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Kultur

Chirac löst Food Fight aus

Der französische Präsident Jaques Chirac äußert sich abfallend über die britische Küche. Passend zum G8-Gipfel im schottischen Gleneagles nährt er somit das ohnehin stark angespannte britisch-französische Verhältnis.

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Der Schein trügt - die franco-britischen Beziehungen sind äußerst angespannt!

Die Spannungen zwischen Paris und London scheinen nicht abreißen zu wollen. Während die beiden Metropolen noch um die Vorherrschaft als Gastgeber bei den Olympischen Spielen 2012 zitterten und die EU-Finanzverhandlungen Ende Juni am Interessenkonflikt der beiden Länder scheiterten, trieb der französische Präsident erneut mit abschätzigen Bemerkungen den Konflikt auf die Spitze. Chirac gab am Wochenende, während eines Treffens mit Schröder und Putin, seine Abneigung gegenüber der britischen Küche unverhohlen zum Ausdruck. Das einzige, was Großbritannien für die Landwirtschaft getan habe, sei der Rinderwahnsinn. Diese Art von Humor kam bei den höflichen Britten allerdings gar nicht gut an und somit konterte die britische Boulevardpresse auch zugleich, indem sie die mentale Verfassung des französischen Präsidenten in Frage stellte. Außerdem zeugten Chiracs Scherze über Großbritannien von "schlechtem Geschmack und lassen die Beziehungen unter den Gefrierpunkt rutschen", schrieb die "Daily Mail" auf ihrer Titelseite.

Schlechter Zeitpunkt für Kritik

Gleneagles Hotel in Schottland Tagungsort G8-Gipfel

Die kulinarische Attacken des französischen Präsidenten gegenüber Großbritannien und Finnland haben einen wahren "food fight" ausgelöst, der durch Chiracs Aussage "Wir können keinen Leuten trauen, die solch schlechtes Essen haben" auf den Höhepunkt getrieben wurde. Die missbilligenden Bemerkungen Chiracs fallen zudem zu einem Zeitpunkt, als während des G8-Gipfels im schottischen Gleneagles unter anderem Punkte wie die Erntwicklungspolitik und Hungersnot Afrikas ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Auch die französische Zeitung "Libération" stellt Chiracs negative Äußerungen über die britische Küche in einen engeren politischen Zusammenhang, indem sie das "Olympia-Aus" für Paris teilweise mit Frankreichs "Naivität und Arroganz" in Verbindung bringt, welche "viele seiner Partner am Ende ermüdet" hat. Bundeskanzler Schröder äußerte sich nicht weiter zu den Aussagen des ihm nahestehenden französischen Kollegen, doch verwies er darauf, dass er "kein Freund von Lachs ist" und auf ein "ordentliches Steak" während des G-8-Treffens hofft.

Königliche Kochkünste

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Über das Verhalten von Jaques Chirac ist die Queen sicherlich "not amused"

Chirac trifft Großbritannien mit seinen Äußerungen an einem wunden Punkt, denn die meisten Britten sind sich dem schlechten Ruf ihrer Küche durchaus bewusst. Andererseits hat sich im britischen Gastronomiebereich in den letzten Jahren einiges getan, und kulinarische Jungstars wie der Brite Jamie Oliver haben sich auch international einen hervorragenden Ruf erkocht. Ob London allerdings Paris in Sachen "Haute Cuisine" den Rang abgelaufen hat, wie der britische "Telegraph" behauptet, ist fraglich und auch wohl eher als politisches Statement zu werten. Aber nicht nur Großbritannien, sondern auch Finnland wollen den französischen Präsidenten nun eines besseren belehren. So lud der renomierte finnische Anwalt Alexander Stubb, der mit einer Britin verheiratet ist, Chirac zu einem finnisch-britischen Abendessen ein, um ihn von seiner überholten Meinung abzubringen. Aber vielleicht ist dies auch schon gar nicht mehr nötig, nachdem Monsieur Chirac gestern während des G-8-Treffens in Gleneagles zusammen mit den anderen Staatsmännern der führenden Industrienationen einer Dinner-Einladung von Königin Elizabeth folgte. Nun bleibt nur abzuwarten, ob "Her Majesty" ihren nörgelnden Tischnachbarn mit British "nouvelle cuisine" zu beindrucken versuchte, oder ihn doch lieber mit "Fish und Chips" abservierte.

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