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Digitales Leben

CIVIS Medienpreis 2016: Spiegel des unruhigen Europas

In Berlin werden am 12. Mai Medienmacher ausgezeichnet, die sich für kulturelle Vielfalt einsetzen. In Zeiten der Flüchtlingskrise ist der Civis-Preis wichtiger denn je. Erste Gewinner stehen bereits fest.

Hunderttausende Menschen aus verschiedensten Ländern suchen in Europa Zuflucht vor Krieg, Terror und Gewalt. In der Folge dieser Entwicklung haben sich nationalistische Tendenzen und rechtspopulistische Parteien gebildet, die eine Abschottung Europas propagieren. Umso wichtiger sind kreative, gut recherchierte und aufklärende Medienbeiträge. Der CIVIS Medienpreis würdigt jährlich Projekte zu interkulturellen Themen: Der 1987 von der ARD und der Freudenberg Stiftung gegründete Preis ist eine Auszeichnung für die mediale Auseinandersetzung mit Migration, Integration und kultureller Vielfalt.

In insgesamt zehn Kategorien aus den Bereichen Fernsehen, Radio, Web und Kino werden Medienmacher aus der gesamten EU sowie der Schweiz ausgezeichnet. In der Kategorie Kino ist beispielsweise die Verfilmung des Buches "Er ist wieder da" (Titelbild) von Timur Vermes nominiert. Seit 2013 werden mit dem "Young CIVIS Media Preis" auch Arbeiten von Nachwuchsmedienmachern ausgezeichnet. Dieses Jahr wird erstmals der Sonderpreis Sport zum Thema "Fußball und Integration" verliehen.

Filmausschnitt 'Die Balkanroute – Auf der Flucht ', Foto: ORF

"Die Balkanroute – Auf der Flucht " des ORFs erzählt von den ersten Flüchtlingen aus Nah-Osteuropa.

In den letzteren beiden Kategorien stehen die diesjährigen Gewinner bereits fest: Die Dokumentation des WDR und der ARD "BVB gegen Rechts – Dortmund und seine ungeliebten Fans" gewann den neuen Sport-Sonderpreis genauso wie das WDR 2 Morgenmagazinfeature "NRW hilft – Burscheider Ballverein kickt mit Flüchtlingen" und die Webaktion "Heimvorteil – Woher stammt die Liga" des Bayrischen Rundfunks über die Herkunft der Bundesligaspieler. Den "Young CIVIS Media Preis" gewann "Inland", ein Kurzfilm von Piet Baumgartner, entstanden an der Zürcher Hochschule für Künste über die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Europa.

Neuer Bewerberrekord beim Civis Medienpreis

2015 dominierten vor allem Themen wie Flucht, Asyl sowie die Auseinandersetzung mit dem Islam und muslimischem Leben. Ausgezeichnet wurden unter anderem Produktionen der BBC, des Bayrischen Rundfunks, des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) und der Filmakademie Baden-Württemberg. Auch dieses Jahr drehen sich viele der 26 nominierten Beiträge um die Flüchtlingssituation in Europa, um Integration und Rassismus. Der Österreichische Rundfunk (ORF) ist zum Beispiel für seine Reportage "Die Balkanroute – Auf der Flucht" in der Kategorie "Fernsehpreis Information" nominiert. Die interaktive Video-Geschichte "Two Billion Miles" erzählt von den enormen Distanzen, die Menschen auf ihrer Flucht überwinden. Das für die Kategorie "Online Medienpreis: Webangebote" nominierte Projekt von Channel 4 News ermöglicht dem Nutzer, selbst die Erfahrungen von Flüchtlingen nachzuvollziehen.

Bild des Webprojekts 'Two Billion Miles' von Flüchtlingen unterwegs, Foto: Channel 4 News

Das interaktive Webprojekt "Two Billion Miles" lässt Nutzer Flüchtlingsrouten als Video-Geschichte nachvollziehen.

Die Anzahl an Bewerbungen aus 21 EU-Ländern und der Schweiz hat mit 900 eingereichten Beiträgen im Jahr 2016 einen neuen Rekord erreicht, ganz zur Freude von CIVIS-Geschäftsführer Michael Radix: "Die Rekordzahl eingereichter Beiträge verdeutlicht das große Interesse der Sender und Produzenten – und die europäische Dimension des CIVIS Medienpreises für Integration."

Martin Schulz: "Unverzichtbarer Beitrag zur Durchsetzung europäischer Werte"

Für die Bedeutung des Preises sprechen auch die zahlreichen namhaften Institutionen, Medienpartner – zu denen auch die Deutsche Welle mit weiteren europäischen Rundfunkanstalten zählt – und Repräsentanten, die den Preis unterstützen. Dieses Jahr sind Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck und Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, Schirmherren des Preises.

Für Schulz leisten die Nominierten und Preisträger einen "unverzichtbaren Beitrag zur Durchsetzung unserer gemeinsamen europäischen Werte wie Solidarität, Toleranz, Offenheit, Vielfalt und Gleichheit", schreibt er in seinem Grußwort. Gleichzeitig weist er auf die aktuelle Relevanz des Preises vor dem Hintergrund der schwierigen Situation in Europa hin, "in der Menschen wieder aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens oder ihrer Religion ausgegrenzt, mit Argwohn betrachtet oder – wie die brennenden Flüchtlingsheime es leider viel zu oft beweisen – sogar wieder angegriffen werden."

Bundespräsident Joachim Gauck, Foto: picture-alliance/dpa/W. Kumm

Neben Martin Schulz ist Bundespräsident Joachim Gauck Schirmherr des CIVIS Medienpreises.

Namhafte Jury

Wer von den Nominierten gewinnt, darüber entscheidet eine Jury bestehend aus internationalen Vertretern der Medienbranche. Zu den deutschen Juroren zählen beispielsweise die Journalisten Pinar Atalay (ARD), Frank Elster (ARD), Anja Reschke (NDR) und der Schauspieler Miroslav Nemec (bekannt durch seine Rolle als Ivo Batić im Münchener Tatort). Die Preisverleihung findet am 12. Mai im Auswärtigen Amt in Berlin statt.

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