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Politik

Chinese ist Favorit für Friedensnobelpreis

Hochspannung in Oslo: Vor der Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an diesem Freitag verdichten sich die Hinweise, dass ein chinesischer Dissident die Auszeichnung erhalten wird.

Nobelpreis-Medaille (Foto: AP)

Begehrt: Die Nobelpreis-Medaille zeigt das Bild des Stifters Alfred Nobel

Die Liste der Kandidaten für den Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit 237 Nominierungen, darunter 38 Organisationen, so lang wie noch nie - doch ein Name auf der Liste wird klar favorisiert: der des in China inhaftierten Schriftstellers und Literaturprofessors Liu Xiaobo.

Warnung aus Peking

Liu Xiaobo (Foto: wikipedia)

Liu Xiaobo

Der norwegische öffentlich-rechtliche Fernsehsender NRK, der in der Vergangenheit bereits viele zutreffende Vorhersagen gemacht hatte, berichtete, dass es "eine Präferenz für einen oder mehrere chinesische Dissidenten" wie Liu Xiaobo gebe. Auch nach Einschätzung des Senders TV2 ist Liu der heißeste Favorit für den diesjährigen Friedensnobelpreis. TV2 hatte im vergangenen Jahr die Auszeichnung für US-Präsident Barack Obama richtig vorhergesagt - am Donnerstag verkündete ein Journalist des Privatsenders in den Abendnachrichten, "wahrscheinlichster" Preisträger sei "ein in China inhaftierter Dissident". Anschließend wurde ein langer Bericht über den Fall Liu gezeigt.

Der 54-jährige Dissident war im Dezember wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er ist ein Mitverfasser der "Charta 08", eines Manifests, das tiefgreifende politische Reformen in China fordert. Schon wegen seiner Beteiligung an den blutig niedergeschlagenen Protesten auf dem Tiananmen-Platz 1989 saß er im Gefängnis. Die chinesische Regierung machte in Peking deutlich, dass sie eine Auszeichnung Lius mit dem Friedensnobelpreis als "unfreundlichen Akt Norwegens" betrachten würde.

Geheimfavorit Kohl

Helmut Kohl (Foto: dapd)

Helmut Kohl

Doch auch andere Persönlichkeiten dürfen sich noch Chancen ausrechnen - unter ihnen die afghanische Frauenrechlerin Sima Samar und die russische Aktivistin Swetlana Gannuschkina, Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial. Der Sender NRK nannte auch Altbundeskanzler Helmut Kohl als aussichtsreichen Kandidaten für den Friedensnobelpreis. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Kanzler Willy Brandt.

Die Entscheidung wird in Oslo gegen 11 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) bekanntgegeben. Die Auszeichnung von Barack Obama hatte 2009 für Furore gesorgt - zumal der US-Präsident damals erst seit neun Monaten im Amt war und gleich zwei Kriege in Afghanistan und im Irak führte. Obama hatte zwar bereits sein Konzept für eine atomwaffenfreien Welt vorgestellt, davon aber nichts umgesetzt.

Die Nobelpreise sind mit jeweils umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Die Auszeichnungen für Medizin, Physik, Chemie und Literatur waren bereits in den vergangenen Tagen in der schwedischen Hauptstadt Stockholm bekanntgegeben worden. Überreicht werden die Nobelpreise traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel (1833-1896).

Autor: Christian Walz (afp, dpa, rtr, dapd)
Redaktion: Reinhard Kleber

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