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Wirtschaft

Chronologie: Der steile Abstieg eines Marktführers

Die insolvente Drogeriekette Schlecker hat seit Monaten gegen das endgültige Aus gekämpft - vergeblich. Die Gläubiger stimmten am Freitag für die Abwicklung des Unternehmens. Eine Chronologie.

Ein Karton mit der Beschriftung Rote Karte für Schlecker steht am Montag (08.03.2010) am Brandenburger Tor in Berlin. Frauen aus dem Einzelhandel und Mitglieder der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) haben gegen die schlechten Arbeitsbedingungen am Frauentag demonstriert. Die prekären Beschäftigungsverhältnisse, besonderes bei der Firma Schlecker, nehmen immer weiter zu, so Verdi. Foto: Alina Novopashina dpa/lbn

Rote Karte für Schlecker

1975: Anton Schlecker eröffnet im schwäbischen Kirchheim/Teck seinen ersten Drogeriemarkt. Zwei Jahre später betreibt er 100 Schlecker-Märkte, nach neun Jahren 1000.

1987: Die Drogeriekette expandiert ins Ausland, zunächst nach Österreich. In den Folgejahren kommen Filialketten in anderen europäischen Ländern hinzu.

1998: Das Stuttgarter Landgericht verurteilt das Ehepaar Schlecker zu einer Haftstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung. Anton und Christa Schlecker betrogen laut Urteil ihre Angestellten, indem sie ihnen nur vorgaukelten, nach Tarif zu zahlen.

2008: Das Schlecker-Imperium umfasst europaweit mehr als 14.000 Filialen. Die Kette, in der Firmengründer Anton Schlecker als eingetragener Kaufmann das alleinige Sagen hat, beginnt Verluste zu schreiben.

2010: Der Umgang mit der Belegschaft bringt Schlecker in die Kritik: Es geht um unrechtmäßig installierte Kameras und den Austausch eigener Mitarbeiter durch schlecht bezahlte Leiharbeiter.

November 2010: Lars und Meike Schlecker rücken in die Führungsetage auf. Sie sollen sich um den Außenauftritt des Konzerns kümmern.

Januar 2011: Weil Kunden und Erträge ausbleiben, modernisiert Schlecker seine Filialen. Eine Marketingkampagne soll das Image verbessern.

Dezember 2011: Schlecker schließt 600 von 8000 Läden in Deutschland. Lars Schlecker kündigt für 2012 weitere Schließungen an. Gerüchte um Zahlungsprobleme weist er zurück - 2012 werde Schlecker "den Turnaround schaffen". Was die Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Allein 2011 macht Schlecker mehr als 200 Millionen Euro Verlust.

20. Januar 2012: Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

23. Januar 2012: Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

26. Januar 2012: Die Unternehmenstochter IhrPlatz stellt einen Insolvenzantrag.

29. Februar 2012: Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

5. März 2012: Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

11. März 2012: Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

29. März 2012: Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

23. Mai 2012: Die Zahl der Interessenten schrumpft: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

24. Mai 2012: Es wird bekannt, dass Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich für Schlecker interessiert.

25. Mai 2012: Der vorläufige Gläubigerausschuss gibt Investoren eine letzte Frist bis 1. Juni, ein tragfähiges Konzept zu unterbreiten.

1. Juni 2012: Der Gläubigerausschuss beschließt die Zerschlagung von Schlecker. Berggruen zieht in der Nacht zum Freitag sein Angebot zurück. Für eine Fortführung sieht das Gremium keine Perspektive. Bis Ende Juni sollen 13.200 Beschäftigte die Kündigung bekommen.