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Aktuell Europa

Chodorkowski denkt an Asyl in Großbritannien

Als Reaktion auf den von Russland gegen ihn ausgestellten internationalen Haftbefehl denkt der Kremlkritiker Chodorkowski über einen Antrag auf politisches Asyl in Großbritannien nach.

Er erwäge, "im Vereinigten Königreich um Asyl zu ersuchen", sagte Chodorkowski der britischen Rundfunkanstalt BBC. Er werde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin "als Bedrohung wahrgenommen". Dies gelte sowohl "wirtschaftlich wegen der möglichen Beschlagnahme russischen Eigentums im Ausland" als auch "politisch wegen der möglichen Unterstützung für demokratische Kandidaten" bei der Parlamentswahl im Jahr 2016, erklärte Chodorkowski.

Internationaler Haftbefehl

Die russische Justiz hat in Zusammenhang mit einem Mordfall Haftbefehl gegen den im britischen Exil lebenden Ex-Oligarchen erlassen. Der frühere Besitzer des zerschlagenen Öl-Konzerns Yukos sei zur internationalen Fahndung ausgeschrieben, teilte die Ermittlungsbehörde in Moskau mit. Der Schritt war erwartet worden, nachdem Russland Chodorkowski Mitte Dezember offiziell beschuldigt hatte, 1998 die Ermordung des Bürgermeisters der sibirischen Stadt Neftejugansk, Wladimir Petuchow, organisiert zu haben.

Der 52-Jährige wies die Anschuldigungen zurück. "Sie sind verrückt geworden", kommentierte er auf seiner Webseite den Haftbefehl. Erst Anfang Dezember hatte Chodorkowski erklärt, die Regierung in Moskau versuche den Fall Petuchow zu nutzen, um ihn mundtot zu machen. Der Mord sei schon 1998 geklärt worden. Die mutmaßlichen Täter seien verhaftet, aber aus irgendwelchen Gründen freigelassen und getötet worden.

Zehn Jahre Lagerhaft

Chodorkowski gehörte zu den russischen Oligarchen, die in dem wirtschaftlichen Chaos nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion riesige Reichtümer angehäuft hatten. Später überwarf er sich mit Putin und wurde 2003 wegen Steuerhinterziehung verhaftet und verurteilt. Yukos wurde zerschlagen, Chodorkowski kam ins Arbeitslager. Ende 2013, wenige Wochen vor den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi, wurde er von Putin überraschend begnadigt.

Nach seiner Freilassung gründete Chodorkowski eine Bewegung zur Sammlung der schwachen proeuropäischen Kräfte in Russland. Anfang Dezember rief er von seinem Londoner Exil zu einer "Revolution" in Russland auf. Putin warf er einen verfassungswidrigen "Staatsstreich" vor. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass Büros der von Chodorkowski gegründeten Stiftung "Open Russia" in Russland durchsucht wurden. Das Justizministerium verlangt, dass "Open Russia" sich als "ausländischer Agent" registrieren lässt, wie andere Nichtregierungsorganisationen (NGO die Geld aus dem Ausland bekommen.

wl/qu (dpa, afp, rtr)