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Wirtschaft

Chinesischer Börsengang der Superlative

Beim größten Börsengang seit vier Jahren hat die China Construction Bank am Donnerstag (27.10.) in Hongkong ein eher glanzloses Debüt hingelegt. Experten waren jedoch nicht überrascht.

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Die "China Construction Bank" ist auf dem Parkett

Die China Construction Bank (CCB) hatte mehr als 26 Milliarden Aktien mit einem Emissionsvolumen von annähernd 67 Milliarden Hongkong Dollar (7,15 Mrd Euro) plaziert. Zuletzt war in einer ähnlichen Größenordnung der amerikanische Lebensmittelriese Kraft Foods im Juni 2001 an die Börse gegangen.

Zum Handelsschluss lag die Aktie der CCB mit 2,375 Hongkong Dollar gerade einmal um 1,1 Prozent über dem Ausgabepreis von 2,35 Hongkong Dollar. Das lag jedoch im wesentlichen daran, dass sie schon am oberen Ende der Preisspanne platziert war. Es wurden bereits Gewinnmitnahmen verzeichnet.

Positiver Bericht

Die Anteilsscheine der "China Construction Bank" wurden zehnfach überzeichnet. Für das große Interesse an der Aktie gibt es laut Margot Schüller vom Institut für Asienkunde aus Hamburg eine Reihe von Faktoren: "Man muss sehen, dass kurz vorher die bekannte Rating-Agentur 'Fitch' einen Bericht über das Bankensystem (in China) vorgelegt hat, in dem sehr positiv über die Bemühungen der Regierung zur Restrukturierung und Rekapitalisierung der Banken berichtet wurde."

Zudem gebe es eine Reihe von strategischen Investoren für die "China Construction Bank": "Da ist einmal die 'Bank of Amerika' zu nennen, die jetzt erst einen Anteil von neun Prozent hat und bis 2010 rund 20 Prozent übernehmen will. Dann gibt es noch eine staatliche Investmentbank aus Singapur und auch die am Börsengang beteiligten Finanzinstitute. Die haben alle auch Anteile gekauft." Dies, so Schöller hätte eine Sogwirkung verursacht.

Die anderen Banken sollen bald folgen

Bei dem Börsengang seines drittgrößten Kreditgebers geht es für China um mehr als nur die Listung eines Unternehmens. Ein Erfolg soll den Weg ebnen für die anderen drei großen Staatsbanken. Die "Bank of China" soll möglicherweise im März oder April 2006 in Hongkong folgen. Die "Industrial and Commercial Bank of China" (ICBC), die größte der großen Vier, will 2007 an die Börse. Wann die kleinere Landwirtschaftsbank dran ist, bleibt noch offen.

Mit 14.000 Filialen und 310.000 Angestellten ist die "China Construction Bank" größter Kreditgeber in Chinas boomender Infrastruktur- und Immobilienbranche mit einem Marktanteil von 27 Prozent. Einerseits läuft das Baugeschäft bestens, da immer mehr Chinesen eine eigene Wohnung kaufen, der Bürobedarf wächst und die Preise in die Höhe schießen, andererseits bergen Spekulationen und die größer werdende Immobilienblase unvorhersehbare Risiken.

Korruptionsskandal schlägt ein

Als China vor knapp drei Jahren mit der Reform des Bankensystems anfing, war es schlecht um die chinesischen Staatsbanken bestellt. Ein Riesenberg fauler Kredite, fehlende Transparenz und die grassierende Korruption bildeten die größten Herausforderungen für die Reformen der Zentralregierung. Sie pumpte 60 Milliarden US-Dollar in die Staatsbanken für die Ablösung der faulen Kredite und andere marktwirtschaftliche Maßnahmen. Als endlich Land in Sicht war, schlug im März ein Korruptionsskandal wie eine Bombe ein.

Ausgerechnet bei der "China Construction Bank", die als erste der vier Staatsbanken an die Börse gehen sollte, wurde bekannt, dass der Präsident des Hauses, Zhang Enzhao, gegen Schmiergeld Problemkredite von über 60 Millionen US Dollar vergeben hatte. Kurze Zeit danach wurde er verhaftet. Stimmen des Zweifels mehrten sich, ob die Bank den Zeitplan des Börsengangs einhalten könnte. Allerdings scheint der Fall keinerlei negativen Einfluss auf das Börsenengagement zu haben.

Der WTO-Beitritt fordert Veränderungen

Eher mit Bewunderung wurden die Bemühungen der chinesischen Regierung um die Modernisierung ihrer Banken registriert. So konnte die von allen am besten aufgestellte "China Construction Bank" in den vergangenen drei Jahren laut eigenen Angaben den Anteil fauler Kredite von 17 auf unter vier Prozent senken. Es bleibt China aber auch nichts anderes übrig, als ihre Banken für die internationale Konkurrenz zu rüsten, denn laut dem Beitrittsprotokoll der Welthandelsorganisation WTO von 2001 hat sich China verpflichtet, ab 2007 den Kapitalmarkt zu öffnen, so dass Auslandsbanken ohne Restriktion in China aktiv sein dürfen.

Wie wird es dann mit den chinesischen Banken weitergehen? Prof. Song Min von der Hongkong-Universität sagt über die Stimmung in Bankenkreisen: "Sie sind sehr besorgt. Wenn man die Funktionalität des Bankenmanagement, die innere Kontrolle sowie die Grundstruktur der chinesischen Banken unter die Lupe nimmt, dann stellt man fest, dass der Abstand zum internationalen Standard noch sehr, sehr groß ist. Aber wenn die chinesische Wirtschaft dieses Wachstumstempo beibehält, lassen sich viele Probleme von alleine lösen."

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