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Nahost

Chronik des Irak-Feldzugs

Vor einem Jahr, in der Nacht vom 19. zum 20. März 2003, begann mit einem Bombenangriff auf Bagdad der Irak-Krieg. Doch die Ereignisse kündigten sich bereits Monate vorher an.

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Der Irak ist auch nach Kriegsende noch immer nicht unter Kontrolle

Am Donnerstag, 20. März 2003, zerreißt um vier Uhr morgens irakischer Zeit eine Detonation die nächtliche Stille - der amerikanische Angriff auf den Irak hat begonnen. "Mitbürger, in diesen Stunden beginnen amerikanische Truppen mit einer Operation, die den Irak entwaffnen, seine Menschen befreien und die Welt von einer großen Gefahr beschützen soll." Noch während US-Präsident Bush diese Worte via Fernsehen in die amerikanischen Wohnzimmer bringt, hofft er auf einen schnellen Sieg. US-Geheimdienste haben angeblich zuverlässige Quellen angezapft, die den genauen Aufenthaltsort des irakischen Diktators Saddam Hussein angeben. Der Krieg soll kurz sein, die eigenen Verluste gering.

Drohungen gegen die "Achse des Bösen"

Schon Monate vorher wird deutlich, dass die US-Regierung den dringenden Wunsch hat, das Regime des Saddam Hussein aus dem Irak zu jagen: "Staaten wie diese und ihre terroristischen Verbündeten bilden eine Achse des Bösen, die bereit ist, den Weltfrieden zu bedrohen." Den Ländern dieser "Achse des Bösen" - dem Irak, Iran und Nordkorea - werfen die USA vor, Massenvernichtungswaffen zu bauen und auch anwenden zu wollen. Besonders der Irak sei gefährlich.

Anfang 2003 lässt sich Präsident Bush vom amerikanischen Kongress grünes Licht für einen Krieg gegen den Irak geben - auch ohne Mandat der Vereinten Nationen. Die Drohung den Irak anzugreifen entzweit die Weltgemeinschaft. Einige der traditionellen Verbündeten der USA wollen nicht mitziehen, verlangen Beweise für die Vorwürfe. Es entspinnt sich ein machtpolitisches Tauziehen, das vor allem im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ausgetragen wird. Inspekteure werden in den Irak geschickt, doch sie kommen nicht zu den selben Schlüssen wie die US-Geheimdienste.

Krieg nach Plan

Während Hans Blix und seine Inspektoren mehr Zeit verlangen und Länder wie Frankreich, Deutschland oder Russland sich immer offener gegen einen Krieg aussprechen, wird die US-Regierung ungeduldig. Am 17. März stellen die USA der irakischen Führung unter Saddam Hussein ein Ultimatum, das Land binnen zweier Tage zu verlassen, das Ultimatum verstreicht, 90 Minuten später erteilt US-Präsident Bush den Befehl zum Angriff.

Der Krieg verläuft zunächst nach Plan: Nach drei Tagen stehen amerikanische Soldaten 150 Kilometer vor der Hauptstadt Bagdad, britische Verbände haben die Hafenstadt Basra umzingelt. Doch Sandstürme bringen den Vormarsch zum stoppen. Und die irakische Armee ist zwar chancenlos, aber noch lange nicht demoralisiert.

Selbstmordanschläge lassen die Nervosität bei den alliierten Soldaten ansteigen, dann machen die Iraker ihre ersten Gefangenen. Eine Versorgungseinheit der dritten Division kommt vom Weg ab. Zwölf Soldaten geraten in Kriegsgefangenschaft. Sie werden im irakischen Fernsehen vorgeführt, die Bilder erreichen schnell die USA. Angst vor einem langwierigem und blutigem Krieg geht um.

Kontrolle der Nachrichten

Dabei hatten die USA versucht die mediale Kontrolle zu behalten. Der "embedded Journalist" - der "eingebettete Journalist" - wurde erfunden. Handverlesene Medienvertreter begleiten die amerikanischen und britischen Truppen, erleben den Krieg aus der Perspektive des durchs Land brausenden Panzers. Von der eigenen Soldatenerfahrung berauschte Reporter berichten begeistert von den militärischen Fortschritten. Die meisten ausländischen Journalisten verfolgen aber den Krieg vom US-Hauptquartier Doha in Katar aus und müssen sich auf amerikanische Militärangaben verlassen.

In Bagdad selbst sind nur wenige Journalisten geblieben. Sie bekommen Groteskes vorgeführt: Das Regime gibt sich trotz verheerender Niederlagen kämpferisch, Informationsminister Mohammed al Sahaf präsentiert sich täglich in blitzender Uniform und mit neuen Todesdrohungen gegen die Feinde des Irak.

Ungewisse Zukunft

Am 9. April marschieren amerikanische Soldaten in Bagdad ein. Fernsehbilder vom stürzenden Saddam-Denkmal gehen um die Welt. Die irakische Regierung flieht und versteckt sich. Es wird noch Monate dauern, bis der Diktator Saddam Hussein gefasst werden kann. Der eigentliche Kriegsgrund, die irakischen Massenvernichtungswaffen wurden bis heute nicht gefunden und die wenigsten gehen davon aus, dass das noch einmal geschieht.

Der Irak ist weit davon entfernt, ein friedliches Land zu sein. Im Gegenteil - die fremden Soldaten werden als Besatzer wahrgenommen, was sie faktisch auch sind. Beinahe täglich werden sie angegriffen. Der Terror hat inzwischen weit mehr Soldaten das Leben gekostet als die Kampfhandlungen selbst. Das Ergebnis des Feldzugs ist ein Irak, von dem keiner weiß, wie er morgen aussehen wird.