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Sport

Chinesische Sieger, russische Verlierer und deutsche Enttäuschungen

In 302 Wettbewerben wurden an 16 Wettkampftagen bei den Olympische Spielen von Peking Medaillen vergeben worden. Die Sieger und die Verlierer - eine sportliche Bilanz.

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Jubelnde Chinesen - das Bild von Peking

Letztlich ist in Peking genau das eingetreten, was die meisten Experten im Vorfeld erwartet hatten. Die Chinesen haben als Gastgeber den Heimvorteil genutzt und sich im Medaillenspiegel dank der größeren Zahl der Goldmedaillen vor die Amerikaner gesetzt 51:36 lautete der Endstand. So viele Goldmedaillen wie die Chinesen hatte bei nicht-boykottierten Spielen bis dahin noch nie ein Team gewonnen. Den Rekord hielt bisher die GUS mit 45 Goldmedaillen 1992 in Barcelona. Die USA hielten ihr Ergebnis von Athen 2004.

Insgesamt konnten die Chinesen ihre Medaillengewinne von 63 in Athen 2004 auf 100 steigern. Doch so ganz haben sich die Amerikaner dann eben doch nicht kleinkriegen lassen, liegen sie doch in der Gesamtzahl der gewonnenen Medaillen mit 110 weiterhin deutlich vor den Chinesen.

Schaut man sich das Ergebnis genauer an, stellt man fest, dass die Chinesen eben nicht bei den Amerikanern, sondern bei allen anderen Nationen gewildert haben. Die ganz großen Verlierer bei dieser Medaillenhatz waren die Russen, womit man aber nach den dopingbedingten Ausfällen schon vor den Spielen durchaus auch gerechnet hatte. Zwar konnten die Russen ihren dritten Rang im Medaillenspiegel halten, doch mit 72 Medaillen im Vergleich zu 92 in Athen verloren sie einen Großteil ihrer sportlichen Macht.

Usain Bolt

Usain Bolt

Als Sieger können sich neben den Chinesen vor allem die Briten fühlen, die ihre Olympiasiege mehr als verdoppelten und ihre Medaillensammlung von 30 auf 47 steigerten. Auch die Jamaikaner dürfen sich mit ihren sechs Olympiasiegen als Sieger fühlen.

Unterschiedliche Entwicklungen

Der von vielen erwartete Aufschwung des asiatischen Sports ist freilich ausgeblieben. Japan und Südkorea konnten ihre Positionen in den Top Ten in etwa halten, wobei Japan deutlich weniger Medaillen gewonnen hat als in Athen 2004. Die anderen asiatischen Länder konnten sich aber nicht besonders in Szene setzen.

Olympia 2008 Äthiopien Gold für Tirunesh Dibaba 10000 m Lauf

Äthiopiens Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba

Im Gegensatz dazu haben die beiden stärksten afrikanischen Nationen, Kenia und Äthiopien, ihre Positionen noch einmal deutlich verbessern können. Kenia verdoppelte mit 14 seine Medaillenzahl im Vergleich zu Athen und beide steigerten die Anzahl der Olympiasiege von drei auf neun.

Insgesamt setzte sich der Trend fort, dass die Spitze immer breiter wird, d.h., dass sich immer mehr Länder in die Liste der Medaillengewinner eintragen können. Stand der Rekord bisher bei 80 Nationen 2000 in Sydney, so zählt man diesmal schon 87 Länder im Medaillenspiegel.

Deutscher Sport in der Krise

Und die Deutschen? Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis nicht so schlecht aus, hat man mit 16 doch sogar drei Goldmedaillen mehr als in Athen gewonnen und sich so im Medaillenspiegel von Rang sechs auf Rang fünf verbessert. Doch bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass sich tatsächlich der sportliche Niedergang, der seit den Spielen 1992 in Barcelona zu beobachten ist, weiter fortgesetzt hat. Die deutsche Medaillenausbeute ist von 82 in Barcelona über 65 in Atlanta, 56 in Sydney und 49 in Athen auf 41 Medaillen zurückgegangen. Man hat es also nicht wie angekündigt geschafft, den Abwärtstrend zu stoppen und Athen war eben doch noch nicht der Tiefpunkt.

Lediglich drei Sportarten können mit ihrem Abschneiden in Peking rundum zufrieden sein – Vielseitigkeitsreiter, Dressurreiter und die Kanuten – auch wenn sie von sich selbst mehr erwartet hatten. Im Hockey, Modernen Fünfkampf und Fechten überwiegt die Zufriedenheit. Ansonsten lautet das Urteil durchgehend mehr erwartet, unbefriedigend oder sogar katastrophal.

Olympia, Britta Steffen nach Sieg über 50 Meter, mit Goldmedaille

Britta Steffen

Und Letzteres gilt leider besonders für die Kernsportarten. Die 2 Goldmedaillen von Britta Steffen können die sonstigen extrem schwachen Vorstellungen im Schwimmen nicht verdecken und die Leichtathleten lieferten mit nur einer Bronzemedaille das schwächste Ergebnis seit mehr als einhundert Jahren ab.

Ähnlich katastrophal die Boxer mit nur vier Teilnehmern, die alle in der ersten Runde rausflogen, die Springreiter, die erstmals überhaupt ohne Medaille blieben, die Ruderer und mit Ausnahme der Hockeyspieler eben auch die Ballsportarten. Es waren, abgesehen von den Kanuten, letztlich Einzelkämpfer wie der Gewichtheber Mathias Steiner, der Judoka Ole Bischof oder Mountainbikerin Sabine Spitz, die für die deutschen Glanzpunkte sorgten.

Bei den Mängeln und Schwächen, die sich im deutschen Sport in Peking offenbarten, reicht es nicht, immer wieder darauf zu verweisen, dass man wohl das härteste und beste Doping-Kontrollsystem habe. Diese Problematik mag ja vielleicht erklären, warum man keine Siegchance hat, aber nicht die teilweise unglaublichen Abstände selbst zur erweiterten Weltspitze und schon gar nicht das gerade unter deutschen Sportlern weit verbreitete Defizit, ausgerechnet im wichtigsten Moment die eigene Bestleistung nicht abrufen zu können – gerade im Schwimmen und in der Leichtathletik eine immer wieder gehörte Entschuldigung.

Unklare Zukunft

Noch in Peking kamen auch Klagen auf, in Deutschland würde zu wenig Geld in den Sport investiert bzw. falsch investiert. Damit ist jetzt schon klar, dass es in den nächsten Wochen und Monaten zu Verteilungskämpfen um die immerhin 126 Millionen Euro kommen wird, die der Bund derzeit jährlich in den Sport steckt. Dabei scheint es vielmehr angebracht, über generelle Trainingsmethoden, Vorbereitunsgmöglichkeiten, internationale Entwicklungen und mentale Athletenbetreuung nachzudenken.