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Politik & Gesellschaft

Chronik: deutsche zivile Opfer in Afghanistan

Seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 werden in Afghanistan Ausländer, darunter auch Deutsche, entführt oder getötet. Die Taliban und andere kriminelle Banden wollen so Lösegeld oder politische Forderungen erpressen.

Vermummte Taliban-Kämpfer in Herat (Foto: Hoshang Hashemi, DW)

Margrit Stebner (r.) und Katrin Jelinek von Shelter Now nach ihrer Befreiung aus der Gewalt der Taliban (Foto: AP)

Margrit Stebner (r.) und Katrin Jelinek

August 2001: Kurz vor ihrem Sturz nehmen die Taliban 24 Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation "Shelter Now International" fest. Vier der acht ausländischen Mitarbeiter der Organsiation sind deutsche Staatsangehörige, darunter die beiden Frauen Margrit Stebner und Kartrin Jelinek. Am 14. November 2001 werden die Geiseln befreit und nach Pakistan gebracht..

12. November 2001: Der 40 jährige "Stern" Reporter Volker Handloik wird in Dasht e-Qaleh, Provinz Takhar, im Nordosten Afghanistans tot aufgefunden. Zusammen mit einigen anderen Reportern war er in einen Hinterhalt der damals bereits vom Sturz bedrohten Taliban-Machthaber geraten.

08.10.2006: Die deutsche Journalistin Karen Fischer (30) und der Techniker Christian Struwe (38) werden ermordet. Die beiden freien Mitarbeiter der Deutschen Welle waren in der nordafghanischen Provinz Baghlan unterwegs.

Karen Fischer war freie Mitarbeiterin der Deutschen Welle (Foto: DW)

Karen Fischer

Sie befanden sich auf einer privaten Recherche - Reise zu den historischen Stätten in Bamiyan und hatten noch kurz vor ihrer Ermordung in Live-Schaltungen für Deutsche Welle Radio berichtet. Sie waren die ersten ausländischen Journalisten, die nach dem offiziellen Ende der Taliban-Herrschaft in Afghanistan ermordet wurden.

Die radikal – islamischen Taliban wiesen allerdings jede Verantwortung für den Mord an den beiden Journalisten von sich. Die afghanische Polizei schloss einen Raubüberfall aus, da die Kameras, weitere technische Ausrüstung und das Auto gefunden werden konnten.

8. März 2007: Bei einem Überfall in der nordafghanischen Provinz Sar -i-Pul wird ein Experte der Deutschen Welthungerhilfe erschossen. Der Deutsche war mit vier afghanischen Mitarbeitern unterwegs, als sie von maskierten Männern angehalten wurden. Die Täter liessen die vier Einheimischen frei.

28. Juni 2007: Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wird ein Deutscher in Afghanistan vermisst. Er war zusammen mit seinem Dolmetscher im Südwesten Afghanistans entführt worden. Nach einer Woche kamen sie wieder frei.

Die örtlichen Behörden teilten mit, dass die Entführer ein Lösegeld gefordert hätten. Die Hintergründe der Tat blieben unklar, es war aber der erste Entfühtungsfall eines Deutschen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Eine Beteiligung an dieser Entführung wiesen die Taliban zurück.

18. Juli 2007: Am 18. Juli 2007 werden zwei deutsche Bauingenieure entführt.

Rudolf Blechschmidt als Geisel in einem Video der Taliban (Foto: AP)

Rudolf Blechschmidt als Taliban-Geisel

Der 62 jährige Rudolf Blechschmidt und sein Kollege Rüdiger Diedrich wurden zusammen mit ihren afghanischen Mitarbeitern von den Taliban verschleppt. Sie hatten in der Provinz Wardak südlich von Kabul an einem Damm – Projekt gearbeitet.

Die Entführer fordern den Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan. Rüdiger Diedrich wird wenige Tage darauf nach einem Schwächeanfall von den Taliban erschossen. Rudolf Blechschmidt wird nach 85 Tagen Geiselhaft zusammen mit seinen afghanischen Kollegen freigelassen. Als Gegenleistung kommen einige Gefolgleute der Taliban aus afghanischen Staatsgefängnissen frei.

Christina Meier blieb bei ihrer Entführung unversehrt (Foto: AP)

Christina Meier

18.08.2007: In Kabul wird eine schwangere deutsche Frau entführt. Das afghanische Innenministerium teilte dazu mit, die Frau sei am helllichten Tag von Bewaffneten aus einem Restaurant im Westen der Hauptstadt Kabul verschleppt worden.

