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Afrika

Chinesen in Afrika kämpfen gegen Vorurteile

Die Liste der Vorurteile und Klischees über Chinesen ist in Afrika lang. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass viele Afrikaner von chinesischen Privatunternehmern profitieren.

Ismail Mrisho hat gute Erfahrungen mit den Chinesen. Der Tansanier arbeitet seit sieben Jahren für eine kleine Firma, die Knoblauch aus China importiert und dann weiter in andere afrikanische Staaten exportiert. Wenn der 35-Jährige Freunden von seinem Job erzählt, hört er ständig Kritik: Typisch, anstatt unseren eigenen Knoblauch zu verkaufen, importieren wir chinesischen. Doch Mrisho sieht das anders. Der Knoblauch aus China ist größer als der aus Tansania und damit bei den Kunden beliebter. Wenn die Tansanier auf diese Nachfrage nicht reagieren, seien sie selber schuld, wenn es andere machen.

Chinesischer Straßenhändler in Lagos (Foto: AP)

Chinesischer Straßenhändler in Lagos

"Mein Chef ist schwer in Ordnung. Wir gehen ab und zu zusammen aus, er zahlt gut und wenn ich ein Problem habe, versucht er mich zu verstehen", sagt Mrisho. "Aber von vielen anderen habe ich ehrlich gesagt das Gegenteil gehört, sie haben eine schlechte Meinung von den Chinesen. Sie denken, dass sie nur hierher kommen, um Profite zu machen und dann wieder zurück in ihr Land gehen."

Protektionismus gegen Migranten

Diesen Eindruck bestätigt auch die chinesische Wissenschaftlerin Katy Lam von der Universität Lausanne in der Schweiz. "Viele haben den Eindruck, dass die Chinesen von ihrer Regierung nach Afrika geschickt werden", berichtet Lam. "Aber das stimmt nicht", widerspricht die Soziologin, die mehrere Monate lang in Ghana und Benin recherchiert hat und dort mit Chinesen und der afrikanischen Bevölkerung gesprochen hat. "Sie werden noch nicht einmal von ihrer Regierung unterstützt. Sie sind auf sich selbst gestellt."

Senegalesische Mitarbeiter in einem chinesischen Laden in Dakar (Foto: AP)

Ein chinesischer Laden in Senegals Hauptstadt Dakar

Vor allem chinesische Unternehmer haben es nicht leicht in Afrika, viele Geschäftsideen scheitern. Sprachkenntnisse und große kulturelle Unterschiede erschweren ihre Integration. Die misstrauische Stimmung gegen sie führt häufig auch zu protektionistischen Maßnahmen in der Politik. Gerade im Vorfeld von Wahlen stellte Katy Lam in einigen afrikanischen Ländern eine China-feindliche Stimmung fest. Auf dem Dantokpa-Markt in der beninischen Hauptstadt Cotonou, einem der größten Märkte Westafrikas, gab es im Jahr 2000 noch 40 chinesische Textilgeschäfte. 2010 waren nur noch drei davon übrig, der Rest hatte die Lizenz verloren.

Viele Straßenhändler profitieren

Dabei profitieren viele Afrikaner auch von den Chinesen, sagt Laurence Marfaing vom Hamburger Forschungsinstitut GIGA. Sie untersucht die Beziehungen zwischen kleinen chinesischen Händlern und lokalen Händlern im Senegal und in Ghana. Neben den direkt von Chinesen angestellten Afrikanern profitieren auch viele kleine Straßenhändler: Sie können sich selbständig machen, indem sie bei chinesischen Großhändlern einkaufen.

Der Dantokpa-Markt in Cotonou (Foto: AP)

Der Dantokpa-Markt in Cotonou

Das habe auch einen positiven Einfluss auf die illegale Migration nach Europa, so Marfaing: "Das sind Leute, die vor ein paar Jahren noch Migrationskandidaten waren. Für die ist es tatsächlich eine Chance, mit den Chinesen zusammenzuarbeiten. Dadurch haben sie eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und ihre Familien zu unterhalten, ohne wegfahren zu müssen." Jene Händler seien es auch, die bei den häufigen China-Debatten in Afrika für die asiatischen Migranten argumentieren.

Das Bild der Chinesen in Afrika - da sind sich Wissenschaftler einig - muss differenzierter betrachtet werden. Obwohl es natürlich auch negative Fälle gibt: 17 Schuhfabriken zählte Marfaing im Senegal, die zwischen 2003 und 2007 aufgrund der billigeren chinesischen Importe schließen mussten. Einige Kritiker sprechen gar vom "chinesischen Kolonialismus" im Bezug auf die Aktivitäten von chinesischem Staat und Firmen in Afrika. Aber es gebe eben auch jene, die profitieren, wie den Straßenhändler im Senegal oder Ismail Mrisho in Tansania.

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