Claims Conference: Deutsche Entschädigung für algerische Juden | Aktuell Deutschland | DW | 05.02.2018
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Späte Anerkennung

Claims Conference: Deutsche Entschädigung für algerische Juden

Deutschland will erstmals eine große Gruppe von Holocaust-Überlebenden aus Algerien entschädigen. Sie hatten während des Zweiten Weltkriegs unter antisemitischen Gesetzen des französischen Vichy-Regimes zu leiden.

Berlin Veranstaltung der Opferorganisation Claims Conference (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Holocaust-Überlebende bei einer Veranstaltung der Claims Conference im Dezember in Berlin

Dies sei "eine lange überfällige Anerkennung für eine große Gruppe von Juden in Algerien, die unter anti-jüdischen Maßnahmen von Nazi-Verbündeten wie dem Vichy-Regime litten", erklärte Greg Schneider, Vize-Präsident der Claims Conference. Deutschland will demnach erstmals eine große Gruppe von Holocaust-Überlebenden aus Algerien entschädigen. Die Claims Conference teilte in Tel Aviv mit, es handele sich um schätzungsweise 25.000 algerische Juden, von denen die meisten heute in Frankreich lebten. Rund 3900 der Betroffenen lebten in Israel.

Greg Schneider - Vizepräsident der Jewish Claims Conference (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Greg Schneider: Anerkennung und Wiedergutmachung "lange überfällig"

"Ausgesondert" unter dem Vichy-Regime  

Die algerischen Juden sollten eine einmalige Zahlung von jeweils 2556 Euro erhalten. Dies sei das Ergebnis von Verhandlungen der Claims Conference mit der deutschen Regierung, erläuterte eine Sprecherin. Die 1951 gegründete Conference on Jewish Material Claims against Germany, kurz Claims Conference, ist der Dachverband jüdischer Organisationen, der sich für Wiedergutmachung für Überlebende des Holocaust oder deren Erben einsetzt.

Entschädigt werden sollten nun Juden, die zwischen Juli 1940 und November 1942 in Algerien lebten und unter Nazi-Verfolgung litten, hieß es in der Mitteilung. Diese Gruppe habe unter anderem mit Beschränkungen im Bereich der Bildung, des politischen Lebens und der Arbeit kämpfen müssen. Ihnen sei die französische Staatsbürgerschaft entzogen worden und sie seien "ausgesondert worden, nur weil sie Juden waren".

Opfer der Nazi-Kollaborateure 

Die Juden in Algerien, Marokko und Tunesien lebten bis 1942 unter dem Vichy-Regime, das mit Nazi-Deutschland verbündet war. Sie waren von antisemitischen Gesetzen des französischen Marschalls Philippe Pétain betroffen. Nach Angaben der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem lebten bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 rund 120.000 Juden in Algerien. Jüdische algerische Soldaten seien während der Vichy-Herrschaft in ein Zwangsarbeitslager gesperrt worden.

Philippe Pétain und Hermann Goering (Getty Images/AFP)

Der französische Marschall Philippe Pétain 1941 bei einem Treffen mit Gestapo-Gründer und Reichsmarschall Hermann Göring

Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, sagte: "Die Zahlung ist ein kleiner Teil der Gerechtigkeit, die diese Überlebenden verdient haben, aber die Anerkennung ist wichtig, und wir werden weiter kämpfen, bis jeder Überlebender anerkannt worden ist." Man werde in Paris ein Registrierzentrum einrichten, weil sich dort die meisten der algerischen Überlebenden aufhielten, wurde mitgeteilt. Es solle von Februar bis April 2018 geöffnet bleiben. In Marseille, Lyon und Toulouse sollten ähnliche Zentren eingerichtet werden.

Die Zahlungen sollen im Juli beginnen. Als Ergebnis von Verhandlungen mit der Claims Conference habe Deutschland seit 1952 umgerechnet rund 56 Milliarden Euro Entschädigung an Nazi-Verfolgte gezahlt, berichtete die Conference. Die Überlebenden aus Algerien seien vermutlich die letzte große Gruppe, die eine solche Entschädigung von Deutschland erhalten werde, sagte Greg Schneider der israelischen Zeitung "Haaretz".

SC/kle (dpa )