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Kultur

Chronik der Doping-Geständnisse: "Wahrscheinlich tun es alle"

Am Samstag (7.7.) beginnt die Tour de France. Doping-Fälle oder Verdachtsfälle begleiteten sie schon immer, doch noch nie gab es so viele Geständnisse wie in diesem Jahr. Die Meldungen der letzten Wochen zusammengefasst.

Eine Frau hält ein kleines Reagenzglas mit einer Urinprobe zwischen ihren Fingern hoch , Quelle: AP

Wie viele Radrennprofis haben wohl (keinen) Dreck am Stecken?

Die Mauer des Schweigens bröckelt, und fast scheint es, als wolle jeder unter den ersten Steinen sein, die fallen. Rolf Aldag jedenfalls machte keinen Hehl daraus, dass er gerne als erster deutscher Radprofi ausgepackt hätte: "Das ist natürlich nicht super für die eigene Eitelkeit, wenn man die Gedanken zum ersten Mal hat, und dann kommen andere Kollegen früher da heraus. Dann sieht es natürlich logischerweise ein bisschen aus, jetzt war es notwendig."

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der frühere Masseur des Teams Telekom, Jeff d´Hont. Der Belgier berichtete über systematisches Doping in der Mannschaft, unter Mitwirken der Teamärzte.

Ein Geständnis folgt dem nächsten

Bert Dietz im Dress des Teams Deutsche Telekom, fährt am 26. Juni 1995 bei der Tour des Swiss neben einem nicht identifizierten Konkurrenten, Quelle: AP

Bert Dietz, rechts, eröffnete den Geständnisreigen am 21. Mai in der ARD-Sendung "Beckmann"

Bert Dietz, Ex-Telekom-Profi, eröffnete dann am 21. Mai den Geständnisreigen der Fahrer - öffentlichkeitswirksam in der Fernsehshow "Beckmann": "Eigentlich bei mir das erste Mal 1995, als ich mehr oder weniger praktisch über die Freiburger Ärzte die Sache angeboten bekommen hatte."

Der Sprint war eröffnet: Jetzt rollten fast im Tagesrhythmus die Ex-Telekom-Profis über die Geständnis-Linie: Am 22. Mai Christian Henn, am 23. Mai Udo Bölts sowie die beiden Freiburger Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid, am 24. Mai Erik Zabel und Rolf Aldag: "Ich entschuldige mich noch mal für die Lügereien. Ich entschuldige mich natürlich auch für ein Doping, was ganz klar falsch ist, was einfach stattgefunden hat mit der Annahme, sie können es uns nie beweisen. Und wahrscheinlich machen es alle", so Aldag.

Zabel radelt munter weiter

Erik Zabel und Rolf Aldag betreten die Bühne der Pressekonferenz, Quelle: AP

Team-Telekom-Radprofis Erik Zabel und Rolf Aldag vor ihrer Doping-Beichte am 24. Mai 2007

Auch Erik Zabel beichtete eine EPO-Sünde aus dem Jahr 1996 - nach eigenem Bekunden, um seinem Sohn noch in die Augen blicken zu können: "Mein Sohn fährt selber Rad. Es ist einfach so, wenn ich von ihm erwarte, dass er ein guter Mensch wird und dass er ehrlich und geradeaus ist im Leben und dass er fair seinen Sport betreibt, dann kann ich ihn halt nicht weiter anlügen", sagte der Sportler unter Tränen. Zabels emotionaler Auftritt kam an. Wenige Tage später bei der Bayern-Rundfahrt bejubelten ihn die Fans.

Am 25. Mai, einen Tag nach Aldag und Zabel, gestanden auch die dänischen Ex-Telekom-Profis Brian Holm und Bjarne Riis: "Ja, ich habe gedopt, ich habe Epo genommen", sagte Riis. Und der Tour de France-Sieger von 1996 fügte dreist hinzu: "Mein gelbes Trikot liegt zu Hause im Pappkarton. Wenn ihr es holen wollt, bitteschön." Am Donnerstag warf der Leiter des CSC-Teams dann doch das Handtuch: Riis wird die Tour nicht begleiten. Ebenso wenig wie Gianluigi Stanga vom Team Milram, der dazu allerdings erst vom Sponsor gedrängt werden musste.

Alles verjährt?

Konsequenzen hatten die späten Geständnisse der bereits verjährten Vergehen nicht: Dietz hat sich ohnehin aus der Profiszene zurückgezogen, Zabel fährt weiter Rennen, Aldag bleibt Sportchef beim T-Mobile-Team, Henn gehört immer noch zum Betreuerstab des Teams Gerolsteiner, und Riis steht weiter an der Spitze der dänischen Profimannschaft CSC.

Lediglich der frühere Rennleiter des Team Telekom, Walter Godefroot, verlor seinen Beraterposten beim Team Astana, nachdem Jörg Jaksche im "Spiegel" eine detaillierte Schilderung der Szene abgegeben hat - ohne freilich grundlegend zur Aufklärung beizutragen, da er keine neuen Namen ins Spiel brachte und Beweise schuldig blieb.

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