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Wirtschaft

Chrysler: Insolvenz und Liaison

Der schwer angeschlagene US-Autobauer Chrysler meldet Insolvenz an und arbeitet zugleich an einer Partnerschaft mit dem italienischen Fiat-Konzern. US-Präsident Obama sieht darin kein Zeichen von Schwäche.

Firmenlogos von Chrysler und Fiat (Montage: DW)

Die Beteiligung von Fiat gehörte zu den Bedingungen für weitere Hilfen der US-Regierung

Bei einem Gericht in New York hat der hochverschuldete US-Autobauer Chrysler einen Insolvenzantrag eingereicht. Außerdem steigt der italienische Autohersteller Fiat bei dem amerikanischen Traditionsunternehmen ein. Dafür soll Chrysler weitere drei Milliarden Dollar an US-Staatshilfen erhalten.

Chrysler werde aus dem Verfahren gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen, sagte US-Präsident Barack Obama bei der Vorstellung der Pläne am Donnerstag (30.04.2009) in Washington. Das Insolvenzverfahren werde schnell und effizient verlaufen, prognostizierte Obama.

Große Chancen auf Erfolg

Präsident Obama, hinter ihm Kabinetsmitglieder (Foto: ap)

Das Verfahren werde schnell verlaufen und den Traditionskonzern stärken, kündigte Präsident Obama an

Zudem glaube er, dass die Allianz von Chrysler mit dem italienischen Autobauer Fiat beste Chancen auf Erfolg böte. Entlassungen und Werksschließungen solle es während des Insolvenzverfahrens nicht geben, so der Präsident weiter.

Garantien für Chrysler-Fahrzeuge seien von der Regierung abgesichert, betonte der Präsident. Der Autofinanzierer GMAC werde Kredite für Käufer geben und als weitere Maßnahmen seien eine Abwrackprämie und ein Programm zum Einkauf von US-Fahrzeugen für Behördenflotten geplant.

Scharfe Kritik an den Gläubigern

Fiat soll nach Angaben eines Regierungssprechers zunächst einen 20-prozentigen Anteil an Chrysler erhalten, der später auf 35 Prozent steigen soll. Das Insolvenzverfahren solle schnell über die Bühne gehen und zwischen 30 und 60 Tagen dauern, so der Beamte.

Obama nahm kein Blatt vor den Mund und griff die Hedgefonds und "eine kleine Gruppe von Investoren" scharf an, die sich geweigert hatten, ihre Ansprüche zurückzuschrauben. Sie hätten eine Lösung ohne Insolvenzverfahren verhindert.

Der Chrysler-Konzern, der Autos der Marke Jeep, Dodge und Chrysler herstellt, steckt infolge der Absatzkrise auf dem Automobilmarkt tief in den roten Zahlen. Bei mehr als 40 Banken und Hedge-Fonds steht er mit rund 6,9 Milliarden Dollar in der Kreide .

Der Betrieb kann weiter laufen

Zwei Arbeiter montieren einen Motor (Foto: ap)

Um die Firma zu retten, nimmt die Belegschaft auch Lohnkürzungen hin

In dem Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts sollen die Verhältnisse nun neu geordnet werden. Das Gesetz zielt darauf ab, Firmen zu sanieren und vor dem Bankrott zu bewahren.

Sie werden zwar einem Gericht unterstellt, dürfen ihren Betrieb aber weiterführen, ohne die Forderungen ihrer Gläubiger bedienen zu müssen. Normalerweise bleibt sogar das Management im Amt.

Für ihre Unterstützung hatte die US-Regierung mehrere Bedingungen gestellt. Dazu gehörten unter anderem der Einstieg von Fiat, eine Vereinbarung mit den Gläubigern zur Entschuldung und eine Senkung der Arbeitskosten.

Hedgefonds stellten sich quer

Die Verhandlungen zwischen dem Finanzministerium und den Gläubigern waren nach Informationen von US-Medien zuletzt an der starren Haltung der Gläubiger gescheitert. Laut "Wall Street Journal" hatte der Staat sein Angebot sogar um eine Viertelmilliarde Dollar auf 2,25 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) aufgestockt.

Im Gegenzug sollten die Gläubiger auf 6,9 Milliarden Dollar Forderungen verzichten. Die großen Gläubiger wollten offenbar auf den Deal eingehen. Vor allem aber die Hedgefonds hätten ihn verhindert.

Belegschaft ist kooperativ

Jeep-Geländefahrzeuge (Foto: ap)

Die so genannten Spritfresser aus dem Hause Chrysler finden keine Kundschaft mehr

Dagegen hatte sich die Belegschaft von Chrysler am Mittwoch zu weit reichenden Lohnkürzungen bereit erklärt, um die Produktionskosten zu drücken. In einer Urabstimmung hatten sich nach Angaben der Autogewerkschaft UAW 80 Prozent der Beschäftigten für die entsprechende Vereinbarung ausgesprochen.

Danach sind unter anderem Kürzungen bei den Zuzahlungen zur Krankenversicherung, ein Verzicht auf die an die Lebenshaltungskosten gebundenen Lohnerhöhungen sowie Einschränkungen beim Streikrecht vorgesehen. Gewerkschaftschef Ron Gettelfinger bezeichnete dies als "schmerzhaft", aber unvermeidlich.

Falsche Modellpalette

Ähnlich wie der ums Überleben kämpfende US-Konkurrent General Motors leidet Chrysler unter hohen Kosten und einer falschen Modellpalette. Beide Unternehmen werden nur noch durch Milliardenkredite des Staates am Leben gehalten.

Am Dienstag hatte der deutsche Autobauer Daimler die endgültige Trennung von seinem früheren Partner Chrysler bekanntgegeben. Die Stuttgarter geben ihre Noch-Beteiligung von 19,9 Prozent auf und verzichten auf die Rückzahlung von an Chrysler vergebene Kredite. Zudem zahlt Daimler insgesamt 600 Millionen Dollar an die Chrysler-Pensionskasse. (uh/wga/ap/rtr/afp/dpa)

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