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Amerika

Chronik von Rassenunruhen in den USA

Empörung über Rassismus hat in den USA immer wieder Ausschreitungen ausgelöst. Ein Überblick über die schwersten Rassenunruhen der vergangenen 50 Jahre.

Demonstranten 2001 in Cincinnati (Foto: dpa)

Demonstranten halten 2001 in Cincinnati Plakate hoch

Watts, 1965

Auslöser der Ausschreitungen von Watts, einem Bezirk von Los Angeles, ist eine schlichte Verkehrskontrolle am 11. August 1965: Es kommt zum Streit zwischen weißen Polizeibeamten und Familienmitgliedern des schwarzen Autofahrers. Im Verlauf bildet sich eine Menschenmenge, die auch nach der Verhaftung des 21-Jährigen und seiner Angehörigen weiter wächst - und schließlich auch die Polizisten angreift. Die Ausschreitungen, an denen rund 30.000 Menschen teilnehmen, dauern fast eine Woche an. Sie fordern 34 Tote, mehr als tausend Verletzte und verursachen einen Schaden von mehr als 40 Millionen US-Dollar.

Einsatz 1967 während der Unruhen in Newark (Foto: Everett Collection)

Einsatz 1967 während der Unruhen in Newark (Foto: Everett Collection)

Newark, 1967

Der Aufruhr von Newark, New Jersey, beginnt am 12. Juli 1967 ebenfalls mit dem Streit zwischen einem schwarzen Fahrer und weißen Polizisten. Die beiden Beamten schlagen den Taxifahrer nieder. Nachdem er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, machen Gerüchte die Runde, er sei seinen Verletzungen erlegen. Die Falschmeldung löst fünftägige Straßenkämpfe aus, in deren Folge auch die Nationalgarde eingesetzt wird. Es sterben 26 Menschen, hunderte werden verletzt.

Detroit, 1967

Die bis dahin schwersten Rassenunruhen brechen am 23. Juli 1967 in Detroit aus. Anlass ist die Razzia in einer illegalen Bar, in der gerade die Willkommensfeier für zwei schwarze Vietnam-Heimkehrer stattfindet. Die Polizisten wollen alle 80 Gäste festnehmen, es kommt zu Ausschreitungen. Nach fünf Tagen sind 43 Tote und über 1000 Verletzte zu beklagen, Polizei und Nationalgarde verhaften mehr als 7000 Menschen.

Trauerzug für Martin Luther King am 8. April 1968 (Foto: AP)

Trauerzug für Martin Luther King am 8. April 1968

Ermordung von Martin Luther King, 1968

Nach der Ermordung des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King am 4. April 1968 in Memphis/Tennessee kommt es in mehr als hundert Städten der USA zu Gewaltausbrüchen, bei denen 36 Menschen sterben und über 2000 verletzt werden. Vor allem Chicago, Baltimore und die Hauptstadt Washington sind betroffen. In Washington beginnen die Ausschreitung bereits wenige Stunden nach dem Attentat. Das Weiße Haus lässt mehr als 10.000 Soldaten einsetzen, um die Stadt wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Unruhen dauern sechs Tage, in denen 1200 Gebäude zerstört werden. Auch in Chicago und Baltimore werden Truppen eingesetzt.

Liberty City, 1980

Die größten Rassenunruhen nach dem Ende der sechziger Jahre ereignen sich 1980 in Miami, Florida. Ein Gericht spricht am 8. Mai vier weiße Polizeibeamte von dem Vorwurf frei, im Jahr zuvor einen schwarzen Motorradfahrer zu Tode geprügelt zu haben, nachdem dieser eine rote Ampel überfahren hatte. In dem überwiegend schwarzen Viertel Liberty City formiert sich daraufhin eine Demonstration, die schon bald in Gewalt eskaliert. Erst nach drei Tagen können die Ausschreitungen mithilfe der Nationalgarde und einer Ausgangssperre beendet werden. Am Ende steht die Bilanz von 18 Toten, 400 Verletzten und einem Schaden von 100 Millionen US-Dollar.

Verhaftungen während der Unruhen in Los Angeles 1992 (Foto: dpa)

Verhaftungen während der Unruhen in Los Angeles 1992

Los Angeles, 1992

Das Video lief immer wieder im Fernsehen: Polizisten stehen um den am Boden liegenden Afroamerikaner Rodney King herum und schlagen mehr als 50 Mal mit Knüppeln auf ihn ein. Die Beamten hatten nicht bemerkt, dass sie ein Zeuge von seinem Balkon aus mit einer Videokamera aufgenommen hatte und wurden in der Folge angeklagt.

In dem Strafverfahren hatte eine überwiegend weiße Jury zu entscheiden – und sprach die Beamten am 29. April 1992 frei. Das Urteil löste die schwersten Rassenunruhen des 20. Jahrhunderts aus: Über 50 Menschen starben und mehr als 2000 wurden verletzt. Die Schäden werden auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt.

Cincinnati, 2001

Mehr als 800 Verhaftungen, aber keine Todesfälle: Die schwersten Unruhen seit 1992 liefen vergleichsweise glimpflich ab. Immer wieder wurden in Cincinnati junge schwarze Männer von der Polizei getötet, der 19-jährige Timothy Thomas ist das 15. Opfer seit 1995, als er am 7. April von einem weißen Beamten erschossen wird. Es formieren sich Menschenmengen, die Polizisten angreifen, es kommt zu Plünderungen von Geschäften. Nach einer viertägigen nächtlichen Ausgangssperre beruhigt sich die Lage wieder. Der Mörder von Timothy Thomas wird später freigesprochen.

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