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Kultur

Christen fordern von Israel Schutz gegen Vandalismus

Vor dem Besuch von Papst Franziskus Land geraten christliche Einrichtungen stärker ins Visier jüdischer Extremisten. Die katholische Kirche verlangt von Israel ein härteres Durchgreifen.

Behörden und Justiz müssten schärfer gegen die Täter vorgehen, sagte der deutsche Pater Nikodemus von der Dormitio-Abtei in Jerusalem im Gespräch mit der DW. Ziel der jüngsten vandalistischen Attacke war das Büro der katholischen Bischofskonferenz in Jerusalem. An die Außenwand des Gebäudes sprühten zu Wochenbeginn Unbekannte in hebräischer Sprache den Satz: "Tod den Arabern, den Christen und allen, die Israel hassen!" Daneben prangte ein Davidstern.

Karfreitagsprozession in Jerusalem 18.04.2014

Karfreitagsprozession in Jerusalem

Die Attacken gehen auf das Konto radikaler Juden, die Vergeltung für politische Einschränkungen der Siedlerbewegung üben. Ganz neu sind sie nicht. "Seit zwei Jahren werde ich fast jeden Tag angespuckt", berichtete Pater Nikodemus. "das gehört hier mittlerweile schon zum Alltag." Häufig sprühen die Täter Graffiti mit dem Wort "Preisschild" an christliche oder muslimische Einrichtungen - gemeint ist, dass diese Schmierereien der Preis für das Vorgehen der Behörden gegen jüdische Siedlungen seien.

Im Vorfeld des Papst-Besuchs kocht das Thema in den israelischen Medien hoch. Gleichzeitig steige auch die Nervosität in Siedler-Kreisen, so der Benediktinier. Die Attacken beschränken sich nicht mehr auf Jerusalem und die besetzten Palästinenser-Gebiete, sondern auch eigentlich friedliche Regionen wie Galiläa. Neu ist laut Pater Nikodemus auch, dass sich die Aktionen nicht auf Sachbeschädigung begrenzen, sondern auch Pilger tätlich angegriffen werden.

Es ist bereits der zweite dringende Appell der katholischen Bischöfe innerhalb von zehn Tagen. Sie fordertn, dass die israelischen Behörden und Sicherheitskräfte härter durchgreifen. Ende April waren, Augenzeugenberichten zufolge, 70 bis 80 Jugendliche unter Anleitung eines Erwachsenen auf das Gelände des deutschen Benediktinerklosters Taghba am See Genezareth vorgedrungen. Dort demontierten sie ein Altarkreuz, warfen es ins Wasser und griffen zwei Gäste mit Steinen an und bespuckten sie. Im Patriarchalvikariat in Nazareth ging ein Brief ein, der alle Christen unter Androhung von Gewalt ultimativ zum Verlassen des Landes aufrief.

Nahost Israel Karwoche in Jerusalem

Christen in der Karwoche in Jerusalem

Betroffen sind neben christlichen Einrichtungen auch muslimische Stätten. Selbst gegen Militär- und Polizeistationen richtet sich die Gewalt der Extremisten.

Dass die isrealische Regierung in den vergangenen Tagen angekündigt hat, härter gegen die Täter vorzugehen, begrüßt Pater Nikodemus zwar, bleibt aber skeptisch. "Solche Lippenbekenntnisse gab es immer wieder." Bisher seien zwar Täter immer wieder festgenommen, aber noch nie verurteilt worden, sagt er. Ein Grund ist, dass es sich meist um Jugendliche handelt, die strafrechtlich noch nicht belangt werden können. Zum anderen stünden aber auch Teile der Regierung der Siedlerbewegung zu nahe, als dass sie die Täter zur Rechenschaft ziehen wollten. "Es gibt gewisse Beißhemmungen", sagt Pater Nikodemus, "weil man Angst hat vor seiner Stammwählerschaft."