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Nobelpreisträger in Lindau

Christopher Hendon löst die Probleme anderer Forscher

Die Probleme anderer zu lösen, treibt Christopher Hendon aus Australien an. Für sich selbst, will er nur eine gute Frage finden – gar nicht mal die Antwort darauf.

03.07.2013 DW Nobelpreisträgertreffen 2013, Projekt Zukunft, Lindau, 63rd Nobel Laureate Meeting Christopher Hendon

03.07.2013 DW Nobelpreisträgertreffen 2013, Projekt Zukunft, Lindau, 63rd Nobel Laureate Meeting Christopher Hendon

Neugierig sind sie alle Teilnehmer des Nobelpreisträgertreffens - wir erzählen die Geschichten von jungen Forschern, die ihre Motivation aus ungewöhnlichen Dingen beziehen.

Wie würdest Du Deiner Oma oder Deiner kleinen Schwester Deine Forschungsarbeit erklären?

Ich bin eine Mischung aus Informatiker und Chemiker und verbringe die meiste Zeit damit, Computermodelle für andere Leute zu entwickeln. Ich promoviere über Halbleiter, die in Computern oder bei der Herstellung von Lampen benutzt werden. Aber es beschränkt sich nicht darauf, eigentlich können wir alles modellieren.

In Deiner Forschungsmotivation hast Du geschrieben, dass Du Dich ursprünglich für Chemie interessiert hast, weil Du fasziniert warst vom Geruch des Parfüms Deiner Mutter. Was ist der eine Geruch, den Du immer herstellen wolltest?

Ich erzähle Dir erst eine Geschichte. Es gibt einen Deo-Hersteller, der sagt, dass sein Deo anziehend auf Frauen wirkt. Sie liegen nicht falsch, es ist legal, dass sie das behaupten, denn eine der Zutaten darin ist ein Sexuallockstoff, ein Pheromon, das anziehend auf Frauen wirkt – aber sie sagen Dir nicht, auf welche Art von Frauen. Tatsächlich sind es nämlich weibliche Kakerlaken, die davon angezogen werden. Und ich fand das extrem amüsant. Da entstand mein Interesse dafür, Insekten anzuziehen. Ich arbeitete an der Entwicklung von Pheromonen für Wespen, weil sie in Australien Fortpflanzungsprobleme hatten und vielleicht ausgestorben wären. So haben wir ihnen geholfen, sich zu finden und fortzupflanzen

Aber diese Pheromone kann der Mensch nicht riechen. Die Moleküle, für die ich mich am meisten interessiert habe, war der Geruch von Zitronen. Das scheint trivial, weil es Zitronen überall gibt, aber tatsächlich ist es gar nicht so einfach, weil sie so sauer sind. Deswegen kannst Du sie nicht einfach auf Deine Haut reiben oder in ein Parfüm geben. Meistens ist es sehr schwierig, ein Parfüm herzustellen, das tatsächlich nach den Zutaten darin riecht - wie das von meiner Mutter.

Du schreibst auch, dass Du immer das Gefühl hattest, nicht genug zu leisten. Wie bist Du dieses Gefühl losgeworden?

Wenn Du im Labor arbeitest, gibt es so viele Variablen. An einem Regentag ist die Luftfeuchtigkeit höher, und die Experimente können anders ausgehen als an einem sonnigen Tag. Ich habe meine Motivation dafür verloren, als ich Gerüche hergestellt habe, die überhaupt nicht gut gerochen haben – und meistens weiß man nicht, warum das passiert. 95 mal produzierst Du was, das Du gar nicht haben wolltest, und nur in fünf Prozent der Fälle kommt dann zufällig das heraus, was Du wolltest. Du kannst einfach nicht vorhersagen, was passiert – das hat mir das Gefühl gegeben, nicht voranzukommen.

Jetzt als chemischer Informatiker löse ich Probleme anderer Menschen, damit sie sich nicht genauso fühlen müssen wie ich mich damals.

Wenn Du die Probleme anderer Menschen löst – vermisst Du es nicht, an Deinen eigenen zu arbeiten?

Manchmal arbeite ich für mich selbst immer noch an meinen eigenen Themen. Zum Beispiel finde ich es interessant, wie man Unreinheiten aus Wein entfernen könnte. Aber meine Hauptaufgabe ist, anderen zu helfen, und das ist bereichernd für mich. Und es bedeutet, dass Du scharfsinnig bleibst, weil Du nie einem Thema zu nah kommst. Sogar hier auf der Konferenz interessiert es mich mehr, was die anderen Leute nicht erreichen, obwohl sie es erreichen wollen - weil genau da unsere Expertise durchkommt.

Was ist die eine Sache, die Du herausfinden willst, bevor Deine wissenschaftliche Karriere irgendwann endet?

Am Ende möchte ich eine Arbeit erstellt haben, von der ich sage: "Das war die richtige Frage, die ich gestellt habe". Es geht nicht um die Antwort, aber darum, die richtige Frage zu stellen. Selbst wenn Du sie nicht beantwortest - Du kannst mit einer schwierigen Frage sieben weiteren Menschen Arbeit geben. Also bevor ich zusammenpacke, möchte ich solch eine gute Frage stellen - nur eine, und ich wäre glücklich.

Würdest Du den Ort malen, an dem Du die besten Ideen hast?

03.07.2013 DW Nobelpreisträgertreffen 2013, Projekt Zukunft, Lindau, 63rd Nobel Laureate Meeting Ort Christopher Hendon

Christopher Hendon hat an zwei Orten die besten Ideen. Der erste ist in einem Flugzeug, in dem er sehr viel Zeit verbringt, wenn er von der Uni in Großbritannien nach Hause nach Australien fliegt. Der zweite Ort ist in einer Kneipe bei einem Bier, wo er sich gern mit anderen Menschen über verschiedene Themen unterhält – und so im Gespräch über Kühle melken neue Ideen hat.