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Politik

CIA-Chef in der 9/11-Kommission unter Beschuss

Vor der Kommission zu den Anschlägen vom 11. September 2001 hat nun auch CIA-Chef Tenet Versäumnisse einräumen müssen. Er habe es an Weitblick fehlen lassen.

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Angegriffen: George Tenet

Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, ist am Mittwoch (14.4.) vom Untersuchungsausschuss zum 11. September in massiver Form kritisiert worden. Die unabhängige Kommission warf ihm und der Behörde insgesamt eine ganze Serie schwerer Fehler und Mängel vor und stellte fest, dass ohne dieses Versagen das Komplott vom 11. September hätte aufgedeckt werden können.

Tenet selbst verwahrte sich entschieden gegen die Vorwürfe. Er räumte aber auch einige Fehler ein, die er aber zum Teil auf mangelnde technologische Ausrüstung, fehlende Finanzmittel und zu geringen Personalbestand zurückführte. "Wir haben Fehler gemacht", sagte Tenet unter Eid. Gleichzeitig betonte er jedoch, die US-Geheimdienste hätten die "richtige Strategie" gehabt und die richtigen Maßnahmen getroffen, um sich "für die Zukunft" gegen das Terrornetzwerk El Kaida in Stellung zu bringen.

Warnung vor "massiver Attacke"

Vor der Vernehmung Tenets hatte sich der Ausschuss in einem Zwischenbericht noch einmal der Frage zugewandt, ob und in welchem Umfang Präsident George W. Bush vor dem 11. September von der Möglichkeit eines Terroranschlags auf US-Boden informiert wurde. In einem am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Zwischenbericht des Gremiums hieß es, Bush habe schon im Frühjahr 2001 - also Monate vor dem 11. September geheimdienstliche Warnungen vor einer "massiven" Attacke der El Kaida erhalten. Bereits im April und Mai seien ihm Informationspapiere mit Titeln wie "Bin Laden plant gleich mehrere Operationen" und "Bin Ladens Bedrohung ist real" zugeleitet worden, allerdings ohne spezifische Hinweise auf eine Attacke in den USA.

Tenet, der 1997 unter Ex-Präsident Bill Clinton CIA-Chef wurde und unter George W. Bush im Amt blieb, wurde vom Ausschuss angelastet, er habe über keine effektive Terrorabwehr-Strategie verfügt und es an analytischem Weitblick fehlen lassen. "Klein-Klein"-Management habe wesentlich dazu beigetragen, dass einzelne Hinweise nicht zu einem "größeren" Bild zusammengefügt worden seien. Das betreffe vor allem die Verknüpfung von Berichten über verdächtige Ausländer im Flugtraining mit früheren Erkenntnissen, nach denen Terroristenführer Osama bin Laden schon in den neunziger Jahren Flugzeugentführungen erwog.

Frühzeitige Informationen

Als weiteres Beispiel für das CIA-Versagen wurde angeführt, dass frühzeitige Informationen seitens der deutschen Bundesregierung über einen der späteren Flugzeugentführer vom 11. September unzureichend aufgegriffen wurden.

Bereits am Dienstag hatte der Ausschuss auch dem früheren Direktor des Bundeskriminalamts FBI, Louis Freeh, schwere Versäumnisse angelastet. Vernommen wurde ferner Justizminister John Ashcroft, dem das Gremium vorwarf, er habe vor dem 11. September die Kriminalitätsbekämpfung wichtiger genommen als die Terrorabwehr. Ashcroft widersprach den Vorwürfen und sagte bei seiner Vernehmung vor dem Ausschuss, die USA seien lange blind gegen die Terrorgefahr gewesen. Es habe kaum Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsdiensten gegeben. Schuld daran seien zahlreiche Restriktionen beim Informationsaustausch gewesen, die aus der Amtszeit von Clinton stammten. (sams)

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