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Deutschland

CIVIS-Medienpreis: Vielfalt braucht Verteidiger

In Berlin wurde Europas renommierter Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt verliehen. Die Gala zum 30. Jubiläum stellte die Frage nach dem Umgang mit Fake News, Hetze und Hass - im Netz und anderswo.

CIVIS Preisverleihung 2017 in Berlin (DW/R. Fuchs)

2017 feierte der CIVIS-Medienpreis 30. Geburtstag. Mit dabei: Preisträger und Juroren

Kulturelle Vielfalt, Toleranz und Menschenwürde in Bild und Ton setzen: Dafür zeichnet der CIVIS-Medienpreis für Migration, Integration und kulturelle Vielfalt jedes Jahr herausragende Produktionen mit Preisen aus. In diesem Jahr wurde der Preis zum 30. Mal verliehen - auf einer festlichen TV-Gala im Weltsaal des Auswärtigen Amtes in Berlin. Dabei wurden 13 europäische Radio-, Film-, Fernseh- und Onlineprogramme geehrt. Darunter sind Produktionen der Sender ARD, BR, Deutschlandradio, France Televisions, HR, MDR, NDR, RAI 3, SRF, WDR und der Hamburg Media School. 

 "Preis ruft zur Differenzierung und Verständigung auf"

Integrationsministerin Aydan Özoğuz betonte in ihrer Ansprache, dass die Verleihung des CIVIS-Medienpreises heute noch genau so wichtig sei wie zur Zeit seiner Gründung vor 30 Jahren. "Der Preis ruft zur Differenzierung und zur Verständigung auf". Das brauche Deutschland auch im Jahr 2017 dringend, so die Staatsministerin. Wie ein roter Faden zog sich eine Frage durch die Veranstaltung: Wie können und sollen Journalismus und Gesellschaft mit Hass und Hetze im Netz und auf der Straße umgehen? Roger de Weck, Generaldirektor vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRG) stellte fest, dass guter Journalismus mehr denn je ein Anker sein müsse in einer Zeit, in der "Demokratie und Menschenwürde bedrängt" seien – auch gerade wieder in Europa.

CIVIS Preisverleihung 2017 in Berlin (DW/R. Fuchs)

Auch dabei bei der Gala: Integrationsministerin Aydan Özoguz

Einige der 13 Auszeichnungen beeindruckten das Publikum besonders: Der "CIVIS Kinopreis" geht in diesem Jahr als Publikumspreis an das Spielfilmdrama "Vor der Morgenröte". Regisseur Stefan Arndt zeichnet darin die Flucht des jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig vor den Nazis nach. Eine Flucht, die angesichts heutiger Fluchtschicksale traurige Aktualität bekommt.

Der Preisträger des "European Young CIVIS Media Prize" ist Nachwuchstalent Matthias Koßmehl von der Hamburg Media School. Sein humoriger Kurzfilm "Different Bayern" zeigt einen Profifußballer aus Ghana, der statt bei Bayern München bei einem bayrischen Provinzfußallclub landet – was für Integrations-Wirrwarr und Schmunzeln sorgt. 

Preise in den Kategorien Film, Fernsehen, Radio und Online

Den "CIVIS Fernsehpreis im Bereich Magazine" erhielten Ben Bolz und Johannes Edelhoff für den ARD-Beitrag im Politik-Magazin PANORAMA "Alternative für die Politik: Emotionen statt Fakten". Darin zeichnen die Autoren nach, mit welchen Strategien Populisten erfolgreich auf Stimmenfang gehen. Die italienische Film-Produktion "Aus den Augen…" blickt mit verstörend realen Bildern auf die Flüchtlingsschicksale vor der Mittelmeerinsel Lampedusa - und thematisiert auch das Leid der Helfer, die den Bildern des Grauens ausgeliefert sind.

Die französische Produktion "Gib mich nicht auf" von France 2 gewann den Fernsehpreis im Bereich Unterhaltung. Die Zuschauer begleiten die Radikalisierung einer jungen Frau, die in den Dschihad ziehen will – und von der Mutter aufgehalten wird.

CIVIS Preisverleihung 2017 in Berlin (DW/R. Fuchs)

Brücken bauen zwischen Kulturen: Das Thema ist auch im 30 Jahr der CIVIS-Preisverleihung hochaktuell.

Hörfunkjournalistin Anna Osius gewann den CIVIS Radiopreis für ihre Kurzreportage "Leben unter dem IS", in dem sie das Schicksal von Familien im Flüchtlingslager auf ergreifende Weise dokumentiert. Ihre Botschaft ans Publikum: "Wenn man in den Regionen als Reporterin unterwegs ist, dann wird man vor allem eines: demütig", sagte die ARD-Journalistin in ihrer Dankesrede. "Wir sollten nie vergessen, dass es uns Deutschen trotz aller Probleme relativ gut geht“.

Der CIVIS-Medienpreis in der Kategorie Webvideo ging an Autorin Sylvia Griss, die den syrischen Flüchtling und Schauspieler Ramo in Erklärvideos in Szene setzte. Ramo fragt darin "Soll ich zurück nach Syrien?", um den Nutzern dann eindrücklich zu erklären, wie komplex, lebensgefährlich und ausweglos die Lage in Syrien ist. All das komme selbstironisch, humorvoll und informativ daher, urteilte die Jury.  

DW-Autoren nominiert und prämiert

CIVIS Preisverleihung 2017 in Berlin (DW/R. Fuchs)

Das Team der DW (von links): Sime Nedevski, Klaus Dahmann, Rayna Breuer und Michael Karhausen

Ebenfalls preisgekrönt wurde eine Produktion von Autor Tom Mustroph, der regelmäßig für die Deutsche Welle Sportredaktion berichtet. Er erhielt den CIVIS Sonderpreis für "Fußball und Integration" für das  ARD-Radio-Feature "Bis zum letzten Atemzug". Darin berichtet der Autor über die Radikalisierung der Fankulturen im deutschen und italienischen Fußball.

In der Kategorie "Webangebote" war mit "Grenzerfahrung - die Balkanroute" auch ein Projekt aus dem Haus der Deutschen Welle nominiert. In dem Multimedia-Special unternimmt der User eine Reise entlang der geschlossenen Landroute für Flüchtlinge nach Europa. Unter der Führung der DW-Autoren Rayna Breuer, Klaus Dahmann und Sime Nedevski recherchierte eine Gruppe von sieben jungen Journalisten zwei Wochen an der serbisch-ungarischen und an der mazedonisch-griechischen Grenze, um die Gespräche für den User erlebbar zu machen.  

Steinmeier und Tajani übernahmen Schirmherrschaft

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Europäischen Parlaments Antonio Tajani übernahmen die Schirmherrschaft für den diesjährigen CIVIS-Medienwettbewerb. Beworben hatten sich 783 Programme aus 24 EU-Staaten und der Schweiz. Willy Steul, Intendant des Deutschlandradios betonte zum Schluss der Veranstaltung: "Die Begegnung mit dem Anderen und mit dem Fremden kann auch bereichern." Wenn der CIVIS-Medienpreis dieses Bewusstsein auch in Zukunft schärfe, dann bleibe er unverzichtbar.