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Politik

Cholera-Katastrophe ist für Mugabe kein Thema

Robert Mugabe hat auf einem Parteitag seine ZANU-PF auf Neuwahlen eingeschworen - an Rücktritt denkt Simbabwes Machthaber nicht. Die Cholera-Katastrophe, die immer mehr Simbabwer dahinrafft, erwähnte er mit keinem Wort.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe auf dem Parteitag der ZANU-PF (19.12.2008, Quelle: AP)

Simbabwes Diktator schwor seine Partei auf Neuwahlen ein

Die Zahl der Cholera-Toten in Simbabwe steigt Woche für Woche. Zwischen dem Ausbruch der Epidemie im August und Mitte Dezember sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen, mindestens 20.000 Menschen sind infiziert. Auf dem Parteitag von Präsident Robert Mugabes ZANU-PF, der am Samstag (20.12.2008) zu Ende ging, war die Katastrophe jedoch kein Thema. Vielmehr rief Simbabwes Mugabe seine Anhänger dazu auf, sich auf Neuwahlen vorzubereiten und den Sieg sicherzustellen.

Ein junges Mädchen durchsucht den Müll nach Nahrungsmitteln (23.11.2008, Quelle: DPA)

Ein junges Mädchen durchsucht den Müll nach Nahrungsmitteln - die hygienischen Umstände machen es den Cholera-Erregern leicht

Dabei ist der Höhepunkt der Epidemie offenbar noch längst nicht erreicht. Marcus Bachmann arbeitet für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Simbabwe. Er lässt keinen Zweifel daran, wie ernst die Situation ist: "Fakt ist, dass Cholera die Bevölkerung von Simbabwe massiv bedroht und massiv betrifft und wir vermutlich erst am Beginn einer langen, langen Epidemie stehen, deren Höhepunkt vermutlich noch gar nicht erreicht ist."

Bis zu 60.000 Menschen könnten sich infizieren

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht in ihrer schlimmsten Prognose davon aus, dass sich bis zu 60.000 Menschen infizieren könnten, wenn nicht schnell und flächendeckend gehandelt wird. Simbabwe ist so groß wie die Bundesrepublik, aus zwei Dritteln aller Verwaltungsbezirke werden Cholera-Fälle gemeldet. Am 4. Dezember hatte Simbabwes Präsident Robert Mugabe nach langem Zögern den nationalen Notstand ausgerufen. Nur wenig später, kurz vor dem Jahreskongress seiner ZANU-PF behauptete er dann, dass die Ärzte die Cholera besiegt hätten. Das Ausland habe keinen Grund mehr, ihn für die Epidemie verantwortlich zu machen.

Cholera-Ausbrüche sind vor allem in afrikanischen Ländern südlich der Sahara während der Regenzeit an der Tagesordnung. Aber die aktuelle Cholera-Epidemie in Simbabwe ist schon lange vor der Regenzeit ausgebrochen und gehört zu den schwersten, die Afrika in den letzten Jahren erlebt hat. Die Regenzeit jetzt macht alles nur noch schlimmer.

Katastrophale Hygiene

"Viele Menschen sterben im Krankenhaus. Allein an diesem Tag sind hier 20 Leute ums Leben gekommen", sagt eine Mutter, die ihren zweijährigen Sohn verloren hat. Das Kind starb in einem Krankenhaus in der Nähe von Harare, berichtet sie einem britischen Journalisten, der heimlich nach Simbabwe gereist ist.

Eine junge Cholera-Patientin in Harare wird per Schubkarre in die Klinikg gebracht (12.12.2008, Quelle: DPA)

Eine junge Cholera-Patientin in Harare wird per Schubkarre in die Klinik gebracht

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Hauptgründe für die schwere Epidemie klar benannt. Danach ist die Trinkwasserversorgung in Simbabwe entweder marode oder gar nicht erst vorhanden. Das gleiche gilt für die Abwasserentsorgung und für die Müllbeseitigung. Das staatliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, viele Simbabwer hungern und haben ein schwaches Immunsystem. Die wenigsten können sich die nötige Hygiene leisten. Die Menschen kochen das mit Fäkalien und Müll verdreckte Wasser aus Pfützen, Tümpeln und Rinnsalen nicht ab, weil es keinen Strom gibt und weil sie nicht genug Geld für das nötige Feuerholz haben.

Cholera ist eine akute, bakterielle Durchfallerkrankung. Die Krankheit wird durch dreckiges Wasser oder verunreinigte Lebensmittel auf den Menschen übertragen. Die Cholera-Bakterien siedeln sich im Darm an und bilden einen Giftstoff, der dafür sorgt, dass die Erkrankten über Durchfall und Erbrechen große Mengen Flüssigkeit ausscheiden. Ein Patient mit schwerer Cholera kann pro Tag bis zu 25 Liter Wasser verlieren. Die Opfer trocknen aus und sterben, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden.

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