Der private afghanische Fernsehsender Tolo berichtete über das Schicksal der Entwicklungshelferin und gab ihren Namen mit Christina Meier an.

Der Kabuler Polizei gelang es zwei Tage später, die Deutsche aus den Händen ihrer Entführer zu befreien. Die Frau blieb unversehrt.

16. Dezember 2007: Am 16. Dezember 2007 wird der 42-jährige Harald Kleber in der westafghanischen Provinz Herat entführt. Er wurde auf dem Rückweg vom Dorf seiner Schwiegereltern zurück in die Provinzhauptstadt Herat verschleppt.

Harald K. (in weissem Gewand mit Sonnenbrille) vor der Tür der Tischlerwerkstatt (Foto: AP)

Harald K. (in weissem Gewand mit Sonnenbrille)

Zwar wurden einige Verdächtige festgenommen, aber die Hintergründe der Tat wurden bis heute nicht geklärt. Die deutschen Ermittler befürchten inzwischen, dass Harald Kleber die Strapazen der Geiselnahme nicht überstanden haben könnte.

Angeblich haben die deutschen Ermittler in Kooperation mit dem afghanischen Geheimdienst den mutmaßlichen Fundort der Leiche in einem Wasserbohrloch ausfindig gemacht. Die Bundeswehr hat die Stelle mit "Tornado"- Flugzeugen überflogen und fotografiert. Die Bilder können jedoch nicht erklären, ob Klebers Leiche wirklich dort versteckt ist. Die deutschen Behörden können daher den Tod Klebers nicht offiziell bestätigen.

Kleber stammte aus Amberg in der Oberpfalz. Er war 2003 nach Afghanistan ausgereist, dort zum Islam konvertiert und hatte eine Afghanin geheiratet. In Deutschland wurde er wegen des Vorwurfs der Unterschlagung per Haftbefehl gesucht.

Juli 2008: Anfang Juli 2008 wird ein deutsch-afghanischer Geschäftsmann in der afghanischen Hauptstadt Kabul verschleppt. Am 07.08.2008 wird er aus einem Haus in der Provinz Parwan befreit. Die Tat hatte vermutlich einen kriminellen Hintergrund.

06.08.10: Taliban übernehmen die Verantwortung für den Mordanschlag gegen ausländische Ärzte und Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation "International Assistance Mission".

Daniela B. aus Chemnitz (Foto: dapd)

Daniela B. aus Chemnitz war Dolmetscherin

Darunter befindet sich eine deutsche Staatsangehörige, bestätigt eine Sprecherin der Bundesregierung. Die 35 jährige Daniela B. eine Sprachwissenschaftlerin, war Dolmetscherin des Teams . Die zwölfköpfige Gruppe bestand aus mehreren Augenärzten, einem Zahnarzt und einem Allgemeinmediziner sowie Krankenschwestern und einheimischen Begleitern. Sie waren im Norden Afghanistans unterwegs.

Ein Taliban-Sprecher bezeichnete die Ärzte als "neun christliche Missionare", die Bibeln mit sich geführt hätten. Der Polizeichef der Provinz Badachschan sagte, man habe insgesamt zehn Todesopfer in einem Wald gefunden.

23. August 2011: Zwei in Afghanistan lebenden Deutsche werden als vermisst gemeldet. Sie waren von einer Wanderung im Hindukusch-Gebirge nördlich von Kabul nicht zurückgekehrt.

Berge in der Provinz Parwan (Foto: Pajhwok Afghan News PAN - exklusiv für DW)

Berge in der Provinz Parwan

Nach Informationen der dpa arbeitete einer der Männer, ein 59-Jähriger aus Baden-Württemberg, für die staatliche Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kabul. Der zweite Mann, ein 69-Jähriger aus Sachsen, gehörte demnach einem christlichen Hilfswerk an, das in der afghanischen Hauptstadt arbeitete.

Am Montag, 05. September teilte der Gouverneur der Provinz Parwan, Abdul Bashir Salangi, mit, dass die Leichen im Gebirge 30 bis 40 Kilometer vom nächsten Dorf entfernt gefunden worden. Salangi verdächtigte Nomaden, einen Raubmord begangen zu haben. Salangis Sprecherin Roshana Chalid sagte, bisher habe sich niemand zur Ermordung oder Entführung der beiden Deutschen bekannt.

Autorin: Mehrnoosh Entezari
Redaktion: Hartmut Lüning