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Musik

Chopin im Fahrstuhl

Leise Musik sollte dafür sorgen, dass die Fahrgäste vergessen, dass sie in einer kleinen Kiste in die Höhe rasen. Ein amerikanischer Soldat stellte schnell fest, dass man mit Musik aber viel mehr erreichen kann.

Eine Frau drückt in einem Fahrstuhl mit dem Finger auf den Knopf zur Wahl des Stockwerks (Foto: Kitty Kleist-Heinrich/ dpa)

Fahrstuhl: Wahl des Stockwerks

Der Palmengarten des Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin (Foto: ZB Fotoreport)

Kaufhaus des Westens: Musik fürs Geldausgeben

George Owen Squire, Amerikaner und Soldat im ersten Weltkrieg, gründet 1934 die Muzak Incorporate, eine Firma, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Musik zu funktionalisieren. Funktion heißt: Beschallung in Kaufhäusern und Fahrstühlen mit dem Ziel, das Wohlbefinden zu fördern und die Brieftasche zu lockern. In den ersten Jahren wird ausschließlich instrumentale Musik, Jazz und Klassik verwendet. Aus Fahrstühlen, Fleischtheken und Sockenabteilung klimpern Vivaldi, Beethoven und Chopin.

Bernd Vogt arbeitet für die Hamburger Firma Mood Media. Wenn Betreiber ihre Gewerberäume beschallen wollen, dann wenden sie sich an ihn. Nahezu 80 Jahre nach der Gründung von Muzak ist die funktionale Musik in Kaufhäusern Lichtjahre weiter. Bernd Vogt und seine Kollegen können mittlerweile Kunden nahezu fernsteuern.

Das Unterbewußtsein und die Caféhaus-Musik

Coffee-Bar (Foto: Deutscher Kaffeeverband)

Coffee-Bar

"Wenn es in der Gastronomie gewünscht ist, dass der Konsument sich an der 90-Cent-Tasse Kaffee nicht zu lange aufhält, dann kann ich das durchaus durch Musik beeinflussen", referiert Bernd Vogt. Gerade beim Vertreiben der Kunden greift Mood Media zu klassischer Musik. Denn wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben: Durch ihre eigene Dynamik und den oft gleich bleibenden Rhythmus sorgt sie zwar beim Kunden für einen Wiedererkennungseffekt, also den Wunsch zu verbleiben, aber auch dafür, dass man sich nach einiger Zeit schnell weiter bewegen will. Wer heute Kunden zum Verbleiben bewegen möchte, spielt die Pophits der letzten 20 Jahre. Dabei spielt die Erziehung der Kundschaft am sogenannten "Point Of Sale" eine große Rolle. Wer als Kind früh an die Klassik herangeführt wird, steht ihr als Erwachsener generell positiv gegenüber; andere nicht. So gilt für Klassik: In speziellen Themenbereichen wie edlen Restaurants wird sie gerne gespielt, sonst aber eher dezent eingesetzt. Für Bernd Vogt und Mood Media heißt das: ganz leise drehen. "Da wir in der Regel eine bestimmte Zielgruppe vorfinden und diese Gruppe verschiedene Musikstyles mag, sagen viele Einkaufsstätten: Musik ja, aber nicht so im Vordergrund, dass sie die Menschen stört, die die Musik nicht so gut finden."

Landstreicher vom Platz spielen

Einsamer Mann am Bahnhof (Foto: Bilderbox)

Mann am Bahnhof

Klassik als musikalische Untermalung zum Einkaufen berührt den Kunden nicht mehr, sie polarisiert und zwar so stark, dass Chopins Musik dabei eher eine traurige Rolle einnimmt. "Wo wir sie am effektivsten einsetzen, ist an Bahnhöfen", sagt Bernd Vogt, "in den Problemzonen, in denen sich Menschen aufhalten, die nicht reisen, sondern die dort rumlungern oder Drogen nehmen. Hier setzt man klassische Musik ein, um diese Personen dort zu vertreiben."

Autor: Uli Anders
Redaktion: Gudrun Stegen

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