist Musik in meinen Ohren. 

Luisa Weiss hat uns ihr Rezept für original deutsche Brezeln verraten. Zum Ausprobieren - hier entlang. 

 

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