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Aktuell Asien

Chinesische Megastädte sollen zusätzliche 90 Millionen Einwohner bekommen

China möchte den Binnenkonsum ankurbeln - und will dazu mehr Menschen in die Städte locken. Dort geben sie mehr Geld aus als auf dem Land. Allerdings hat diese Lösung auch einen finanziellen Haken.

Chinas Megastädte (Artikelbild: Shanghai) sollen noch größer werden. Die Regierung will den Anteil der Stadtbevölkerung bis zum Jahr 2020 von 52,6 Prozent (2012) auf 60 Prozent erhöhen. Das sieht ein Plan vor, der jetzt vom Pekinger Staatsrat verabschiedet wurde. Um diesen Plan zu erfüllen, müssten laut Schätzungen rund 90 Millionen zusätzliche Einwohner vom Land in die Städte ziehen.

Mit der Verstädterung will die Zentralregierung die Wirtschaft ankurbeln. Die Stadtbewohner sollen die Binnennachfrage antreiben. Nach einer Berechnung des "Center for International Economic Exchanges" geben Stadtbewohner bis zu 3,6 mal mehr Geld aus als Landbewohner. Die Selbstversorgung auf dem Land, so die Hoffnung der Strategen, kann durch besser bezahlte Arbeitsplätze in den Städten ersetzt werden.

Dabei möchte die Zentralregierung in Peking auch mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Bei der Vorstellung des Plans gestand die Regierung "urbane Katastrophen" der Vergangenheit ein - wie etwa Verschmutzung der Luft, des Wassers und des Bodens, sagte Xu Hongcai vom Center for International Economic Exchanges der Nachrichtenagentur Xinhua.

Mehr Schulen und Krankenhäuser - ein Problem

Seit 2012 leben erstmals mehr Menschen in den urbanen Zentren Chinas als auf dem Land. Vielen der Wanderarbeiter fehlt jedoch die richtige Wohnraumregistrierung, die ihnen Zugang zu wichtigen Sozialleistungen wie den Schulbesuch der Kinder, günstige Gesundheitsversorgung oder Renten verschafft. Eine An- oder Ummeldung ist schwierig und wird von den Stadtbehörden oft verweigert. Es fehle das Geld für zusätzliche Schulen, Krankenhäuser oder andere Einrichtungen.

Das soll sich nach den Regierungsplänen ändern. Der Anteil der Bevölkerung mit Stadtregistrierung soll bis 2020 auf 45 Prozent steigen, ein Plus von knapp zehn Prozent. Das würde bedeuten, dass rund 1000 Millionen Menschen zu vollwertigen Stadtbewohnern mit allen Rechten aufsteigen.

Das könnte wiederum für den chinesischen Staat richtig teuer werden. Eine dem Staatsrat unterstellte Kommission rechnet mit bis zu 1,4 Milliarden Yuan (175 Millionen Euro) zusätzlichen Ausgaben pro Jahr. Der Rechnungshof macht eine andere Rechnung auf. Demnach haben die Provinzen, Städte und Gemeinden jetzt schon zwei Milliarden Euro Schulden. Sollte Peking die Städte tatsächlich um 90 Millionen Einwohner wachsen sehen, wird sie den lokalen Regierungen daher finanziell unter die Arme greifen müssen, um ein weiteres Abgleiten in die Schulden zu verhindern. .

zam/gmf (dpa)