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Bücher

Chinesischer Literaturpreis für deutschen Kulturvermittler

"Übersetzen bedeutet, immer wieder in die Irre gehen", findet der Bonner Sinologe und Übersetzer Wolfgang Kubin. Für seine jahrzehntelange Kulturvermittlung erhält er am 16. Oktober den Pamir International Poetry Price.

Der Preisträger Wolfgang Kubin, unterwegs in der uigurischen Provinz Xinjang, China

Der Preisträger, unterwegs in Xinjang

In Peking in Empfang nehmen wird er ihn erst im Herbst, im Anschluss an eine Gastdozentur in der Provinz Sichuan. Beachtung findet die Verleihung des höchstdotierten chinesischen Literaturpreises an den Bonner Sinologen Wolfgang Kubin aber schon bei ihrer Bekanntgabe durch die Universität Bonn - als ein positives kulturelles Politikum.

Der von dem Konsortium "Pamir Investment Group" gestiftete Preis wird erstmals vergeben. Kubin, der eigentlich nie Übersetzer werden wollte, sondern lieber selber schreibt, erhält ihn für seine Verdienste als Gelehrter, Übersetzer und Kulturvermittler. Gewürdigt wird damit die Arbeit von mehr als drei Jahrzehnten, in denen er mit seinen Publikationen neue Grundlagen für die intellektuelle Verständigung zwischen Deutschland und China gelegt hat: Als Herausgeber und Autor einer zehnbändigen "Geschichte der chinesischen Literatur", durch seine Edition der Werke des "chinesischen Gorki" Lu Xun und durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen.

Anerkennung für die Lyriker der "hermetischen Schule"

Vor allem aber zeichnet die Jury aus namhaften chinesischen Literaturwissenschaftlern und Autoren damit seine Übersetzungen von Dichtern aus, die seit Mitte der 1980er Jahre in China für lange Zeit auf der schwarzen Liste standen. Autoren jener Mitte der 50er Jahre geborenen, von den Erfahrungen der Kulturrevolution geprägten Generation wie Bei Dao, Yang Lian oder Gu Cheng. Sie waren es, die seit den späten 70er Jahren der wiedererwachenden chinesischen Literatur eine neue Sprache suchten, in der das Wort "Sonne" als Gestirn verstanden werden, Licht und Wärme, aber nicht mehr Mao Zedong bedeuten konnte. Jahrelanges Publikationsverbot - für Bei Dao gilt es immer noch - haben diese Lyriker unfreiwillig politisiert, sie ins Exil und im Falle Gu Chengs sogar in den Tod getrieben.

Bei Dao ist inzwischen Bürger der USA

Bei Dao ist inzwischen Bürger der USA

Kubins Preis ist somit nicht nur eine Anerkennnung seiner eigenen Übertragungsleistung, sondern - und das macht ihn über eine kurze Agenturmeldung hinaus interessant - auch die der von ihm auf Deutsch bekannt gemachten Autoren. Die wichtigsten unter ihnen, allen voran der bereits mehrfach für den Literaturnobelpreis nominierte Bei Dao, gehören mittlerweile mit ihren Werken zur Weltliteratur. In ihrem Heimatland werden sie kaum noch wahrgenommen. "Freiheit ist nur / der Abstand zwischen Jäger und Gejagtem", heißt es in Bei Daos viel zitiertem Gedicht "Komplize". Dass Kubins Arbeiten über den deutschsprachigen Raum hinaus nach China zurückwirken, hat diesen Abstand wieder größer werden lassen.

Kulturpolitik in Bewegung

Bei Dao wird im September eine Professur für "Creative Writing" an einer Hongkonger Universität aufnehmen. Im Juli war er gemeinsam mit Kubin im Konfuzius-Institut in Düsseldorf zur Lesung eingeladen - auch das ein Zeichen für Bewegung. Denn immerhin handelt es sich um ein gemeinsam mit der Düsseldorfer Universität geführtes, offizielles Auslandskulturinstitut der Volksrepublik China.

Der Bonner Sinologe versteht seinen Preis auch als Anerkennung der Verdienste deutscher Literaturhäuser oder Stipendienorganisationen und ihrer engagierten Vertreter. Sie haben chinesischen Literaten die Existenz im Schwebezustand des Exils vielfach erleichtert, Kubin Begegnungen und gemeinsame Auftritte ermöglicht. Sollte die Würdigung tatsächlich so gemeint sein, wäre auch das beachtlich.

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