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Wirtschaft

Chinas Yuan auf dem Weg in die Top-Liga

China ist schon lange die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Jetzt steht Chinas Währung kurz vor der Aufnahme in das System des Internationalen Währungsfonds.

Lange musste sich Peking gedulden, doch am kommenden Montag wird es aller Voraussicht nach so weit sein: Der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington entscheidet, ob der Yuan in die Welt-Liga der Währungen aufgenommen wird.

Die Chancen stehen gut. Nachdem sich IWF-Chefin Christine Lagarde bereits für den Plan ausgesprochen hat, rechnen die meisten Experten damit, dass auch der Exekutivrat, das Führungsgremium des Fonds, zustimmt. Die chinesische Währung würde dann Teil des sogenannten Währungskorbes.

Dieser Korb ist die Grundlage für die "Sonderziehungsrechte" – eine Kunstwährung, in der der IFW rechnet und unter anderem Finanzhilfen auszahlt. Bisher gehörten nur der US-Dollar, der Euro, das britische Pfund und der japanische Yen zu dieser globalen Währungselite.

Lang gehegter Traum

"China wird damit auch vom IFW ein größere Bedeutung zugesprochen", sagt der Ökonom Mei Xinju. "Es ist ein weiterer Schritt, der das Vertrauen in den Yuan als internationale Währung stärken wird."

Doch auch ohne die neue Rückendeckung des IWF hat das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren bereits viele Schritte unternommen, um seinem strategischen Ziel näher zu kommen: Die Vormachtstellung der USA an den Finanzmärkten soll zurückgedrängt und der Yuan neben dem US-Dollar als weitere große Weltwährung etabliert werden.

Peking geht dabei generalstabsmäßig vor. Seit 2009 hat China insgesamt 39 sogenannte Swap-Abkommen mit anderen Ländern geschlossen. Wo China früher mit Handelspartnern Geschäfte in Dollar abrechnete, geschieht das nun direkt in der eigenen Landeswährung.

Investitionen ohne den Dollar-Umweg

Auch der laufende Aufbau der "neuen Seidenstraße" gibt dem Yuan Auftrieb. Für das globale Handelsnetz, das in Zukunft über 60 Staaten umfassen soll, investiert Peking weltweit Milliarden in Straßen, neue Bahnstrecken und Hafenanlagen. "Ein immer größerer Teil dieser Investitionen wird nicht mehr in Dollar, sondern direkt in Yuan getätigt", sagt die chinesische Währungsexpertin Zhang Monan.

Zudem wird der Yuan zur Investitionswährung aufgebaut - was bedeutet, dass ausländische Anleger zunehmend in Finanzprodukte investieren, die in Yuan notiert sind. Erst in der vergangenen Woche nahm in Frankfurt die neue deutsch-chinesische Börse ihre Arbeit auf. An ihr können 200 Finanzprodukte in chinesischer Währung gehandelt werden.

Der Versuch Pekings, andere Länder enger an den Yuan zu binden, zeigt Wirkung. Im August 2012 rangierte die Währung der Volksrepublik noch auf Platz 12 der wichtigsten globalen Zahlungsmittel. Mittlerweile schafft es der Yuan bereits auf Platz drei der international am meisten gehandelten Währungen - noch vor dem japanischen Yen.

Video ansehen 01:23

Chinas Währung wird internationalt

Keine drei Prozent

Im Vergleich zum Top-Trio ist er allerdings noch immer ein Zwerg: Zuletzt wurden 2,79 Prozent aller internationalen Zahlungen in Yuan abgewickelt - gegenüber 44,8 Prozent in Dollar, 27,2 Prozent in Euro sowie 8,5 Prozent mit dem britischen Pfund.

"Damit der Yuan tatsächlich in einer Liga mit dem US-Dollar spielen kann, sind noch viele Reformen nötig", erklärt Zhang Monan. Der wichtigste Punkt dabei: China muss seine Währung von den Kontrollfesseln des Staates befreien. Anders als der US-Dollar oder der Euro ist der Yuan bisher beispielsweise nicht frei tauschbar. Wie sehr der Kurs der Währung schwanken darf, darüber entscheidet zu einem großen Teil noch immer der Staat und nicht der freie Markt.

Wann Peking den Schritt hin zu einem völlig frei handelbaren Yuan wagt, ist unter Experten jedoch umstritten. Einige spekulieren, dass schon im nächsten Fünf-Jahres-Plan, der 2016 in Kraft tritt, eine volle Tauschbarkeit des Yuan festgelegt werden könnte.

Noch nicht konvertibel

Andere, wie der Ökonom Mei Xinju, sind skeptischer. Ein Währungsexperiment diesen Umfangs in einer Zeit zu starten, in der Peking bereits mit einem deutlich abgeschwächten Wirtschaftswachstum kämpft, würde zusätzliche Unsicherheit bringen und im schlimmsten Fall sogar eine Wirtschaftskrise auslösen, argumentiert er.

Sollten internationale Investoren nach einer Freigabe des Yuan massiv auf eine steigende Währung spekulieren, könnten so in kürzester Zeit riesige Mengen Geld ins Land fließen, was aber auch die Gefahr von Spekulationsblasen erhöhen würde. Andererseits könnte ein frei handelbarer Yuan dazu führen, dass aus Sorge um die weitere Entwicklung der chinesischen Wirtschaft große Mengen an Kapital aus dem Land abfließen. Auch das würde der Wirtschaft schaden.

"Es ist eine knifflige Aufgabe, weshalb sich die Regierung noch Zeit lassen wird", erklärt Mei Xinju. Daran, dass der Yuan eines Tages in einer Liga mit dem US-Dollar spielen wird oder sogar an ihm vorbei zieht, zweifelt der Ökonomen jedoch nicht.

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