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Wirtschaft

Chinesischer Yuan und griechische Nöte

Wolfgang Schäuble hat nach dem G7-Finanzministertreffen in Dresden keine Lust mehr, Fragen zur griechischen Tragödie zu beantworten. Stattdessen fragt er sich, ob der chinesische Yuan reif zur Reservewährung ist.

China muss sich mit dem angestrebten Aufstieg des Yuan (Renminbi) zu einer Weltreservewährung voraussichtlich noch gedulden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zeigten sich am Freitag nach einem G7-Treffen skeptisch über eine Entscheidung des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Währung schon im Herbst in den Korb der Reservewährungen aufzunehmen. Das scheine ihm schon ein bisschen optimistisch, sagte Schäuble nach dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden westlichen Industrieländer (G7).

Es geht um eine Ausweitung des IWF-Währungskorbs um Währungen der Schwellenländer wie den chinesischen Yuan. Bisher sind neben dem US-Dollar und dem Euro das britische Pfund und der japanische Yen in dem Korb der Weltwährungen enthalten. Daraus setzen sich die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) zusammen, eine künstliche, vom IWF geschaffene Währungseinheit.

Weniger Kontrollen erhofft

Die Yuan-Eingliederung in den Währungskorb soll nicht nur Chinas Gewicht in der Weltwirtschaft widerspiegeln. Die anderen Top-Wirtschaftsmächte hoffen auch, dass Peking seine Währung weniger kontrolliert.

Nach Angaben Schäubles müssen noch mehrere Fragen geklärt werden - nicht nur technische. Die Verhandlungen sollten nicht durch ungemäßen Zeitdruck erschwert werden. Weidmann zufolge teilen die G7-Länder das Ziel, den Yuan aufzunehmen. Dazu müssten aber bestimmte Kriterien erfüllt werden. Dies werde geprüft.

Zur G7-Gruppe gehören neben Deutschland die USA, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada. Mit dem Ministertreffen wird der G7-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 7. und 8. Juni auf Schloss Elmau in Bayern vorbereitet.

Griechenland-Müdigkeit

Fragen der Journalisten zum Griechenland-Problem wollte Schäuble nicht beantworten. Dies bedeute aber nicht, dass dies kein wichtiges Thema auf der Tagung in Dresden gewesen sei, hieß es. Unterdessen hat Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin das Interesse der Bundesregierung an einem Verbleib Griechenlands in der Eurozone bekräftigt. "Ich beteilige mich nicht an Spekulationen und Mutmaßungen", sagte Seibert am Freitag in Berlin. Äußerungen der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, wolle er nicht kommentieren.

Lagarde hatte angesichts der stockenden Verhandlungen der internationalen Geldgeber mit dem von der Pleite bedrohten Land ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro nicht ausgeschlossen. "Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Freitag.

Dramatischer Mittelabfluss

Unterdessen bringen immer mehr Griechen angesichts der ungelösten Schuldenkrise ihr Geld in Sicherheit. Die Bank-Einlagen schrumpften im April auf ein Volumen von 139,4 Milliarden Euro, wie aus am Freitag veröffentlichten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. Das ist der niedrigste Stand seit mehr als einem Jahrzehnt.

Allein im vorigen Monat zogen Kunden 5,6 Milliarden Euro von ihren Konten ab. Der Kapitalabfluss hält nun bereits seit Oktober an. Die Institute hängen weitgehend am Tropf der Notenbank in Athen, die von der EZB genehmigte Nothilfen an die Geldhäuser vergibt.

Die Regierung in Athen feilscht seit Monaten mit ihren Euro-Partnern um eine Lösung der Schuldenprobleme. Ohne Einigung auf Reformen als Gegenleistung für weitere Finanzhilfen droht die Zahlungsunfähigkeit.

Wen/hf (rtr, dpa)