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Kultur

Christen und Muslime tun sich schwer in Ostafrika

In Kenia und Tansania hat der Islam immer mehr Zulauf - mehr, als den Christen lieb ist. Beide Seiten werben um Anhänger, sogar mit billigem Wohnraum, Krediten und Kirchenbau-Wettstreit. Da hat die Integration es schwer.

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Kirchenbau-Wettstreit statt Integration

Auch wenn Kenia im Vergleich zu vielen Staaten in Afrika ein Hort der Stabilität zu sein scheint, gärt es in dem Land. Ende 2005 soll über eine neue Verfassung abgestimmt werden. Darin geht es unter anderem um die Anerkennung der muslimischen Gerichtsbarkeit, der Scharia. In Kenia liegt der Anteil der Muslime bei 12 bis 20 Prozent, in Tansania ist zwischen 35 und 45 Prozent. Konservative christliche Missionare aus den USA und muslimische Prediger wahabitischer Herkunft sind in beiden Ländern aktiv und heizen so die Spannungen zwischen Muslimen und der übrigen Bevölkerung an.

Kadis wollen Verfassungsrang

Die Muslime, die in Kenia vor allem an der Küste leben, regeln traditionell ihre Familienangelegenheiten selbst. In so genannten "Kadi-Courts" werden gemäß dem Kanon des islamischen Familienrechts Scheidungen, Ehebruch und Erbstreitigkeiten verhandelt. Die Kadis (Richter) werden von der muslimischen Gemeinde in Absprache mit Regierungsstellen berufen. Immerhin ist der "Chief Kadi", also der oberste Richter, so weltlich, dass er im von Aids heimgesuchten Kenia zum Gebrauch von Kondomen aufruft.

Im jetzt entbrannten Streit um die Verfassung, die Einführung der Scharia und die Anerkennung der Kadi-Courts stehen sich die Lager unversöhnlich gegenüber. "Sicherlich ist das der Wunsch nach einer institutionellen Anerkennung von Muslimen und des Islam in Kenia", erklärt die Ethnologin Tabea Scharrer von der Humboldt-Universität Berlin. "Und das ist sicher auch eine gesellschaftliche Chance zum Zusammenwachsen." Tabea Scharrer und ihr Kollege Chanfi Ahmed beschäftigen sich mit islamischer Missionierung in Ostafrika und sind beide von einem längeren Forschungsaufenthalt in der Region zurückgekehrt.

Überlegte Entscheidung für den Islam

Zwei Moslems sitzen auf der Insel Lamu an einem Brunnen und unterhalten sich Kenia

Muslime in Kenia kämpfen für die offizielle Anerkennung von Kadis und Scharia

In Kenia und Tansania hat der Anteil der Muslime an der Bevölkerung in den letzten 20 Jahren zugenommen. "Die meisten kenianischen Prediger sind Wahabiten", erklärt Chanfi Ahmed. "Diese Richtung des Islam steht allerdings im Widerspruch zum traditionellen, regionalen Islam in Ostafrika. In Kenia gibt es viele Anhänger der Sufis und anderer lokaler afrikanischer Ausrichtungen."

Tabea Scharrer hat sich damit beschäftigt, warum Menschen zum Islam konvertieren. Sie hat vor allem mit Leuten aus der Mittelschicht gesprochen: "Sie haben sich lange mit Religion beschäftigt, teilweise war das eine Entwicklung über zehn Jahre, bis sie sich für den Islam entschieden haben. Sie sehen den Islam als die wahre Religion, die erst nach dem Christentum entstanden ist und deswegen auch wahrer sein muss, weil Mohammed der letzte Prophet ist."

Kredite und Kirchen als Werbung

In beiden Ländern, Kenia und Tansania, tobt ein Kulturkampf. Saudische Wahabiten auf der einen, konservative christliche Kirchen aus den USA auf der anderen Seite. Für die Missionierung greifen beide Parteien auf sehr irdische Argumente zurück. Beide versprechen zum Beispiel günstige Kredite für Wohnraum. Und man baue sich gegenseitig Kirchen und Moscheen vor die Nase, erzählen die Wissenschaftler.

Um den Konflikt zu lösen, müsse man die Muslime unbedingt integrieren, betont Chanfi Achmed. Denn Terroristen hätten es leicht, Nachwuchs anzuwerben "in einem Bevölkerungsteil, der sich zweitklassig fühlt und in dem die Frustration wächst. So entstehen Vereinigungen, wo die jungen Muslime unter sich sind."

Bei den Studenten anfangen

Ein Beispiel für gelungene Integration sei die muslimische Universität in Tansania; eine offene und moderne Einrichtung, in der gerade auch junge Muslime die Chance auf eine Hochschulausbildung haben. In Kenia soll etwas Ähnliches entstehen, das Grundstück wurde bereits gekauft. Jetzt steht nur noch die staatliche Anerkennung aus.

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