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Deutschland

Chronik des Aufstands gegen den Autokraten

Nach Tunesien und Ägypten steht mit Libyen der dritte Staat Nordafrikas vor dem Umbruch. Das Gaddafi-Regime steht vor dem Ende. Eine Chronik der Ereignisse.

Portait einer jungen Libyerin bei den Siegesfeiern in Bengasi am 22. August 2011- (Foto: dapd)

Jubel nach langem Kampf: Junge Libyerin in Bengasi

15. Februar 2011: Der Aufstand gegen seine Herrschaft beginnt nach den Erhebungen in anderen arabischen Staaten. Aus Tunesien und Ägypten schwappt die Protestwelle nach Libyen. In Bengasi stoßen an diesem Tag Demonstranten auf der einen und Anhänger Gaddafis und Polizeieinheiten auf der anderen Seite in einer blutigen Auseinandersetzung aufeinander. Zehn Tage später sollen in Bengasi keine Regierungstruppen mehr sein.

25. Februar 2011: Die USA schalten sich in den Konflikt ein und verhängen Sanktionen, um Gaddafi zum Einlenken zu bewegen. Drei Tage später schließt sich die EU an und beschließt zum 11. März die Konten der libyschen Führung in Europa einzufrieren.

Schwere Detonation nach einem Luftangriff auf Tajoura, 30 Kilometer östlich von Tripolis am 29. März 2011 durch die internationale Koalition. (Foto:Xinhua)

Schwerer Luftangriff der internationalen Koalition in Tajoura, 30 Kilometer östlich von Tripolis am 29. März 2011.

5. März 2011: Nachdem die Gaddafi–Truppen Luftangriffe gegen die eigene Bevölkerung fliegen, bittet der oppositionelle libysche Nationalrat beim UN-Weltsicherheitsrat um die Einrichtung einer Flugverbotszone. Dem schließt sich am 12. März 2011 auch die Arabische Liga an. Am 17. März 2011 billigt der UN-Sicherheitsrat angesichts der drohenden Einnahme von Bengasi durch Gaddafi-Truppen eine derartige Flugverbotszone. Deutschland enthält sich der Stimme. die Bundesregierung erntet dafür massive Kritik von der Opposition. Einen Tag später beginnt eine internationale Koalition von Frankreich, Großbritannien und den USA mit Luftangriffen.

Anfang April 2011: Die Situation in Libyen ist unklar. Immer wieder werden Kämpfe um die Städte Misrata, Sirte und Ras Lanuf gemeldet. Scheinbar wechselt die Kontrolle über diese Städte täglich. Angesichts der massiven Luftschläge durch die internationale Koalition verschlechtert sich die Lage für Mohammar al Gaddafi immer mehr.

13. April 2011: Sämtliche in der sogenannten "Libyen-Kontaktgruppe" vertretenen Staaten, die auch am Militäreinsatz beteiligt sind, fordern den Rücktritt des Diktators. Eine Woche später entsenden Frankreich und Italien Militärberater zu den Rebellen, die schon längere Zeit von englischen Militärs unterstützt werden.

1. Mai 2011: Bei einem Luftangriff werden Gaddafis jüngster Sohn Saif el Arab sowie drei seiner Enkel getötet. Wüste Racheankündigungen sind die Folge.

Luftbild von Jubelfeiern in Bangasi nachdem die Meldung von der Verhaftung von zwei Söhne Ghadaffis bekannt geworden ist. (Foto:dapd)

Ein Land im Ausnahmezustand: Nach den Meldungen über die Verhaftung von zwei Ghadaffi-Söhnen und dem erfolgreichen Verlauf der Kämpfe in Tripolis feiern Tausende in der Innenstadt von Bengasi.

11. Mai 2011: Nach zweimonatiger Belagerung fällt die Hafenstadt Misrata in die Hände der Aufständischen. Zwei Wochen später schließt sich auch Russland den Forderungen der "Libyen-Kontaktgruppe" an, Gaddafi solle zurücktreten.

Juni 2011: Die NATO intensiviert die Tagesangriffe auf Tripolis, die Bundesregierung erkennt den Nationalen Übergangsrat als einzige legitime Vertretung des libyschen Volkes an.

27. Juni 2011: Der Internationale Strafgerichtshof im niederländischen Den Haag erlässt Haftbefehle gegen Gaddafi, seinen Sohn Saif-el-Islam und gegen den Geheimdienstchef Libyens. Zwei Tage später wird bekannt, dass Frankreich Waffen für die Rebellen im Westen des Landes abgeworfen hat.

Juli und August 2011: Die schweren Kämpfe um eine Reihe von Städten halten an. Gleichzeitig fliegt die NATO weiter Luftangriffe auf Ziele der Gaddafi - Truppen.

17. August 2011: Die Übergangsregierung stellt einen Zeitplan vor, nach dem die Macht nach dem Sturz Gaddafis an eine demokratisch legitimierte Regierung übergeben werden soll.

20. August 2011: Nach heftigen Kämpfen melden die Rebellen die Einnahme des wichtigen Ölhafens Brega im Osten des Landes. Zugleich beginnt der Kampf um Tripolis. Den Tag über werden heftige Kämpfe mit vielen Toten gemeldet.

Gruppenfoto der Außenminister der Libyen-Kontaktgruppe, bei ihrem zweiten Treffen in Rom. (Foto:AP)

Am 5. Mai 2011 kommen die Außenminister der "Libyen-Kontaktgruppe" in Rom zusammen.

22. August 2011: Freudenfeiern auf dem "grünen Platz", dem Hauptplatz in Tripolis, Rebellen feiern den Sieg über Gaddafi. Zwei seiner Söhne sollen festgenommen worden sein, ein dritter habe "sich in sein Haus zurückgezogen". Vom Diktator fehlt jede Spur, Südafrika dementiert, Gaddafi ein Exil bieten zu wollen. In die Jubelmeldungen kommen aber immer wieder Nachrichten von anhaltenden Kämpfen in der libyschen Hauptstadt.

23. August 2011: Die Rebellen erobern Gaddafis Palast Bab al-Asisija in Tripolis. Der Aufenthaltsort des Machthabers bleibt auch nach dem Sturm seiner Residenz unbekannt. Gaddafis Sohn Saif al-Islam, dessen Gefangennahme die Rebellen am Vortag verkündet hatten, erscheint vor dem Hotel Rixos, in dem überwiegend ausländische Journalisten übernachten und behauptet, die Stadt sei weiterhin in Regierungshand.

24. August 2011: Die Kämpfe in Libyens Hauptstadt halten an. Die Rebellen sind auf der Jagd nach Gaddafi, es wird ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. In einer Audiobotschaft verhöhnt dieser die libyschen Aufständischen, er gehe unerkannt spazieren. Er ruft die Bevölkerung zum Widerstand gegen die Rebellen auf und verkündet, er werde siegen oder als Märtyrer sterben. Mittlerweile werden ausländische Journalisten, die seit dem 21. August im Hotel Rixos festgehalten wurden, wieder frei gelassen.

Autor: Matthias von Hellfeld / Milena Furman

Redaktion: Michael Wehling / Julia Elvers-Guyot

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