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Kultur

Chronisten des Übergangs

Pakistan sucht sich selbst - zwischen politischer Entfremdung, Verlust von Tradition und dem beginnenden Zusammenbruch des Familiensystems. Die Schriftsteller verarbeiten den Übergang - Frauen sind ganz vorn dabei.

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Die Literaturszene lebt - aber bald nur noch auf Englisch?

Von der lebendigen Literaturszene in Pakistan dringt nur wenig in den Westen vor. Schuld daran ist nicht nur die globale Marktsprache Englisch: Denn bereits zwischen den fünf Regionalsprachen des Landes - Urdu (die Amts- und Landessprache), Sindhi, Pashto, Panjabi und Belochi - herrschen noch immer Barrieren, wie Asif Farrukhi, Autor und Übersetzer in Karatschi, mit Bedauern erklärt: "Die pakistanische Literatur befindet sich wie in einzelnen Boxen, weil es kein Übersetzungswesen gibt. Zudem hat jede der Regionalsprachen eine eigene literarische Tradition."

Kritik in Versen

Asif Farrukhi

Asif Farrukhi hat sein eigenes Literaturmagazin gegründet

Gemeinsam ist allen fünf Literatursprachen, dass sie die Lyrik lieben. Auch der schreibende Nachwuchs pflegt die Lyrik - gilt sie doch, neben der Kurzgeschichte, als Königsgattung der pakistanischen Literatur. Die Themen dagegen sind zeitgemäß - und kritisch: die Entfremdung des Individuums von "Vater Staat", der Verlust von Tradition, der beginnende Zusammenbruch des Familiensystems.


Gerade Autorinnen haben den Markt erobert. Fahmida Riaz zum Beispiel, Jahrgang 1946, veröffentlichte schon 1967 ihren ersten Gedichtband - und beschrieb explizit den weiblichen Körper und die weibliche Sexualität in eindeutigen Worten. Bewusst verstieß sie damit gegen die männlich festgelegte Vorstellung, was sich für eine Frau und Autorin (nicht) ziemt.

Fahmida Riaz

Fahmida Riaz schrieb zu freizügig und musste ins Exil. Heute hat sie einen eigenen Verlag für Frauenliteratur

Für solche Freiheit hat sie bitter bezahlt: Sieben Jahre lebte sie im indischen Exil. 1989 erst kehrte sie nach Pakistan zurück und gründete 1997 unter dem Dach einer Nichtregierungsorganisation namens WADA ("Women And Development Association") Pakistans ersten Frauenliteratur-Verlag.

Feminismus und Geschichte


Doch sei der Begriff des Feministischen, so warnt die Prosa-Autorin und Journalistin Zaheda Hina, auf dem Subkontinent nicht nach westlichen Maßstäben zu bemessen - weil dort die Frauen schlicht mit dem Überleben beschäftigt seien. Die jüngere Autorinnengeneration interessiert dieser Kampf dagegen schon nicht mehr. Sie fürchtet eher eine "Ghettoisierung".

Einen anderen Generationenbruch beobachtet Kamila Shamsie, die mit dem Roman "Kartographie" auch im Westen bekannt geworden ist. Die 1973 in Karatschi geborene Autorin verweist darauf, dass die nunmehr 30-Jährigen - anders als ihre Eltern - eher auf die blinden Flecken der jüngsten Zeit schauen: etwa die Abspaltung des heutigen Bangladesch im Jahre 1971 und die dortigen Vergehen der pakistanischen Armee, wie sie beispielsweise Sorayya Khan in ihrem Roman "Noor" beschreibt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die zwiespältigen Erfahrungen der Pakistaner mit englischsprachiger Literatur und mit der Meinungsfreiheit im Land.



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