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Asien

Chinas Weg zum Hightech-Champion

Bis 2049 will China zur globalen Hightech-Macht aufsteigen. Deshalb wird Technologie und Know-how en gros im Westen eingekauft - wie etwa Kuka. Europas Politiker reiben sich erstaunt die Augen.

Chinas Präsident Xi Jinping hat eine Vision: Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts soll sein Land eine führende globale Macht in den Wissenschaften und der Hochtechnologie werden. Auf einer Hightech-Konferenz Ende Mai forderte Xi, China müsse sich bis 2010 zu einem der innovativsten Länder der Welt entwickeln und bis 2030 einer der globalen Schrittmacher bei technologischen Innovationen sein. Und dann, im Jahr 2049 - rechtzeitig zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Volksrepublik - werde sein Land eine der tonangebenden Hightech-Nationen überhaupt sein.

"Große wissenschaftliche und technologische Fähigkeiten sind ein Muss für China, um stark zu sein und das Leben der Menschen zu verbessern", sagte Xi und forderte in seiner Rede neue Ideen, Modelle und Strategien in Wissenschaft und Technik.

Weckruf an die Politik

China - Xi Jinping

Xi Jinping vor dem Volkskongress im März 2016

Diese Entschlossenheit, gepaart mit der Vision einer von China dominierten globalen Hightech-Industrie bereitet immer mehr Menschen in Europa Sorgen. Besonders in Deutschland, wo mit dem Roboterspezialisten Kuka erneut ein deutsches Vorzeigeunternehmen von einem chinesischen Konzern gekauft wird, der dafür rund 4,5 Milliarden Euro auf den Tisch blättert. Der deutsche Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel appellierte an europäische Industriekonzerne, ein alternatives Angebot für Kuka abzugeben, um die chinesische Übernahme abzuwehren.

Und der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger forderte, als Lehre aus der Übernahme des Augsburger Roboterherstellers durch den chinesischen Haushaltsgeräte-Produzenten Midea ein europäisches Außenwirtschaftsgesetz. "Es hat sich gezeigt, dass die Politik hier nur begrenzte Instrumente hat", sagte Oettinger. Für "strategisch wichtige Wirtschaftsbereiche" sei zu prüfen, was national oder auf europäischer Ebene getan werden könne, um Wertschöpfung und Forschung auch künftig in Europa zu halten.

Deutschland KUKA Robotics

Zukunftmarkt Kollaborative Roboter: Kuka-Roboter auf einer Messe in Shanghai

Zhang Hongbiao kann die Aufregung der Politiker in Europa nicht nachvollziehen. Für den Finanzexperten am Gaogong Industry Research Institute (GGII) in Shenzhen, einem führenden chinesischen Forschungsinstitut für die Technologiebranche, ist die Kuka-Übernahme keine große Sache. "In der EU zählt Kuka eigentlich nicht zu jenen Unternehmen, die über sensible Technologien verfügen. Kuka bietet hauptsächlich Lösungen und Konzepte an. Bestimmte Bauteile werden sogar zugekauft."

Das sehen viele deutsche Branchenexperten ganz anders, so wie der China-Experte Jost Wübbecke von Merics der sich im Handelsblatt kritisch zu der Übernahme geäußert hat. Er bezeichnete Kuka als Flaggschiff der Industrie 4.0. So betreibt Kuka mit seinen Robotern bereits jetzt eine Fabrik der Zukunft in den USA, in der in engem Daten-Austausch mit dem Produktionsprozess der Geländewagen-Marke Jeep Karosserien des Modells Wrangler gefertigt werden.

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Angst vor Technologie-Klau

Trotzdem meint Zhang Hongbiao, Europäer und Deutsche müssten nicht nervös sein - jedenfalls nicht, solange Kuka an der deutschen Börse notiert ist. "Selbst wenn Midea der größte Aktionär werden sollte, gibt es immer noch die anderen, die mitreden dürfen. Alle wichtigen Entscheidungen werden vom Vorstand gemeinsam getroffen."

Natürlich habe der chinesische Markt großes Potential. Doch die internationalen Konzerne würden sowieso nicht für alle Zeit den chinesischen Unternehmen überlegen sein. "In der Robotik sind die Chinesen bereits jetzt dabei, in den mittleren und niedrigeren Segmenten ausländische Produkte durch eigene zu ersetzen", sagt der GGII-Technologieexperte aus Shenzhen.

US-Regierung zieht Grenzen

Dieser Hinweis auf die unmittelbare Zukunft scheint Skeptiker wie Günther Oettinger zu bestätigen, der die chinesischen Aktivitäten genau beobachtet. Das von der chinesischen Führung vorgegebene Programm "Made in China 2025" liest sich fast wie eine Kampfansage an die ehrgeizigen Pläne der Deutschen Industrie 4.0, sagen Kritiker.

In den USA ist der Gesetzgeber da schon weiter. Immer, wenn nationale Interessen oder US-Schlüsseltechnologien durch eine Übernahme aus dem Ausland bedroht sind, tritt das "Committee on Foreign Investment in the United States" (CFIUS) auf den Plan. Das mächtige Gremium ist dem US-Finanzministerium angeschlossen, seine Mitglieder rekrutieren sich aus den Ministerien für Finanzen, Verteidigung, Justiz, dem Innenmisterium und zehn weiteren Ressorts. Im vergangenen Sommer machte CFIUS Schlagzeilen, als es die 23 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Chipherstellers Micron Technologies durch das chinesische Staats-Konglomerat China Resources durchkreuzte.

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