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Aktuell Asien

Chinas Wirtschaft vor langem Marsch

Schwankungen an den Börsen, zweistellige Export-Einbrüche und die Abwertung der Landeswährung - Chinas Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Nach Wachstumsjahren, will sich das Land ökonomisch neu positionieren.

So hat die asiatische Großmacht im Kampf gegen die Turbulenzen an den Börsen des Landes weitere Reformen in Aussicht gestellt. "Wir brauchen mehr Transparenz an den Märkten", sagte Liu Shiyu (Artikelbild), Vorsitzender der chinesischen Börsenaufsicht, anlässlich der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses in Peking.

"Wir können die Interessen von Investoren nur schützen, wenn wir die Entwicklung des Marktes vorantreiben." Der chinesische Aktienmarkt sei zu unreif, weshalb die Regulierung der Märkte verstärkt werden müsse, sagte Liu bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Chef der Börsenaufsicht.

Sein Vorgänger, Xiao Gang, musste im Februar seinen Posten räumen, nachdem die chinesischen Aktienmärkte seit Mitte 2015 um rund 40 Prozent eingebrochen waren und Werte von über fünf Billionen US-Dollar vernichtet wurden. Viele Beobachter machten ein schlechtes Krisenmanagement der Behörden mitverantwortlich für den Kursrutsch.

Neues wirtschaftliches Selbstverständnis

Aber nicht nur die schwachen Börsen machen China zu schaffen. Auch das wirtschaftliche Selbstverständnis wollen die Macher in Peking überdenken. China will nicht länger die verlängerte Werkbank der Welt sein, sondern durch mehr Innovation, einen großen Dienstleistungssektor und gestärkten Binnenkonsum wachsen. Das ist auch dringend notwendig. Viele Industrien leiden unter hohen Überkapazitäten und können den Betrieb nur aufrechterhalten, wenn sie sich hoch verschulden. Die beschriebenen Börsenturbulenzen und hohe Kapitalabflüsse ins Ausland setzen die Regierung zusätzlich unter Druck. Mit 6,9 Prozent wuchs die Wirtschaft des Landes im vergangenen Jahr so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr. Doch reicht der neue Masterplan, um Chinas Wirtschaft flott für die Zukunft zu machen?

China Kursrutsch an den Börsen Foto: (C) Reuters

Kursrutsche gehören inzwischen zum Alltag an den Börsen in China

Zuviele Lobbygruppen

Viele Experten sind skeptisch: "Die Führung tut sich zunehmend schwer damit, die Wirtschaft überhaupt zu verstehen", sagt etwa der kritische Kommentator Zhang Lifan. Schon vor zwei Jahren habe Peking große strukturelle Veränderungen angekündigt, von denen aber bislang kaum etwas zu sehen sei. Für andere Experten ist nicht mangelnder Sachverstand, sondern fehlende Durchsetzungskraft das größte Problem der Regierung: Lobbygruppen von Staatsunternehmen sowie Lokalregierungen, die andere Interessen als Peking verfolgen, blockieren demnach notwendige Reformen. "Wenn es der Zentralregierung nicht gelingt, alle an Bord zu holen, wird auch die Umsetzung des Fünf-Jahresplans scheitern", so ein Manager eines deutschen Konzerns in Peking.

Keine Massenentlassungen geplant

Die Industrie müsse ihre Überkapazitäten abbauen, ergänzte der Vorsitzende der staatlichen Planungs- und Reformkommission (NDRC), Xu Shaoshi. Dies werde aber nicht zu großen Entlassungen führen. Das Wirtschaftswachstum werde dafür sorgen, dass an anderer Stelle neue Jobs entstünden. Insider hatten zuletzt gesagt, in den kommenden Jahren sollen bei - dauerhaft defizitären - "Zombie-Firmen" fünf bis sechs Millionen Jobs gestrichen werden. Das wäre die größte Entlassungswelle in China seit fast zwei Jahrzehnten.

China Qingdao Hafenarbeiter steht vor Containern Foto: (c) Getty Images/AFP/Str

Die Exporte in China sind eingebrochen. Diese trifft auch die Beschäftigten wie hier im Hafen von Qingdao

Währung soll wieder auf normalem Niveau sein

Wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Probleme in China gibt auch die Landeswährung Yuan seit Monaten nach. Die Zentralbank sieht diesen Trend allerdings nun gestoppt. So zerstreute Chinas Zentralbankchef Zhou Xiaochuan nun Sorgen vor einer weiteren Abwertung der chinesischen Währung. Der Yuan befinde sich nach einer Phase von Schwankungen wieder auf einem normalen und angemessenen Niveau, sagte er. Dieser Trend werde sich fortsetzen.

Wetten auf Verfall der Währung

Seit vergangenem Jahr war die Währung gegenüber dem US-Dollar um mehr als fünf Prozent gefallen, hatte sich aber in den vergangenen Wochen wieder etwas erholt. Wegen der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung in China waren viele Investoren zuletzt pessimistisch gegenüber dem Yuan eingestellt und wetteten auf einen weiteren Verfall der Währung.

Um den Abwärtstrend zu stoppen, interveniert Peking seit Monaten mit Milliardensummen aus den gewaltigen Devisenreserven des Landes. Allein in den vergangenen drei Monaten schmolzen diese Reserven um rund 236 Milliarden Dollar (212 Mrd Euro) auf nun noch 3,2 Billionen Dollar - den niedrigsten Stand seit 2011.

Einbruch bei den Exporten

Der Notenbankchef betonte, dass China trotz eines schwächeren Außenhandels keine Abwertung des Yuan anstrebe. Erst in der vergangenen Woche hatte die Zollverwaltung in Peking mitgeteilt, dass Chinas Exporte im Februar im Vergleich zum Februar des Vorjahres um 20,6 Prozent zurückgegangen sind - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die Ausfuhren des Landes seien laut Zentralbankchef Zhou Xiaochuan zwar rückläufig. Da sich die gesamte Weltwirtschaft schwach entwickelt habe, hätten chinesische Unternehmen ihren Anteil am Welthandel im vergangenen Jahr aber sogar noch ausbauen können.

Künftig wird mit 6.5 Prozent Wachstum gerechnet

Optimistisch äußerte sich Zhou Xiaochuan zu den Wachstumsplänen, die im neuen Fünf-Jahres-Plan der Regierung verankert sind. Die Ziele könnten voraussichtlich ohne großen Stimulus der Zentralbank erreicht werden. Geht es nach Regierungschef Li Keqiang soll das jährliche Wachstum in den nächsten fünf Jahren mindestens noch 6,5 Prozent betragen.

cgn/sti (dpa, rtr)